Tour de France
Auch der doppelte Mont Ventoux kann Pogacar nicht stoppen

Tadej Pogacar bleibt auch nach dem «Teufelsberg» souverän in Gelb. Der Slowene verteidigt seine Gesamtführung auf der berühmt-berüchtigten Bergetappe und fährt auf einen starken vierten Platz. Die Hauptrolle übernimmt allerdings ein eindrucksvoller Wout van Aert.

Dan Urner
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Tadej Pogacar bleibt auch nach dem zweifachen Aufstieg des Mont Ventoux ungefährdeter Gesamtleader.

Tadej Pogacar bleibt auch nach dem zweifachen Aufstieg des Mont Ventoux ungefährdeter Gesamtleader.

Keystone

Um die wichtigste Frage gleich vorweg zu beantworten: Tadej Pogacar ist auch auf dem Mont Ventoux, dem wohl ultimativen Lackmustest der Tour de France, nicht ins Wanken geraten. Der Slowene verteidigte auf der elften Etappe von Sorgues nach Malaucène souverän die Gesamtführung. Der Träger des Gelben Trikots fuhr ein unauffälliges und unaufgeregtes Rennen, schaffte es schliesslich auf einen starken vierten Rang. Sein auf dem Papier ärgster Konkurrent, der Australier Ben O'Connor, verlor dagegen mit zunehmender Renndauer den Kontakt und landete nur auf Position 15. Sein Rückstand im Gesamtklassement vergrösserte sich auf 5:58 Minuten, damit fiel er auf Platz fünf zurück. Einer Titelverteidigung scheint für den Tour-Sieger 2020 kaum mehr etwas im Wege zu stehen. Pogacar's Vorsprung auf den neuen Zweitplatzierten Rigoberto Urán (Kolumbien) beläuft sich auf 5:18 Minuten.

Gänzlich unverwundbar zeigte sich Pogacar gleichwohl nicht: Rund 22 km vor dem Ziel musste die dominante Figur der Tour erstmals Federn lassen. Einem Überraschungsangriff von Jonas Vingegaard hatte der Slowene nichts entgegenzusetzen. Er musste den Dänen, der das Weisse Trikot des schnellsten Fahrers unter 25 Jahren trägt, weil sich Pogacar eben schon mit dem «Maillot jaune» schmückt, kurzzeitig chancenlos ziehen lassen. Am Ende ging Vingegaard, schliesslich auf Platz sieben, aber doch die Puste aus und Pogacar hatte die Nase vorn.

Wout van Aert dominiert

Wout van Aert fuhr eine eindrückliche Etappe und erwies sich als verdienter Tagessieger.

Wout van Aert fuhr eine eindrückliche Etappe und erwies sich als verdienter Tagessieger.

Keystone

Zum Star der spektakulären Etappe, als eine der «Königsetappen» der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt verehrt, avancierte derweil Wout van Aert, wiewohl auch er mit dem Gesamtsieg nichts mehr zu tun haben dürfte. Der 26-jährige Belgier bezwang den Mont Ventoux magistral, beendete die schweisstreibenden 198.9 km mit 1:14 Minuten Vorsprung vor dem Franzosen Kenny Elissonde und fuhr den gesamthaft vierten Tour-Etappensieg seiner Karriere ein. Das Tagespodest komplettierte Bauke Mollemar aus den Niederlanden.

Van Aert sprach unmittelbar nach Rennende «vom grössten Sieg seiner Karriere» auf «einem der ikonischsten Aufstiege überhaupt» – einer Einschätzung, der nur schwerlich zu widersprechen ist. Im Bergklassement schob sich der eindrucksvoll aufgelegte Belgier auf Position zwei vor, dort figuriert der Kolumbianer Nairo Quintana an der Spitze. Leader der Punktewertung bleibt unverändert Mark Cavendish aus Grossbritannien, der an der diesjährigen Tour bereits drei Etappen für sich entschieden hatte.

Mythos Mont Ventoux – gleich doppelt

Der Mont Ventoux, obwohl zuvor erst 15-mal Bestandteil der Tour de France, war schon vor der Etappe berüchtigt gewesen, hatten sich hier doch dramatische Geschehnisse ereignet und den provenzalischen Gipfel in schier mythische Sphären gehoben. 1967 starb der britische Profi Tom Simpson beim Erklimmen des rund 1900 Meter hohen Berges, Dopingmittel wurden in seinem Blut nachgewiesen. Zuletzt machte der «Teufelsberg» 2016 auf sich aufmerksam, als sich Chris Froome nach einem gebrochenen Rahmen gezwungen sah, die letzten 1,5 km zu Fuss zurückzulegen.

Nun kam noch erschwerend hinzu: Der Berg, der mit einer kargen, mondähnlichen Landschaft aufwartet, musste gleich zweimal bestiegen werden. Auf die Fahrer warteten also doppelte Strapazen.

Kontrastprogramm am Donnerstag

Schweizer spielten im Rennen um die vorderen Platzierungen indessen keine Rolle. Marc Hirschi wurde als bester Schweizer 60., Michael Schär landete zwei Ränge dahinter. Stefan Küng fuhr auf Position 77.

Am Donnerstag erwartet die Fahrer ein radikales Kontrastprogramm: Auf der 159.4 km langen Flachetappe von Saint-Paul-Trois-Châteaux nach Nîmes sind vor allem wieder Sprintspezialisten gefragt.