Portrait von Pedri
Auf dieses 18-jährige spanische Wunderkind muss die Schweiz aufpassen

Pedri ist Spaniens jüngster EM-Spieler überhaupt. Mit seinen millimetergenauen Pässen und Spielübersicht ist er trotz seinen 18 Jahren unverzichtbar für die Furia Roja.

Gabriel Vilares
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Pedri zieht im spanischen Mittelfeld alle Fäden. Das spanische Wunderkind mit der Nr. 26 ist erst 18 Jahre jung.

Pedri zieht im spanischen Mittelfeld alle Fäden. Das spanische Wunderkind mit der Nr. 26 ist erst 18 Jahre jung.

Keystone

Aufgepasst, liebe Nati. Auf Pedri muss am Freitagabend im Viertelfinal-Kracher gegen Spanien ein besonderes Auge geworfen werden. Pedri wer? Mit bürgerlichem Name heisst er Pedro González López. Der 18-Jährige lässt das Herz jedes Fussball-Aficionados in einer höheren Kadenz schlagen. Mit seiner Körpergrösse von 1,74 zieht der Mittefeldspieler die Fäden bei der «Furia Roja».

Pedri ist einer dieser Spieler, die den Unterschied ausmachen können. Oftmals tut er das nicht mit Toren, sondern mit genialen, millimetergenauen Pässen für seine Mitspieler. Mit seinem feinen Füsschen spielt er Pässe in die Schnittstelle. Mal ist es ein Pass mit dem Aussenrist, mal ein Chipball über die Abwehr oder ein 40-Meter-Pass mit dem Vollspann. Dank seiner Spielübersicht spielt der junge Mann, der beim FC Barcelona unter Vertrag ist, den richtigen Ball zum richtigen Zeitpunkt.

Vergleiche mit Iniesta

Es verwundert nicht, dass Pedri schon früh mit dem ehemaligen Star-Nati-Spieler Andrés Iniesta verglichen wird. «Es ist schön, dass du mit einem Spieler wie Iniesta verglichen wirst. Ich muss aber Pedri sein und meine eigene Karriere auf die Beine bringen, um Erfolge zu feiern», so der Youngster, kurz bevor er zu seinem Debüt für die spanische Nationalmannschaft am 25. März dieses Jahres gegen Griechenland gelangt.

Erst acht Länderspiele hat das spanische Wunderkind für die Nationalmannschaft bestritten. Bei der Europameisterschaft ist Pedri bei Coach Luis Enrique dennoch unbestritten. Er spielt in allen vier Partien durch (390 Minuten) und ist damit neben dem Torhüter Unai Simón und dem Innenverteidiger Aymeric Laporte der Einzige im Team. Er ist sowas wie ein Dauerbrenner. In der laufenden Saison kommt der Spanier auf 64 Einsätzen und ist damit einer der meisteingesetzten Profis. Beim FC Barcelona kam er lediglich in zwei Partien nicht zum Einsatz. Hinzu kommen die Spiele mit der U21 und der Nati.

Doch der junge Mann scheint alles andere als müde zu sein. Mit 46,9 Kilometer hat er an der EM am drittmeisten Meter abgespult. Nur der Schwede Albin Ekdal und der Österreicher Marcel Sabitzer sind noch fleissiger. Von seinen 305 geschlagenen werden 277 in der Statistik als erfolgreich taxiert, eine Passgenauigkeit von 91 Prozent. Einer dieser Pässe bringt ihm ein Eigentor ein. Obwohl der Schlussmann Simón mit seinem Megapatzer im Achtelfinal gegen Kroatien verschuldet, wird es Pedri angerechnet. Dieser Mini-Makel dürfte ihn aber wenig stören.

Luis Enrique: «Er ist einzigartig»

«Das Gezeigte definiert viel besser als Worte. Er ist ein einzigartiger Spieler. Die gleiche Frische, die er auf dem Platz zeigt, hat er auch neben dem Feld. Auch wenn es so aussieht, als wäre er ein schüchterner Spieler. Er hat viel Humor. Sogar beim Tischtennisspielen ist er frisch. Er ist übrigens auch dort sehr gut.» So beschreibt ihn Luis Enrique nach dem Kroatien-Spiel.

Spaniens Nati-Coach Luis Enrique hat grosse Freude an Pedri: «Er ist Einzigartig».

Spaniens Nati-Coach Luis Enrique hat grosse Freude an Pedri: «Er ist Einzigartig».

Keystone

Real wollte ihn nicht

Mit 18 Jahren und 215 Tagen wird Pedri zum jüngsten Spieler überhaupt, der in einer EM in einer K.o.-Phase zum Einsatz kommt. In diesem Moment wird sich Real-Präsident Florentino Pérez grün und blau ärgern. Mit 13 Jahren war der kleine Pedri nämlich bei den Junioren von Real Madrid eine Woche im Probetraining. Doch die Königlichen wollten den Jungen aus der Kanareninsel Teneriffa nicht. «Sie haben mich in einem Zimmer zur Seite genommen und mir gesagt, dass ich nicht gut genug sei», so Pedri in einem Interview mit Cadena Ser.

In diesem Moment sei er am Boden zerstört gewesen, doch im Nachhinein hat er sich gefreut. «Alles passiert aus einem Grund, nun bin ich in diesem Club, den ich schon immer geliebt habe.» Er meint den FC Barcelona. Auf die Welt kommt Pedri in Tegueste, das liegt in Nordosten von Teneriffa. Sein Grossvater, Fernando González, war es, der den Fanklub «Barcelonista de Tenerife-Tegueste» gründete. Nun führt ihn sein Vater. Deshalb ist der Sohnemann auch seit Kindesbeinen Barça-Fan.

Kam beim FC Barcelona vergangene Saison bis auf zweimal immer zum Einsatz.

Kam beim FC Barcelona vergangene Saison bis auf zweimal immer zum Einsatz.

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Im Sommer 2019 unterschreibt er seinen ersten Profi-Vertrag beim Zweitligisten Las Palmas in Gran Canaria. Wenig später klopft bereits der grosse FC Barcelona an und verpflichtet ihn für fünf Millionen Euro. Die Katalanen leihen ihn noch eine Saison an Las Palmas aus und holen ihn dann im Sommer 2020 definitiv.

Von da an beginnt seine steile Karriere. Im April 2020 wird Pedris Marktwert von «transfermarkt.de» noch auf 7,2 Mio. Euro beziffert. Nicht mal ein Jahr später sind es bereits 70 Mio. Euro. Wetten, dass dieser nach der EM weiter in die Höhe schnellt?

Bescheidenheit trotz Millionengehalt

Angst, dass das spanische Wunderkind den Boden unter den Füssen verliert, muss man nicht haben. Seine Weggefährten benützen bei der Beschreibung des Kanaren oft das gleiche Wort: «bescheiden». Seine Eltern könnten aufgrund des Millionensalärs des Sohnemanns in Pension gehen, doch sie möchten keinen Cent. Den Eltern gehört das Restaurant Relleno Tasca Fernando in Tegueste. Der Vater kümmert sich um die Gäste, die Mutter kocht. Auch Tante und Onkel arbeiten im Betrieb.

Auch am Freitag wird Pedri wieder mit seinen feinen Pässen die Fussball-Aficionados zum Staunen bringen und bis zum Umfallen laufen. Wenn ihn die Schweizer nicht aufhalten können, dann wird er bis zum Halbfinal im Wembley weitermarschieren.