Stahl
Nach Abgang des Präsidenten erhält Swiss Steel auch einen neuen Chef

Nach fast sieben Jahren tritt Clemens Iller als CEO von Swiss Steel ab. Neuer Chef des Luzerner Stahlkochers wird spätestens in einem Jahr Frank Koch. Bereits am Dienstag tritt Präsident Jens Alder zurück.

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Wird spätestens in einem Jahr neuer Chef des in Luzern beheimateten weltweit tätigen Stahlkochers Swiss Steel: Frank Koch.

Wird spätestens in einem Jahr neuer Chef des in Luzern beheimateten weltweit tätigen Stahlkochers Swiss Steel: Frank Koch.

HO

(sat) Mit dem Entscheid von Clemens Iller, den weltweit tätigen Schweizer Stahlkonzern zu verlassen, werde nun auch ein personeller Neuanfang möglich. Das schreibt das Unternehmen am Montag in einer Mitteilung. Der 48-jährige Frank Koch steht seit drei Jahren an der Spitze des traditionsreichen deutschen Stahlproduzenten GMH Group.

Laut dem scheidenden Swiss-Steel-Präsidenten Jens Alder verfügt Koch nebst umfassenden Turnaround- und Restrukturierungskompetenzen über eine «beeindruckende Karriere von der Grundausbildung bis zum CEO». Bei seinem bisherigen Arbeitgeber in Deutschland ist der Abgang Kochs laut örtlichen Medien bereits letzten Donnerstag bekanntgegeben worden.

Unternehmen dankt abtretendem Chef für Umbau

Clemens Iller habe die Swiss Steel Group «in einer von grossen strukturellen und finanziellen Herausforderungen geprägten Zeitperiode erfolgreich geführt», schreibt das Unternehmen. Für diese Leistung dankt der Verwaltungsrat seinem scheidenden CEO. Iller selbst wird zitiert mit den Worten, er wolle nach erfolgter Stabilisierung und Refinanzierung des ehemals Schmolz + Bickenbach genannten Konzerns den Weg nun für ein neues Management frei machen und sich neuen Aufgaben zuwenden.

Erst Anfang Monat hatte Swiss Steel bekanntgegeben, Jens Alder werde am Dienstag als Verwaltungsratspräsident zurücktreten. Als unabhängiger Präsident sehe er seine Aufgabe erfüllt. Für die verbleibende Amtszeit bis zur Generalversammlung 2021 soll der bisherige Vize Heinrich Christen übernehmen. Zuletzt hatten die Aktionäre von Swiss Steel im September den Aktiennennwert auf 0.15 Franken halbiert. Der Betrag dieser Nennwertreduktion wurde zur Beseitigung der Unterbilanz vom Juli den Konzernreserven zugewiesen. Gleichzeitig war die Umbenennung von Schmolz + Bickenbach in Swiss Steel Group beschlossen worden.

Weltweit tätig – in der Schweiz systemrelevant

Swiss Steel ist zwar auf dem internationalen Stahlmarkt tätig, gilt aber als für die Schweiz systemrelevant. Laut eigenen Angaben beschäftigt das Unternehmen weltweit mehr als 10'000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und betreibt eigene Produktions- und Verteilgesellschaften in über 30 Ländern auf fünf Kontinenten. Beim Stahlkocher in Emmenbrücke selbst arbeiten 700 Personen, am Hauptsitz in der Stadt Luzern sind es rund 60.

Buchstäblich in letzter Sekunde hatten sich vor einem Jahr die beiden Grossaktionäre der damaligen Schmolz + Bickenbach über die Rettung des angeschlagenen Luzerner Stahlkochers geeinigt. Die Big Point Holding von Amag-Besitzer Martin Haefner und die Liwet Holding, deren grösster Aktionär der russische Investor Viktor Vekselberg ist, willigten ein in eine Kapitalerhöhung im Umfang von mindestens 325 Millionen Franken. Bereits damals war klar, dass diesem Schritt eine grössere Umstrukturierung des Konzerns folgen würde. Unter anderem baut das Unternehmen am Hauptsitz in Luzern seither 20 Prozent der Stellen ab.