Organisierte Kriminalität
Schlag gegen Mafia-Clan: Schweizer Polizei verhaftet sechs Italiener

Schweizer Kantonspolizeien haben in Zusammenarbeit mit italienischen Behörden sechs Personen verhaftet. Die Italiener sollen einem Clan der kalabresischen Mafia ‘Ndrangheta angehören.

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Italienische Behörden werfen den sechs verhafteten Personen Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation vor.

Italienische Behörden werfen den sechs verhafteten Personen Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation vor.

Symbolbild: Keystone

Diesmal kam der erste Hinweis aus St.Gallen: ein Drogendelikt, Handel mit Kokain. Bei den Ermittlungen stossen die Behörden auf Hinweise, dass es sich um Organisierte Kriminalität handelt. Ein Netzwerk, das sich nicht nur in andere Kantone erstreckt, sondern internationale Dimensionen einnimmt.

Die St.Galler informieren Kantone und Bund, die Bundesanwaltschaft vermittelt den Kontakt zu den Italienern. Dabei zeigt sich, dass die Mafia-Jäger aus Italien bereits im Zusammenhang mit den verdächtigten Personen ein Strafverfahren aufgenommen haben. In der Schweiz werden unterdessen nebst der Kantonspolizei St.Gallen auch die Bundespolizei Fedpol, die Kantonspolizeien Zürich, Graubünden, Tessin, Schwyz, Solothurn, Luzern, Aargau, Thurgau und Uri aktiv.

Laut Bundesanwaltschaft konnten die Ermittlungen den Verdacht erhärten, dass die kriminellen Aktivitäten der beschuldigten Personen sowohl in der Schweiz wie auch in Italien mafiösen Mustern entsprechen.

Gleichzeitige Festnahme von 100 Verdächtigen

Am Dienstag folgte dann die koordinierte Aktion: Die Kantons­polizeien Graubünden, St.Gallen, Tessin und Zürich haben sechs italienische Staatsangehörige verhaftet. Zudem wurden im Tessin auf Ersuchen von Italien Hausdurchsuchungen durchgeführt, wie das Bundesamt für Justiz mitteilte.

Zeitgleich klickten am Dienstag in Italien ebenfalls die Handschellen: In einer landesweiten Aktion gegen die kala­bresische Mafia ’Ndrangheta sind über 100 Personen verhaftet worden, wie die italienische Polizei mitteilte.

Während der Ermittlungen konnten gemäss Bundesanwaltschaft zudem «erhebliche Mengen an Kokain» beschlagnahmt werden.

Die italienischen Behörden werfen den in der Schweiz festgenommenen Personen Betäubungsmitteldelikte und teilweise auch Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation vor. Sie sollen ihre Taten in Italien und zumindest teilweise auch in der Schweiz ausgeführt haben. Laut Bundesanwaltschaft sollen die Personen einem Clan der ’Ndrangheta angehören. Die Ermittlungen hätten enge Beziehungen zwischen den beschuldigten Personen in der Schweiz und einem im Raum Como tätigen Clan offenbart.

Kein Randphänomen: Verbreitete Clan-Strukturen

Das breit angesetzte Vorgehen der Behörden zeigt einerseits, wie stark sich Netzwerke der Organisierten Kriminalität in der Deutschschweiz ausweiten. Es zeigt andererseits, dass die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Behörden funktioniert. Die Schweiz und Italien haben für die Ermittlungen ein sogenanntes «Joint Investigation Team» gegründet. Dieses garantiert den Informationsfluss zwischen den Behörden und vereinfacht auch Verfahren wie Rechtshilfegesuche, die so relativ unbürokratisch abgewickelt werden können.

Werden die Verdächtigen nach Italien ausgeliefert?

Das Bundesamt für Justiz erteilte den Haftbefehl gestützt auf Auslieferungsgesuche aus Italien. Ob es tatsächlich zu Auslieferungen kommt, muss nun geklärt werden. Die inhaftierten Personen sollen nun so schnell wie möglich von den kantonalen Behörden einvernommen werden. Ist eine Person mit der Auslieferung einverstanden, kann das Bundesamt für Justiz die Auslieferung an Italien sofort bewilligen. Wehrt sich die Person dagegen, kann sie einen allfälligen Entscheid beim Bundesstrafgericht anfechten.

Für die Verfahrensbeteiligten gilt die Unschuldsvermutung. (dpo/wan)

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