Ärger des Jahres
Vertragsauflösungen und öV-Abos halten Konsumentenschutz in der Krise auf Trab

Eine Auswertung der Beschwerden im laufenden Jahr zeigt: Wegen Vertragsrücktritten und öV-Abos holen sich Kundinnen und Kunden in der Krise bei Konsumentenschützern viel öfter Hilfe.

Merken
Drucken
Teilen
Der öffentliche Verkehr rangiert auf der Ärgerliste der Konsumentenschützer auf Rang 3. (Symbolbild)

Der öffentliche Verkehr rangiert auf der Ärgerliste der Konsumentenschützer auf Rang 3. (Symbolbild)

Keystone

(wap/sat) Die Coronakrise hinterlässt auch in der neuesten Ärgerliste der Schweizer Konsumentenschützer ihre Spuren. Wie die Stiftung für Konsumentenschutz am Dienstag in einer Mitteilung schreibt, haben Anfragen zu Vertragsrücktritten und Problemen mit öV-Abos im laufenden Jahr stark zugenommen. Dies weil vielen Konsumentinnen und Konsumenten Dienstleistungen oder Rücktrittsrechte verweigert worden seien. Aber auch Anfragen zu Abonnementen und Billetten im öffentlichen Verkehr (öV) sind im laufenden Jahr sprunghaft angestiegen.

«Die SBB und andere Transportunternehmen sowie die ‹Alliance SwissPass› machten sich mit ihren kundenunfreundlichen Rückerstattungsregeln bei nichtbenutzten Verbund-, Strecken- oder Modulabos sehr unbeliebt», schreibt die Stiftung für Konsumentenschutz. Mit 1259 Anfragen respektive 8 Prozent aller Anfragen rangiert der öV neu auf Platz 3. Zum Vergleich: 2019 hatte der öV in der Ärger-des-Jahres-Liste mit 919 Anfragen noch auf Platz 6 gelegen.

Anfragen zu Vertragsrücktritten und Garantieverweigerungen (39 Prozent) liegen weiterhin unangefochten an der Spitze, gefolgt von Anfragen zu aggressiven und unlauteren Verkaufsmethoden (14,5 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahr abgenommen haben in der Coronakrise Anfragen zu Telecom, Internettelefonie und Mobiltelefonen als auch Anfragen zu Inkasso-Forderungen und Versicherungen.

Fragen zu Reisen und Flüge schwingen obenaus

Ebenfalls ausgewertet hat die Stiftung für Konsumentenschutz ihre bisher erbrachten Coronaauskünfte. Aufgrund der Krise boten deren Experten bis im Sommer Gratisberatungen für alle an. Von den 1180 Anfragen zur Coronakrise betrafen die meisten abgesagte Reisen und Flüge (571) gefolgt vom öV (198) und Fitnessverträgen (190). Inzwischen hat der Konsumentenschutz viele der neu aufgetretenen Rechtsfragen in einem Onlineratgeber zur Corona-Krise zusammengefasst.

Die Ärgerliste wird von der Schweizerischen Allianz der Konsumentenschutz-Organisationen jedes Jahr gemeinsam erstellt und erfasst die Häufigkeit der Anliegen, die bei Beratungsanfragen, Beschwerden und Meldungen zur Sprache kamen. Insgesamt sind die Anfragen im Vergleich zum Vorjahr um gut 1550 auf 16'060 Anfragen zurückgegangen. Zur Allianz gehören neben der Deutschschweizer Stiftung für Konsumentenschutz deren Partnerorganisationen in der Romandie und im Tessin.