Volkswirtschaft
Engpässe bei Lieferketten bremsen die Wirtschaft – Inflation keine Gefahr

Die ETH-Konjunkturforschungsstelle rechnet für das kommende Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von 3,6 Prozent. Eine Normalisierung der Konjunktur wird für 2023 erwartet.

Peter Walthard
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Die globalen Lieferketten sind noch immer gestört – das spürt auch die Schweizer Industrie.

Die globalen Lieferketten sind noch immer gestört – das spürt auch die Schweizer Industrie.

Keystone

Die wirtschaftliche Erholung der Pandemie verschiebt sich teilweise auf das nächste Jahr. Grund dafür sind Engpässe in den internationalen Lieferketten und der Verlauf der Pandemie in der Schweiz. Zu dieser Einschätzung gelangt die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF). Das heisst: Auch das ganze nächste Jahr über kann mit starkem Wirtschaftswachstum gerechnet werden, die Aufholeffekte dürften erst 2023 abflachen.

Die Weltkonjunktur sei «gut, aber nicht mehr euphorisch», sagte KOF-Direktor Jan-Egbert Sturm am Mittwoch vor den Medien. Für das laufende Jahr rechnet die KOF für die Schweiz mit einer Wachstumsrate von 3,2 Prozent, 2022 soll das Wirtschaftswachstum 3,6 Prozent betragen. Ab 2023 dürfte das Wachstum auf Vorkrisenniveau abflachen (1,8 Prozent). Für 2023 sind Effekte von internationalen Grossveranstaltungen im Sport jedoch nicht miteingerechnet.

Mehr Arbeit, aber kaum mehr Lohn

Gegenwärtig werde die Erholung durch Produktionsbeschränkungen und Preisanstiege aufgrund der noch nicht ganz wiederhergestellten Lieferketten gebremst, so Professor Sturm. Die KOF geht davon aus, dass sich diese Engpässe ab dem ersten Quartal auflösen. Zur eigentlichen Wachstumslokomotive der Schweizer Industrie aufgestiegen ist in der Krise die Pharmabranche. Diese wachse nicht nur stark, sondern erlebe derzeit eine ausserordentliche Preisdynamik, so Sturm. Im Dienstleistungssektor sei der Einfluss der staatlichen Ausgaben dagegen immer noch hoch. Umfragen zeigten aber, dass es namentlich der Finanzbranche grundsätzlich gut gehe, so Sturm.

Dies schlage auch auf den Arbeitsmarkt durch. Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit sei im Sommer erfreulich verlaufen, im kommenden Winterhalbjahr sei mit einer deutlichen Entlastung zu rechnen. Allerdings: Wegen der Teuerung werde es kaum mehr Lohnwachstum geben. Der Inflationsdruck ist nach Einschätzung der KOF aber temporär. Sie rechnet für dieses Jahr mit einer Teuerung von 0,5 Prozent, für 2022 mit 0,6 Prozent und für 2023 mit 0,4 Prozent.

Laut Sturm sind das deutlich tiefere Werte als im Ausland . «Eine Inflationsgefahr in der Schweiz sehen wir derzeit nicht», sagte er. Sorge bereite eher die Gefahr einer Überhitzung des Immobilienmarkts: «Wir müssen darauf achten, dass da nicht Blasen entstehen, die uns nachher um die Ohren fliegen.» Auch führe die im Ausland stärker anziehende Inflation zu einem Erstarken des Frankens.

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