Streit mit Weko
Glasfasernetz: Bundesverwaltungsgericht wendet sich gegen Swisscom

Die Wettbewerbskommission erhält beim Streit um das Glasfasernetz Rückendeckung vom Bundesverwaltungsgericht: Die Swisscom darf der Konkurrenz den Zugang zu Leitungen nicht verweigern.

Peter Walthard, Stefan Ehrbar
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Die Swisscom befürchtet, dass der Entscheid des Gerichts den Ausbau des Glasfaserkabelnetzes verzögert.

Die Swisscom befürchtet, dass der Entscheid des Gerichts den Ausbau des Glasfaserkabelnetzes verzögert.

Keystone

Die Swisscom muss der Konkurrenz beim Ausbau des Glasfasernetzes weiterhin Zugang zu durchgehenden Leitungen gewähren. Das Bundesverwaltungsgericht hat am 30. September eine entsprechende vorsorgliche Massnahme der Wettbewerbskommission bestätigt. Sie war im Dezember 2020 verhängt worden, weil die Weko es als glaubhaft erachtete, dass die Swisscom ihre marktbeherrschende Stellung missbrauche. In einer Mitteilung bedauert die Swisscom am Mittwoch den Entscheid. Es drohe eine Verzögerung des Glasfasernetzausbaus für Wohnungen und Geschäfte. Dies schade der Wirtschaft.

«Der Netzausbau droht im schlimmsten Fall um Jahre verzögert zu werden», sagt Swisscom-CEO Urs Schaeppi laut Medienmitteilung. Die Swisscom hatte sich das Ziel gesetzt, die Zahl der «Fibre-to-Home»-Anschlüsse bis 2025 zu verdoppeln. Die Swisscom werde nun weitere Schritte prüfen, so die Mitteilung.

Systemwechsel beim weiteren Netzausbau

Hintergrund ist ein Streit um die Verwendung der Technologie «Point-To-Multipoint» (P2MP) beim weiteren Ausbau des Netzes. In Städten baute die Swisscom ihr Glasfasernetz nach der «Point-To-Point»-Methode (P2P) auf. Vereinfacht gesagt erhält damit jede Wohnung ihre eigene Glasfaserleitung bis zur Swisscom-Zentrale. Im jetzigen Ausbauschritt setzt die Swisscom auf P2MP. Dabei teilen sich Kunden eine Glasfaserleitung von der Zentrale bis zu einem sogenannten Splitter.

Damit sinkt die Kapazität, welche einzelnen Kunden zur Verfügung gestellt werden kann. Im Dezember 2020 hat die Weko der Swisscom mittels vorsorglicher Massnahmen verboten, P2MP-Netze zu bauen, wenn sie ihrer Konkurrenz keinen Layer-1-Zugang zur Verfügung stellt. Darunter wird eine eigene physische Leitung von der Zentrale zum Kunden verstanden, die frei wählbare Geschwindigkeiten und Preise ermöglicht. Die Swisscom hatte den Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht angefochten.

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