Natur
Wildtiere in der Schweiz: Die grossen sind die Gewinner, die kleinen die Verlierer

In der bislang grössten Erhebung von Säugetieren hierzulande wurden zwölf Arten mehr nachgewiesen als vor 25 Jahren. Doch viele kleinere Arten sind gefährdet, so die Hälfte aller Fledermausarten.

Niklaus Salzmann
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Dank menschlicher Hilfe kommt der Luchs wieder im gesamten Jura und in weiten Teilen der Alpen und Voralpen vor.

Dank menschlicher Hilfe kommt der Luchs wieder im gesamten Jura und in weiten Teilen der Alpen und Voralpen vor.

Thomas Marmet

In der Schweiz und in Liechtenstein kommen mindestens 99 Säugetierarten vor. Einige der Arten wie Wolf und Fischotter sind zurück, andere wie die Walliser Spitzmaus und die Kryptische Fledermaus wurden gar neu entdeckt. Das berichten die Forschenden der Schweizerischen Gesellschaft für Wildtierbiologie im neu erschienenen «Atlas der Säugetiere». Basierend auf über einer Million Beobachtungen dokumentiert das Buch das Vorkommen der Säugetiere so genau wie nie zuvor.

Neben den neu entdeckten Säugetierarten sind einige auch deutlich weiter verbreitet als noch 1990. Dazu gehören Luchs, Wolf, Wildkatze, Biber und Rothirsch. Viele kleine und mittelgrosse Säugetierarten sind dagegen unter starkem Druck. So stehen über die Hälfte der Fledermäuse auf der Roten Liste. Ihre Lebensräume und ihre Nahrung – vor allem Insekten – schwinden, Lichtemissionen und Umweltgifte nehmen zu.

Fledermausarten wie die Kleine Hufeisennase leiden unter der Lichtverschmutzung und vermutlich auch unter Insektengiften.

Fledermausarten wie die Kleine Hufeisennase leiden unter der Lichtverschmutzung und vermutlich auch unter Insektengiften.

René Güttinger

«Die grösseren Säugetierarten haben heute ihren Platz in der Schweiz wieder gefunden, teilweise dank der Hilfe des Menschen», sagt Roland Graf, Projektleiter der Schweizerischen Gesellschaft für Wildtierbiologie. «Mehr Aufmerksamkeit verdienen aber auch die kleinen, unscheinbaren und teils gefährdeten Arten.»

Was Katzen alles anschleppen

Nebst direkten Sichtungen haben die Fachleute und Tausende von Helferinnen und Helfern auch mit einigen Tricks Säugetiere nachgewiesen. Unter anderem berücksichtigten sie Beutetiere von Katzen, Spuren, Kot, Ultraschall, und genetische Analysen.

In der nationalen Datenbank «Info Fauna» sind 1'141'000 Beobachtungen seit dem Jahr 2000 zusammengekommen. Diese Datenbasis liefert laut Medienmitteilung das bislang genaueste Bild über das Vorkommen von Säugetieren in der Schweiz und Liechtenstein. «Die neuen Methoden und Netzwerke, gerade auch im Bereich Citizen Science, sind eine starke Basis für das künftige Monitoring der Säugetiere in der Schweiz», sagt Roland Graf.

Aus den Beobachtungen ist die neue Ausgabe des Buchs «Atlas der Säugetiere» entstanden, herausgegeben von der Schweizerischen Gesellschaft für Wildtierbiologie der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz. Das Projekt wurde finanziell unterstützt von allen Kantone und dem Fürstentum Liechtenstein sowie diversen Stiftungen und zwei Naturschutzorganisationen.