Ski Alpin
Zenhäusern im Nachtslalom Fünfter, fluchender Yule früh raus – Gesamtleader Schwarz gewinnt

Im Nachtklassiker von Schladming legt Ramon Zenhäusern zwei solide Läufe hin, während Daniel Yule seine Hoffnungen früh begraben muss. Der Slalom-Gesamtführende Marco Schwarz triumphiert.

Frederic Härri
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Im Schneetreiben von Schladming suchte Ramon Zenhäusern die perfekte Linie, fand sie aber nicht ganz.

Im Schneetreiben von Schladming suchte Ramon Zenhäusern die perfekte Linie, fand sie aber nicht ganz.

Keystone

Der legendäre Nachtslalom in Schladming wird für gewöhnlich von lauter Musik und Partystimmung umrahmt. Diese fällt dieses Jahr aus bekannten Gründen aus. Auf der Planai wollen die Schweizer Slalom-Spezialisten gleichwohl für Spektakel und gute Resultate sorgen.

Einem, der in der laufenden Saison bislang ohnehin unter den Erwartungen geblieben ist, misslingt dieses Vorhaben komplett: Daniel Yule gewinnt im Steilhang hervorragend an Tempo, verschätzt sich dann aber im Mittelteil der Piste. Er fädelt ein und scheidet bereits im 1. Lauf aus. Fluchend, hadernd und mit nur einem Ski am Schuh verlässt der Walliser das Rennen.

Es läuft einfach nicht: Daniel Yule war nach seinem Fehler im Mittelteil der Piste sichtlich bedient.

Es läuft einfach nicht: Daniel Yule war nach seinem Fehler im Mittelteil der Piste sichtlich bedient.

Keystone

Ramon Zenhäusern läuft es im Schneetreiben auf der anspruchsvollen Piste resultatemässig wesentlich besser. Der 28-Jährige ist nach seinem Triumph in Alta Badia auf der Jagd nach der zweiten Goldmedaille in dieser Slalom-Saison. Das bleibt ihm in Schladming allerdings verwehrt. Zenhäusern sucht die perfekte Linie, findet sie aber nicht. Nach zwei soliden Fahrten wird Zenhäusern Fünfter. Den 1. Lauf beendete er auf dem vierten Platz.

«Es war keine schlechte Fahrt, aber ich hätte mehr riskieren müssen und die Ski besser laufen lassen»,

sagte Zenhäusern bereits nach dem ersten Umgang. Dieses Fazit lässt sich auf das ganze Rennen ausweiten.

Schwarz wird Erster, sein Teamkollege scheitert dramatisch

Sieger in Schladming ist der Österreicher Marco Schwarz, der seine Führung in der Slalom-Gesamtwertung ausbaut. Schwarz fährt einen exzellenten 2. Lauf, hat aber auch Glück, dass Teamkollege Manuel Feller, nach dem 1. Lauf noch Führender, in seinem zweiten Versuch kurz nach dem Start ausscheidet. Das Podest komplettieren die beiden Franzosen Clément Noël und Alexis Pinturault. Vor Zenhäusern klassiert sich der Norweger Sebastian Foss-Solevaag.

Auch in den Top Ten landet Loïc Meillard, der Neunter wird. Im ersten Lauf kommt er noch mit Nasenbluten im Ziel an, nachdem ihn eine Slalomstange im Gesicht getroffen hat. Davon lässt sich der lädierte Neuenburger nicht irritieren und brilliert mit einem 2. Lauf, der ihn zwischenzeitlich auf den ersten Platz katapultiert. Marc Rochat schliesst das Rennen als 17. ab, Noel von Grünigen wird 19.

Fünf erfüllen die Kriterien, nur vier dürfen mit an die WM

Ein Nebenschauplatz an diesem Abend ist die bevorstehende Weltmeisterschaft in Cortina d'Ampezzo. Fünf der Schweizer Slalom-Athleten erfüllen die Selektionskriterien, doch nur vier dürfen mit an die WM. Neben Zenhäusern, Meillard und Yule hat Tanguy Nef die besten Karten. In Schladming wird der Genfer 20., während es Luca Aerni mit seiner Zeit nicht in den zweiten Durchgang schafft. Wie Yule scheidet auch Sandro Simonet im 1. Lauf aus.

«Lizeroux out»: Ein Grosser verabschiedet sich

Still und leise endet in Schladming die Karriere von Julien Lizeroux. Für den 41-Jährigen ist der Nachtslalom sein letztes Rennen, in den 2. Lauf schafft er es als 35. nicht mehr. Neunmal stand Lizeroux während seiner Laufbahn auf dem Podest, dreimal gewann er – immer im Slalom. In Anlehnung an die vor genau einem Jahr verstorbenen Basketball-Legende Kobe Bryant («Mamba out») verabschiedet sich der Franzose mit einem «Lizeroux out» vom Ski-Zirkus.