Paris-Roubaix
Emotionaler Colbrelli bezwingt die «Hölle des Nordens» – Schweizer ohne Chance

Sonny Colbrelli setzt seiner Glanzsaison die Krone auf und gewinnt den «König der Klassiker». Die Schweizer bleiben ohne reelle Siegchance, Stefan Küng wird bei schwierigen Bedingungen von mehreren Stürzen ausgebremst.

Dan Urner
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Das Rennen entwickelte sich bisweilen zu einer Schlammschlacht.

Das Rennen entwickelte sich bisweilen zu einer Schlammschlacht.

Keystone

Sonny Colbrelli hat die 118. Ausgabe von Paris-Roubaix für sich entschieden. Mehr als 900 Tage nach der letzten Austragung des anspruchsvollen Eintagesklassikers setzte sich der Italiener in einem packenden Schlusssprint im Vélodrome in Roubaix vor dem Belgier Florian Vermeersch und Mathieu van der Poel aus den Niederlanden durch. Colbrelli, dessen Emotionen sich gleich nach Rennende mit Freudentränen entluden, krönte damit eine formidable Saison. Vor drei Wochen hatte er sich in Trient schon den Europameistertitel im Strassenrennen gesichert.

Bester Schweizer wurde Silvan Dillier auf Position 47. Stefan Bissegger hatte sich beim 257,5 Kilometer langen «König der Klassiker» lange an der Spitze gehalten, dem Ostschweizer ging aber mit fortschreitender Renndistanz die Energie aus. Rund 57 Kilometer vor dem Ende musste er abreissen lassen, klassierte sich schliesslich auf Rang 60. Stefan Küng, der sich im Vorfeld eine Platzierung unter den ersten Zehn erhofft hatte, blieb ohne Siegchance. Der 27-Jährige stürzte auf dem schlammigen Untergrund mehrfach und gab vorzeitig auf.

Der Thurgauer hegt ohnehin ein ambivalentes Verhältnis zum nordfranzösischen Traditionsrennen. 2017 fuhr ihm ein Teamfahrzeug über den Arm, er hatte mit einer Quetschung noch Glück im Unglück. Ein Jahr später zog sich Küng bei einem schweren Sturz einen Kieferbruch zu.

Schlammschlacht und Sturzfestival

Die «Hölle des Nordens» machte ihrem Namen alle Ehre: Zahlreiche Stürze überschatteten das Rennen, gerade die berüchtigten Kopfsteinpflaster-Passagen verlangten den Fahrern bei regnerischen Bedingungen einiges ab.

Besonders bitter verlief das Rennen für Gianni Moscon: Der Italiener übernahm rund 50 Kilometer vor dem Ziel die Führung und baute seinen Vorsprung stetig aus, auf über eine Minute – um ihn dann innert kürzester Zeit beinahe vollends einzubüssen. Erst musste wegen technischer Probleme sein Velo austauschen, kurz darauf – rund 27 Kilometer vor dem Ende – folgte ein ärgerlicher Sturz. Elf Kilometer später fiel Moscon zurück und fand keinen Anschluss mehr an das spätere Spitzentrio.

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