Vierschanzentournee
Huber versalzt Kobayashi die «Grand-Slam»-Suppe

Ryoyu Kobayashi sichert sich diskussionslos seinen zweiten Tournee-Gesamtsieg, verpasst diesmal jedoch den ganz grossen Wurf. Daniel Huber gewinnt das Dreikönigsspringen, die Schweizer enttäuschen.

Dan Urner
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Daniel Huber trug in Bischofshofen einen überraschenden Sieg davon.

Daniel Huber trug in Bischofshofen einen überraschenden Sieg davon.

Keystone

Dass einem Sieg in gewisser Weise auch eine Niederlage innewohnen kann, musste Ryoyu Kobayashi leidvoll erfahren. Der Japaner schnappte sich in Bischofshofen zwar vollends souverän seinen zweiten Gesamtsieg an der Vierschanzentournee, der erhoffte «Grand Slam», also ein Erdrutschsieg mit vollen vier Tageserfolgen, blieb aber wider Erwarten aus. Der Österreicher Daniel Huber versalzte dem 25-jährigen Überflieger die Suppe, kam nach starken Flügen auf 136,5 und 137 Meter zu seinem überraschenden Weltcup-Premierensieg. Der Norweger Halvor Egner Granerud wurde Zweiter, Karl Geiger aus Deutschland komplettierte das Podium.

Kobayashi kam beim Dreikönigsspringen gar «nur» auf den fünften Rang, und beim anschliessenden TV-Interview wusste er nicht so recht, ob er sich nun freuen oder ärgern sollte. Bei seinem ersten Tournee-Triumph 2019 war ihm der vielzitierte «Grand Slam», den vor ihm nur der Deutsche Sven Hannawald (2002) und der Pole Kamil Stoch (2018) gemeistert hatten, noch gelungen. Die diesjährige Tournee beendete Kobayashi mit über 24 Zählern Vorsprung vor Marius Lindvik aus Norwegen, dessen Landsmann Granerud wurde Dritter.

Ryoyu Kobayashi verpasste den «Grand Slam», holte aber einen souveränen Gesamtsieg.

Ryoyu Kobayashi verpasste den «Grand Slam», holte aber einen souveränen Gesamtsieg.

Grzegorz Momot / EPA

Killian Peier, der als Fünfter in der Qualifikation noch eine deutliche Formverbesserung im vergleich zum schwächeren Wettkampftag am Mittwoch angedeutet hatte, leistete den in ihn gesteckten Erwartungen nur bedingt Folge. Das neue Schweizer Aushängeschild im Skisprung-Zirkus kam in beiden Durchgängen nicht recht auf Weite, 124 und 123,5 Meter reichten nur für den 28. Schlussrang.

Zumindest glückte dem Romand der Sprung in die Punkteränge, ebenso wie Gregor Deschwanden auf Position 25 (129 Meter/124,5 Meter). Simon Ammann misslang dies deutlich. Der vierfache Olympiasieger schied mit 118 Metern sang- und klanglos aus, erneut gegen den Deutschen Markus Eisenbichler, der schon tags zuvor im Direktduell die Oberhand behalten hatte.

Durchzogene Schweizer Gesamtbilanz

Die Schweizer Gesamtbilanz der etwas unkonventionellen 70. Tournee fällt durchwachsen aus. Was fulminant begonnen hatte – beim Auftaktspringen in Oberstdorf hatten sich alle drei Schweizer in den Top 15 klassiert –, endete mit gemischten Gefühlen, an den zwei Springen in Bischofshofen kamen die Swiss-Ski-Athleten nicht über hintere Klassierungen hinaus.

Ein besonderes Ärgernis aus eidgenössischer Sicht stellte dabei wohl der wetterbedingte Ausfall des Springens in Innsbruck dar, an dem sich Killian Peier als Qualifikationsdritter eigentlich zu einem Exploit angeschickt hatte. Und ganz grundsätzlich hatte sich ein besseres Resultat des Waadtländers aufgedrängt, nachdem er bei der Tournee-Generalprobe in Engelberg zweimal nur hauchzart am Podest vorbeigeschrammt war.

Am Ende nur Mittelmass: Killian Peier.

Am Ende nur Mittelmass: Killian Peier.

Keystone

Im Gesamtklassement schaffte es Peier als bester Schweizer auf den 13. Platz, Deschwanden folgt unmittelbar dahinter auf Position 14; dem Luzerner gelang damit immerhin das beste Karriere-Gesamtresultat.

Ammann musste bei seiner wohl letzten Karriere-Tournee mit Schlussrang 38 vorliebnehmen. Der Toggenburger gab nach dem Wettkampf an, die nötige «Frische» im Tourneeverlauf eingebüsst zu haben. «Es ist am Ende doch noch eine harte Tournee geworden», befand der 40-Jährige, der sich Spekulationen über seine persönliche Zukunft verweigerte.

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