Studie
Offenbar kaum Ansteckungsgefahr auf dem Fussballplatz

Der Breitensport wurde während der Corona-Pandemie mehrfach stark eingeschränkt. Möglicherweise zu Unrecht, wie eine gemeinsame Untersuchung der Universitäten Basel und des Saarlandes nun nahelegt.

Dan Urner
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Der Freizeitsport, so auch der Amateurfussball, wurde durch die Corona-Massnahmen zeitweilig starken Einschränkungen unterworfen.

Der Freizeitsport, so auch der Amateurfussball, wurde durch die Corona-Massnahmen zeitweilig starken Einschränkungen unterworfen.

Keystone

Als der Bundesrat im März 2020 einschneidende Massnahmen gegen die Ausbreitung des damals neuartigen Coronavirus verhängte, war auch der Freizeitsport stark betroffen. Der Spiel- und Trainingsbetrieb fand über Monate nicht statt, auch Outdoor-Aktivitäten waren davor nicht gefeit.

Künftig könnte die Regierung von solchen pauschalen Restriktionen im Sport aber absehen. Zumindest, wenn es nach Forscherinnen und Forschern der Universität Basel und der Universität des Saarlandes geht. Die am Dienstag veröffentlichen Resultate der vom Deutschen Fussball-Bund (DFB) finanzierten Studie zeigen: Auf dem Fussballplatz sind Infektionen mit dem Coronavirus kaum denkbar.

Infektionsrelevante Kontakte seien beim Fussballspielen sehr selten und «in der Regel von sehr kurzer Dauer», heisst es im Communiqué der Universität Basel. Die These stützt sich auf Videoanalysen, die ein Forschungsteam im Zeitraum von August 2020 bis März 2021 vorgenommen hat, «von der Profiliga über den Amateurfussball bis zum Jugendfussball». Die Forscher und Forscherinnen sammelten hierfür 1300 Verdachtsfälle einer Corona-Infektion. Daraus hätten sie 104 Situationen identifiziert, «bei denen mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit ein infektiöser Spieler an einer Trainingseinheit oder einem Spiel teilnahm». Lediglich bei zwei der 104 Fällen konnte das Team eine Infektion nicht vollends ausschliessen, allerdings kommen dafür auch andere Übertragungswege infrage, etwa der Beruf oder die Anfahrt zum Spiel.

Resultate sind mit Vorsicht zu geniessen

Geleitet wurde die Untersuchung von Dr. Florian Egger und Prof. Tim Meyer vom Institut für Sport- und Präventivmedizin der Universität des Saarlandes in Zusammenarbeit mit dem Sportwissenschaftler Dr. Oliver Faude von der Universität Basel. Das Forschungsteam folgert, «dass Outdoor-Sportaktivitäten mit minimalem Körperkontakt ein sehr geringes Ansteckungsrisiko darstellen und somit eine sichere Option für Sport und Bewegung während der Pandemie sind». Deshalb sollen nach dem Willen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Hygieneregeln bloss ausserhalb des Spielfeldes angewandt, pauschale Quarantänemassnahmen für gegnerische Mannschaften möglichst vermieden werden, «wenn keine engen Kontakte ausserhalb des Spielfelds stattgefunden haben».

Das Forschungsteam warnt gleichwohl vor vorschnellen Schlüssen. Die Studie wurde durchgeführt, als die deutlich ansteckendere Delta-Variante noch nicht vorherrschend war.

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