Industrie
Finanzierung von Swiss Steel ist vorerst gesichert

Die Swiss Steel Group, ehemals Schmolz + Bickenbach, verzeichnete im dritten Quartal eine Erholung der Nachfrage. Eine weitere Kapitalerhöhung sei auf absehbare Zeit nicht nötig, heisst es beim Luzerner Stahlkocher.

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Der Stahlhersteller Schmolz und Bickenbach hat sich vor kurzem in Swiss Steel Group umbenannt.

Der Stahlhersteller Schmolz und Bickenbach hat sich vor kurzem in Swiss Steel Group umbenannt.

Bild: Dominik Wunderli (Emmenbrücke, 29. Juni 2020)

(gr/sda) Der Turnaround schreite voran, hiess es am Mittwoch aus dem Hauptquartier des Luzerner Stahlherstellers Swiss Steel, vormals Schmolz+Bickenbach. Dank der Kapitalerhöhung im Frühjahr liege die Nettoverschuldung mit 610,4 Millionen Euro unter dem Wert per Jahresende 2019 von 797,6 Millionen. In der Schweiz, Frankreich und Deutschland habe man sich zudem «staatlich garantierte Kredite im Volumen von 69 Millionen Euro» abgesichert, sagte Swiss-Steel-Direktor Clemens Iller anlässlich der Präsentation der Quartalszahlen. Zusammen mit einem Darlehen von 130 Millionen Euro von der Bigpoint Holding des Ankeraktionärs Martin Haefner, das bereits im Frühjahr gewährt wurde, sei damit die Durchfinanzierung der Gruppe bis 2025 gesichert.

Das Swiss-Steel-Management reagierte damit erneut auf die kursierenden Spekulationen rund um eine erneute Kapitalerhöhung beim Luzerner Stahlkocher (Artikel vom Montag). Auf Anfrage bestätigte ein Sprecher, die Gesellschaft verfüge aktuell «mit den Aktionärsdarlehen und Staatskrediten über genügend Liquidität». Das Transformationsprogramm laufe weiterhin nach Plan. Eine Kapitalerhöhung sei daher auf absehbare Zeit nicht nötig.

Zudem hat man bei Swiss Steel offenbar weiteres Sparpotenzial identifiziert. Neu will der Konzern die Kosten bis 2025 um 298 Millionen Euro senken – um 25 Millionen mehr, als bisher geplant. Seit Jahresbeginn wurden die Kosten bereits um rund 68 Millionen gesenkt.

Tieferer Umsatz und Verlust

Angesichts der gegenwärtigen Geschäftslage ist dies auch bitternötig. Denn Swiss Steel leidet weiterhin unter der schwachen Nachfrage von Seiten der Autobauer und der Industrie. Im dritten Quartal des laufenden Jahres ging der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 24 Prozent auf 509,4 Millionen Euro zurück. Der Absatz sank dabei um 18Prozent auf 332 Kilotonnen. Gegenüber dem zweiten Quartal ist der Absatz jedoch um rund 10 Prozent gesteigert worden und lag in der zweiten Hälfte des Quartals auf Vorjahresniveau. Insbesondere die Nachfrage nach Qualitäts- und Edelbaustahl sei mit -20 Prozent schwächer gewesen, teilte Swiss Steel mit. Aber auch Werkzeugstahl (-14 Prozent) und RSH-Stahl (-13 Prozent) hätten geringere Absatzmengen verbucht. Die geringere Nachfrage führte zu Preisdruck. Der durchschnittliche Verkaufspreis je Tonne Stahl lag mit 1534,30 Euro 7,3 Prozent tiefer als im Vorjahr.

Beim bereinigten operativen Ergebnis wies das Unternehmen einen Verlust von 21,1 Millionen Euro aus, verglichen mit einem Minus von 32,9 Millionen im Vorjahr. Unter dem Strich resultierte ein Fehlbetrag von 66,3 Millionen. Der geringere Betriebsverlust sei dank erhöhter Kostenvariabilität erreicht worden, teilte das Unternehmen weiter mit. Und durch striktes Liquiditätsmanagement sei der Free Cashflow mit 9,3 Millionen positiv ausgefallen.

Stellenabbau betrifft die Schweiz «weniger»

Die Zahl der Mitarbeitenden per Ende Quartal lag im Jahresvergleich um rund 280 tiefer auf nun 10041 Personen. Der laufende Stellenabbau betreffe vor allem die USA, Deutschland und Frankreich und eher weniger die Schweiz, erklärte Finanzchef Markus Böning.

Mit Blick nach vorne erwartet das Management eine weitere Erholung im Bereich Automobil. Demgegenüber wird für die Sektoren Maschinen- und Anlagenbau sowie Energie mit einer verzögerten Erholung gerechnet. Die Nachfrage bewege sich aber immer noch auf tiefem Niveau, und die Bestellungen seien weiter sehr kurzfristig, erklärte Illner.