WM-Qualifikation
Premier League verweigert Nati-Spielern Freigabe – FIFA-Präsident Infantino fordert Solidarität

Kommende Woche steht in den Fussball-Ligen eine Länderspielpause an. Doch nicht alle Nati-Spieler werden in ihre Heimatländer reisen können. Die englische und spanische Liga stellen sich gegen die FIFA.

Gabriel Vilares
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Liverpool-Star Mohamed Salah (links) wird von seinem Verein keine Freigabe erhalten. FIFA-Präsident Gianni Infantino (Mitte) passt das überhaupt nicht. Kann auch Real Madrids Casemiro im September nicht nach Brasilien?

Liverpool-Star Mohamed Salah (links) wird von seinem Verein keine Freigabe erhalten. FIFA-Präsident Gianni Infantino (Mitte) passt das überhaupt nicht. Kann auch Real Madrids Casemiro im September nicht nach Brasilien?

Keystone

Am Dienstag teilte die Premier League mit, dass man keine Spieler für die WM-Qualispiele in jene Länder abstellen werde, die aufgrund der Corona-Pandemie auf der Roten Liste der britischen Regierung stehen. Das betrifft überwiegend Länder aus den Kontinenten Südamerika und Afrika. Die Rückkehrer aus diesen Ländern müssten sich für zehn Tage in eine Hotelquarantäne begeben, wie der Ligaverband in der Mitteilung festhält:

«Das Wohlergehen und die Fitness der Spieler würden erheblich beeinträchtigt werden.»

Zudem würden die Spieler somit bei zwei Meisterschaftsspielen fehlen. Unter diesen Umständen sei es unzumutbar, die Spieler freizugeben. Fast 60 Spieler aus 19 Premier-League-Vereinen seien davon betroffen, die im September in 26 Länder der Roten Liste reisen sollten.

Gleichentags gab die spanische Profi-Liga ebenfalls ein Communiqué heraus: «Wir unterstützen alle Vereine, die ihre Spieler nicht für die Conmebol (Kontinentalverband Südamerikas) freigeben.» Für «LaLiga» ist jedoch im Gegensatz zu den britischen Kollegen nicht die angespannte pandemische Lage vor Ort der Grund.

FIFA reagiert mit Stellungnahme

Ein Dorn im Auge ist den Spaniern die Verlängerung seitens der FIFA für die Spiele in Südamerika von neun auf elf Tage. Der Weltfussballverband hatte die Verlängerung beschlossen, damit Conmebol drei statt zwei Partien ansetzen konnte. Gleichzeitig hat der Weltverband einseitig beschlossen, die Ausnahmeregelung für die Freigabe von Spielern nicht zu verlängern, wenn bei ihrer Rückkehr zu ihren Vereinen eine Quarantänepflicht besteht.

Gianni Infantino ruft die Vereine zur Solidarität auf.

Gianni Infantino ruft die Vereine zur Solidarität auf.

Keystone

Der FIFA passt die Entscheidung der beiden besten Ligen der Welt überhaupt nicht. Deshalb wendet sich FIFA-Präsident Gianni Infantino am Mittwochnachmittag mit einem Aufruf an die Vereine: «Die Abstellung von Spielern für die anstehenden internationalen Fenster ist dringend und unglaublich wichtig. Ich rufe alle FIFA-Mitgliedsverbände, Ligen und Klubs dazu auf, sich solidarisch zu verhalten, wie es sich für den weltweiten Fussball gehört.»

Infantino wendet sich an Premier Johnson

Der 51-jährige Walliser habe sich dafür gar an den Premierminister des Vereinigten Königreichs gewandt, wie er in seiner Stellungnahme bekannt gibt: «Zu den Quarantänebestimmungen, die für Spieler gelten, die aus Risikoländern nach England zurückkehren, habe ich Ministerpräsident Boris Johnson in einem Schreiben um die nötige Unterstützung gebeten. Damit haben Spieler die Möglichkeit, ihre Länder bei Qualifikationsspielen für die Fussball-Weltmeisterschaft zu vertreten. Das ist für einen Profispieler eine der höchsten Ehren.»

Der seit 2016 am Ruder der FIFA stehende Schweizer schliesst mit den emotionalen Worten: «Solidarisch und geeint haben wir gegen Covid-19 gekämpft. Nun rufe ich alle dazu auf, dafür zu sorgen, dass Nationalspieler für die anstehenden WM-Qualifikationsspiele abgestellt werden.»

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