Industrie
LafargeHolcim verlegt nach dem Hauptsitz auch den juristischen Sitz nach Zug

Der Zementhersteller zahlt seine Steuern künftig vollumfänglich in Zug. Die Sitzverlegung hat aber noch einen weiteren Effekt. Ausserdem soll der Konzern künftig nur noch Holcim heissen.

Gregory Remez
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LafargeHolcim-CEO Jan Jenisch am inzwischen geschlossenen Standort in Zürich-Oerlikon.

LafargeHolcim-CEO Jan Jenisch am inzwischen geschlossenen Standort in Zürich-Oerlikon.

Bild: Claudio Thoma (26. Oktober 2018)

Seit bald drei Jahren werden die Geschäfte des schweizerisch-französischen Zementherstellers LafargeHolcim aus Zug heraus geführt. Der juristische Sitz befand sich jedoch bis anhin in Jona bei Rapperswil SG, wo das Unternehmen nach wie vor einen Teil der Steuern bezahlte. Nun soll Zug ganz offiziell zum Hauptsitz und damit vollumfänglich zum Steuerdomizil der Gruppe werden.

Es brauche noch die Zustimmung der Aktionärinnen und Aktionäre an der Generalversammlung vom 4. Mai, heisst es in einer Mitteilung des Unternehmens vom Freitag. Mit der Verlegung des Hauptsitzes von Rapperswil-Jona nach Zug werde die Umstrukturierung der Büro-Standorte des Unternehmens abgeschlossen sein.

Bereits im Mai 2018 hatte LafargeHolcim angekündigt, seine Büros in Zürich und Paris zu schliessen und insgesamt 200 von rund 1000 Stellen abzubauen. Die verbleibenden Stellen wurden damals nach Zug sowie ins aargauische Holderbank verlegt, wo der Schweizer Teil des Konzerns Holcim seine Wurzeln hat. In der Grafenau vis-à-vis vom Bahnhof Zug arbeiten inzwischen rund 140 Personen, auch CEO Jan Jenisch hat dort sein Büro. Schweizweit beschäftigt das Unternehmen 1605 Personen. Mit weltweit rund 70'000 Mitarbeitenden setzte es letztes Jahr über 23 Milliarden Franken um.

Prozesse künftig vor Zuger Gerichten

Stimmen die Aktionärinnen und Aktionäre der Sitzverlegung zu, wird LafargeHolcim künftig nicht nur seine Steuern vollumfänglich im Kanton Zug zahlen, sondern müsste sich im Fall von Klagen auch vor Zuger Gerichten verteidigen müssen; in den vergangenen Jahren wurde gegen den Konzern gleich mehrfach prozessiert, unter anderem wegen angeblicher Umweltzerstörung.

Der juristische Sitz in Rapperswil-Jona wird nach Angaben eines Firmensprechers aufgelöst. «Das Bekenntnis zum Standort Zug war bereits im Vorfeld der Entscheidung im Mai 2018 gefallen, als man begann, die Führungsfunktionen sukzessive nach Zug zu verlegen», sagt auf Nachfrage. Die Stadt Zug sei schliesslich nicht nur aus steuerlicher Sicht interessant, sondern vor allem wegen ihres internationalen Umfelds.

Beim Kanton Zug freut man sich über das Bekenntnis zum Standort, und zwar gleich aus zwei Gründen, wie der Leiter des Amtes für Wirtschaft und Arbeit, Bernhard Neidhart, ausführt: «Erstens bleibt das Unternehmen damit definitiv in der Schweiz, was nicht garantiert war. Zweitens wird dadurch der internationale Wirtschaftsplatz Zug weiter gestärkt.» Beim kantonalen Steueramt St. Gallen bedauert man den Wegzug, wie Amtsleiter Felix Sager auf Anfrage sagt.

CEO soll in den Verwaltungsrat

Neben der Sitzverlegung wird an der GV vom Mai auch der Konzernname aufs Tapet kommen. Der Verwaltungsrat schlägt eine Änderung des Namens von LafargeHolcim in Holcim vor – um «Effizienz und Wirkung zu steigern und gleichzeitig auf dem Erbe des Konzerns aufzubauen».

LafargeHolcim war im Sommer 2015 aus der Fusion der in Holderbank gegründeten Holcim mit der französischen Lafarge zum weltgrössten Baustoffproduzenten entstanden. Der Name Holcim leitet sich aus der früheren Bezeichnung Holderbank, wie die Firma bis zur Umbenennung im Jahr 2001 hiess, und vom französischen ciment für Zement ab. Die neuerliche Namensänderung betreffe aber lediglich den Konzernnamen, heisst es. Alle Markennamen blieben am Markt erhalten.

Um zudem «die Kontinuität in der Führung sicherzustellen», wird gleichzeitig Konzernchef Jan Jenisch als neues Verwaltungsratsmitglied vorgeschlagen – zusätzlich zu seiner Funktion als CEO. Hintergrund ist der Entscheid von Oscar Fanjul, seit 2015 im Verwaltungsrat von LafargeHolcim, sich als Vizepräsident zurückzuziehen. Fanjul war seinerzeit von der französischen Lafarge für den Verwaltungsrat des Gemeinschaftsunternehmens nominiert worden. Jenisch ist seit Oktober 2017 Chef von LafargeHolcim. Davor war er jahrelang CEO des Baustoffkonzerns Sika mit Sitz in Baar.

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