Arbeitsmarkt
Rekord seit 1998: Bei der Arbeitslosigkeit zeigt sich ein aussergewöhnlich positiver Trend

Trotz einer fünften Corona-Welle entwickelt sich der Arbeitsmarkt bislang gut – und das selbst im schwierigen Monat November.

Peter Walthard und Niklaus Vontobel
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Regionale Arbeitsvermittlungszentren in der Schweiz verzeichneten im November vorab bei jüngeren Arbeitslosen einen Rückgang. (Symbolbild)

Regionale Arbeitsvermittlungszentren in der Schweiz verzeichneten im November vorab bei jüngeren Arbeitslosen einen Rückgang. (Symbolbild)

Keystone

Die Schweizer Wirtschaft hat im Coronajahr 2021 einen erfreulichen Rekord geschafft. Ihr gelang der schnellste Abbau von Arbeitslosigkeit seit über 20 Jahren, wenn man jeweils die Arbeitslosenzahlen von Januar und November vergleicht. Das ist deutlich schneller als beispielsweise die Erholung nach der grossen Finanzkrise von 2008. Das geht aus den neuen Arbeitsmarktzahlen hervor, die das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) am Dienstag vorgelegt hat.

Boris Zürcher, Leiter der Direktion für Arbeit beim Seco, sagte vor Medien, es handle sich über das ganze Jahr gesehen, um den stärksten Rückgang seit ungefähr 20 Jahren. Doch wenn man in den Arbeitslosenzahlen des Seco nachschauen geht, zeigt sich: Zürcher hat sogar leicht untertrieben. Einen so schnellen Abbau der Arbeitslosigkeit wie im Jahr 2021 gab es seit 1998 nicht mehr, also seit 23 Jahren. Im Boomjahr 1998 ging die Arbeitslosenzahl von Januar bis November um 35 Prozent zurück. Im Jahr 2021 ist es ein Rückgang von 32 Prozent. Neu liegt die Arbeitslosenquote bei 2,5 Prozent. Zur Erinnerung: Anfang Jahr waren es coronabedingt noch 3,7 Prozent.

Aussergewöhnliche Entwicklung im November

Ende November waren bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) in der Schweiz rund 116'000 Arbeitslose gemeldet. Das sind 489 weniger als im Oktober. Die Arbeitslosenquote verharrt damit bei 2,5 Prozent – das ist jedoch ein aussergewöhnlich gutes Zeichen. Denn normalerweise steigt die Arbeitslosenquote im November deutlich an. Auf dem Bau wird im Winter die Arbeit zurückgefahren. Mitarbeitende werden entlassen. Im Tourismus ist im November Zwischensaison. Sommer und Herbst sind vorbei, die Wintersaison hat noch nicht angefangen. Deshalb steigt die Arbeitslosenquote in diesen Branchen jeweils. Doch dieses Mal wurde der starke Abbau in Bau und Tourismus ausgeglichen. In den saisonbereinigten Zahlen, die das Seco mitgeteilt hat, findet sich ein kräftiger Rückgang der Arbeitslosenquote: Rund 5700 weniger Arbeitnehmende waren bei den RAV gemeldet. Die Arbeitslosenquote sank um 0,2 Prozentpunkte.

Auch die sinkenden Zahlen der Stellensuchenden und der Bezüger von Kurzarbeitsentschädigung bestätigten das Bild einer raschen Erholung des Arbeitsmarktes, analysierte Zürcher. Und es gebe weiterhin keine Anzeichen für Entlassungs- oder Kündigungswellen. Boris Zürcher sagt dazu:

«Wir sind zuversichtlich, dass die positive Dynamik anhält.»

Zugleich gab es im November grosse regionale Unterschiede. Die klassischen Tourismuskantone verzeichneten einen leichten saisonalen Anstieg. Das war etwa zu beobachten in Graubünden, Tessin oder Wallis. Hingegen melden die urbanen Zentren Zürich und Genferseeregion (mit den Kantonen Genf und Waadt) sogar eine deutliche Abnahme.

Luftfahrt überholt Gastronomie bei Kurzarbeitsentschädigung

Derzeit beziehe nur noch rund ein Prozent der Erwerbstätigen Kurzarbeitsentschädigung, so der Seco-Mann weiter. Zürcher geht davon aus, dass die Zahl der Bezüger mittlerweile unter 50'000 gefallen ist. Exakte Zahlen gibt es jeweils erst mit Verzögerung, wenn die Kurzarbeitsgesuche abgerechnet sind. Stark betroffen ist laut dem Seco nach wie vor das Gastgewerbe, in dem 3,7 Prozent der Mitarbeitenden in Kurzarbeit sind.

Überholt worden ist die Gastrobranche mittlerweile von der Luftfahrt, in der die entsprechende Quote neu 4,5 Prozent beträgt. Gerade in der Luftfahrt könne es jedoch noch zu einer Strukturbereinigung kommen, sagte Boris Zürcher. Auswirkungen der globalen Lieferengpässe seien dagegen bis jetzt nicht klar ersichtlich.

Besonders stark war der Rückgang bei der Jugendarbeitslosigkeit. Gegenüber dem Oktober ging diese um 3,8 Prozent zurück und liegt nun 38,5 Prozent tiefer als im vergangen November. Bei der Altersarbeitslosigkeit beträgt der Rückgang gegenüber Vorjahr lediglich 14,7 Prozent. Damals litt die Wirtschaft noch unter den Nachwirkungen des teilweisen Lockdowns vom Frühling und der generell unsicheren Situation aufgrund des Coronavirus.

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