Radsport
Schweizer Doppelerfolg in Trient: Küng und Reusser gewinnen an der EM Zeitfahr-Gold

Stefan Küng verteidigt seinen EM-Titel im Einzelzeitfahren, während Stefan Bissegger das Podest knapp verpasst. Marlen Reusser dominiert die Konkurrenz derweil in eindrücklicher Weise.

Dan Urner
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Stefan Küng hat seinen Titel als Europameister im Zeitfahren verteidigt.

Stefan Küng hat seinen Titel als Europameister im Zeitfahren verteidigt.

Keystone/Archiv

Er hat es wieder getan. Stefan Küng hat im italienischen Trient seinen EM-Titel erfolgreich verteidigt und sich zum zweiten Mal in Folge die Goldmedaille im Einzelzeitfahren gesichert. Der Thurgauer gewann 7,7 Sekunden vor dem Italiener Filippo Ganna und sammelte ein ersehntes Erfolgserlebnis, nachdem er an Olympia in Tokio an den Medaillenrängen um gerade einmal vier Zehntelsekunden vorbeigeschrammt war und an der Benelux-Tour einen Podestplatz in der Gesamtwertung verpasst hatte.

Tokio sei eine extrem bittere Pille gewesen, sagte Küng nach Rennende. «Das hat mich aber noch extra gepusht auf den letzten Kilometern.» Die ersten Zwischenzeiten hatten dem 27-Jährigen noch einen Rückstand auf Ganna und den späteren Dritten Remco Evenepoel aus Belgien ausgewiesen, doch auf der zweiten Streckenhälfte lief Küng zur Höchstform auf.

«Es ist schön, das Trikot verteidigen zu können», äusserte sich der Sieger zufrieden, sprach von einem «Riesentag für den Schweizer Radsport». Und sendete einen «Riesendank» an seinen Verband: «Swiss Cycling macht einen Riesenjob schon seit vielen Jahren, unterstützt uns immer bei allen kleinen Sachen.»

Doch wo Freud ist, ist auch Leid: Stefan Bissegger, der ebenfalls als heisser Medaillenanwärter gehandelt worden war, verpasste an seiner ersten Elite-EM das Podest als Vierter knapp. Rund neun Sekunden verlor er auf den auf Rang drei klassierten Evenepoel.

Reusser deklassiert die Konkurrenz

Marlen Reusser hatte hingegen allen Grund zur Freude. Sie habe sich schon beim Einfahren gut gefühlt, frohlockte sie, «überglücklich, konnte ich mich auch im Rennen auf meine schnellen Beine verlassen». Die Bernerin sicherte sich überlegen die Goldmedaille, siegte deutlich vor Ellen van Dijk. Zwischenzeitlich war sie der vor ihr gestarteten Niederländerin an einem Wendepunkt begegnet. «Da habe ich Gas gegeben», verriet Reusser, deren Vorsprung auf die Zweitplatzierte am Ende stolze 19 Sekunden betrug. Der deutschen Bronzegewinnerin Lisa Brennauer nahm sie auf der 22,4 Kilometer langen Strecke gar über eine Minute ab.

Elise Chabbey, zweite Schweizerin im Rennen, hatte mit dem Kampf um das Podest unterdessen nichts zu tun. Die Genferin handelte sich einen beträchtlichen Rückstand von fast drei Minuten ein, kam über Rang 20 nicht hinaus.

Höhenflug hält an

Ganz von ungefähr kommt der neuerliche Erfolg Reussers indes nicht. Die 29-Jährige befindet sich seit längerer Zeit in bestechender Verfassung. Ihre Silbermedaille an den Olympischen Spielen in Tokio sowie ihr zweiter Gesamtrang an der Challenge by La Vuelta in Spanien hatten sie zu einer der grossen Favoritinnen gemacht – zumal Olympiasiegerin Annemiek van Vleuten (Niederlande) in Trient fehlt, um sich für die kommende WM in der belgischen Region Flandern zu schonen. Beim Strassenrennen am Samstag dürfte Reusser also wieder eine ernstzunehmende Anwärterin auf einen Podestplatz sein.

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