Wirtschaftsnetzwerk
EU-Kritiker wollen Schweizer AKW länger laufen lassen

Das EU-kritische Netzwerk Kompass Europa zeigt auf, wie die Schweizer Stromversorgung nach dem Ende des Rahmenabkommens gesichert werden könnte. Unter anderem sollen die AKW länger laufen.

Alice Guldimann
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Die Schweiz soll ihren Selbstversorgungsgrad beim Strom steigern, indem die Kernkraftwerke länger laufen. (Symbolbild)

Die Schweiz soll ihren Selbstversorgungsgrad beim Strom steigern, indem die Kernkraftwerke länger laufen. (Symbolbild)

Keystone

Was die zukünftige Stromversorgung der Schweiz angeht, gibt es viele offene Baustellen. Mit dem Abbruch der Verhandlungen zum Rahmenabkommen rückte auch das Stromabkommen mit der EU in weite Ferne. Die Netzgesellschaft Swissgrid rechnet für die nächsten Jahre mit immer grösseren Herausforderungen für die Netzstabilität. Dazu kommt, dass die Schweizer AKW möglicherweise bald abgeschaltet und die erneuerbaren Energien nur schleppend ausgebaut werden.

Um die Entwicklung der Schweizer Stromversorgung sorgt sich auch die EU-kritische Allianz Kompass Europa. Die Schweiz befinde sich momentan an einem Scheideweg, heisst es in einem am Freitag publizierten Diskussionspapier. Das Risiko für schwere Störfälle oder Blackouts in der Schweiz oder im nahen Ausland steige an. Es brauche jetzt ein gemeinschaftliches, entschlossenes Handeln, ansonsten fürchtet Kompass Europa «schwerwiegende Konsequenzen».

Abkommen als Übergangslösung

Konkret sieht die Task Force «Elektrizität» des Netzwerks drei Handlungsfelder. So müsse die Schweiz einerseits auf ein Interimsabkommen mit der EU über Strom hinarbeiten. Dieses soll als Übergangslösung die sektorielle Zusammenarbeit im Bereich Elektrizität «mittelfristig auf eine stabile Basis stellen». Privatwirtschaftliche Verträge zwischen den Netzbetreibern, die bereits in Verhandlung sind, müssten zudem als alternative Option weiterverfolgt werden.

Der dritte Punkt betrifft den Selbstversorgungsgrad der Schweiz. Um diesen zu steigern, will Kompass Europa einerseits auf Gaskraftwerke setzen und andererseits die Betriebsdauer der bestehenden Kernkraftwerke verlängern, um Zeit zu gewinnen. Ein fixes Abstelldatum für die Schweizer AKW gibt es nicht. Politik und Verwaltung gehen derzeit von einer Betriebsdauer von 50 Jahren aus. Jüngst bestätigte jedoch das Bundesamt für Energie, dass bereits Gespräche des Bundes mit den AKW-Betreibern über eine mögliche längere Betriebsdauer laufen.

Hinter Kompass Europa stehen die Gründer der Zuger Vermögensverwalters Partners Group. Das Wirtschaftsnetzwerk setze sich an vorderster Front gegen das Rahmenabkommen mit der EU ein. Jetzt, wo der Bundesrat das Abkommen beerdigt hat, will sich Kompass Europa mit Vorschlägen zur Ausgestaltung der Beziehungen Schweiz-EU weiterhin einbringen.

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