Grand Combin
Eisschlag trifft Alpinisten im Aufstieg: Zwei Tote, neun Verletzte

Am Walliser Viertausender Grand Combin ereignete sich in den frühen Morgenstunden ein schweres Bergunglück: Bei einem Gletscherabbruch wurden ein Mann und eine Frau getötet.

Peter Walthard
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Die Erstversorgung erfolgte noch auf dem Gletscher. Von hier wurden die Patienten in die Spitäler geflogen.

Die Erstversorgung erfolgte noch auf dem Gletscher. Von hier wurden die Patienten in die Spitäler geflogen.

Bild: ho Air Zermatt

Die Eisbrocken lösten sich kurz vor 06.20 Uhr. Auf dem vergletscherten Plateau du Déjeuner trafen sie auf einer Höhe von rund 3400 Meter mehrere Bergsteigergruppen. Sie befanden sich im Aufsteig zum 4314 Meter hohen Grand Combin. Unmittelbar betroffen vom Eisschlag waren 17 Alpinistinnen und Alpinisten. Dies teilte die Kantonspolizei Wallis am Freitagabend mit.

Zwei davon überlebten nicht: Eine 40-jährige Französin und ein 65-jähriger Spanier verstarben noch auf der Unfallstelle. Neun weitere Personen wurden mit Verletzungen in Spitäler in Sion und Lausanne geflogen. Laut einer Mitteilung der Air Zermatt waren darunter viele Schwerverletzte, einige mit Polytraumata. Offiziell vom Kanton bestätigt wurden am Freitagabend zwei Schwerverletzte.

Medizinische Erstversorgung auf Gletscherplateau

Die Bergsteiger wurden dabei zuerst durch ein Bergrettungsteam geborgen und mit zwei Helikoptern auf ein tieferliegendes Plateau geflogen. Dort erfolge die Erstversorgung. Anschliessend wurden die Patienten ins Spital geflogen und die übrigen Tourengänger evakuiert.

Einige Betroffene sollen gefährliche Polytraumata erlitten haben.

Einige Betroffene sollen gefährliche Polytraumata erlitten haben.

ho Air Zermatt

Dafür wurden ebenfalls Helikopter eingesetzt. Im Einsatz standen sieben Maschinen. Beteiligt waren Air Glaciers, Air Zermatt und Rega. «Nach der Landung wurde eine Sichtung des Unfallplatzes durchgeführt, vorgängig erfolgte die Einweisung durch den Einsatzleiter der Air Glacier», sagte der diensthabende Notfallarzt der Air Zermatt laut deren Mitteilung.

Route in den letzten Jahren gefährlicher geworden

Die Route «Voie du Guardien», auf der sich das Unglück ereignete, galt ursprünglich als relativ sichere Alternative zu stärker von Eisschlag betroffenen Routen auf den bekannten Viertausender. Seit einigen Jahren gilt aber auch sie als gefährdet, besonders in Jahren, in denen wenig Schnee auf dem Gletscher liegt.

Die Route auf der Nordseite des Grand Combin ist stark eisschlaggefährdet.

Die Route auf der Nordseite des Grand Combin ist stark eisschlaggefährdet.

ho Kapo VS

«Eisschlag von den Séracmauern am Rand des Gipfelplateaus ist jederzeit möglich», heisst es in der Routenbeschreibung des Schweizerischen Alpen-Clubs SAC. Die näheren Umstände des Unglücks sind noch unklar. Die Staatsanwaltschaft hat Abklärungen eingeleitet.

Dabei handle es sich um eine Routineuntersuchung, sagte der Geschäftsführer des Schweizer Bergführerverbandes, Pierre Mathey, am Freitagabend gegenüber dem Westschweizer Fernsehen. Der Eissturz vom Freitag sei auch für Experten nicht vorhersehbar gewesen, so Mathey.: «Die Temperaturen hatten in diesem Fall kaum Einfluss.»

Das Unglück sei in seinem Ausmass ein Drama. Aber: «Wir müssen das Restrisiko akzeptieren.» Die Bergführer würden die Tour deshalb weiterhin anbieten. «Die derzeitigen Bedingungen sind gut für eine Besteigung», sagte Mathey.

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