Schwimm-Sensation
«Es ist verrückt, es ist unglaublich, einfach ein Traum» – Noè Ponti doppelt für die Schweiz nach und gewinnt Bronze

Nicht einmal 24 Stunden nach Jérémy Desplanches gewinnt auch Noè Ponti in Tokio eine Medaille. Der 20-jährige Tessiner schwimmt über 100 Meter Schmetterling zu Olympia-Bronze.

Simon Wespi
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Noè Ponti realisiert unmittelbar nach seinem Rennen seine sensationelle Leistung – gepaart mit der Bronze-Medaille.

Noè Ponti realisiert unmittelbar nach seinem Rennen seine sensationelle Leistung – gepaart mit der Bronze-Medaille.

Patrick B. Kraemer / EPA

Die nächste Medaille im Aquatics Centre von Tokio: Noè Ponti schafft den erhofften Exploit und holt sensationell die Bronzemedaille! Im Final über 100 Meter Schmetterling gelingt dem 20-Jährigen ein Coup. Hinter den beiden Überfliegern Caeleb Dressel (USA) und dem Ungaren Kristof Milak schlägt Ponti als Dritter an.

Bei seiner Olympia-Premiere gelingt dem Tessiner damit auch gleich das beste Rennen seiner noch jungen Karriere. Ponti schwimmt eine Zeit von 50,74 Sekunden und senkt dabei seine eigene Bestmarke vom Vortag noch einmal um 0,02 Sekunden. «Es ist verrückt. Es ist unglaublich, einfach ein Traum.» Ponti ist im Interview mit SRF den Tränen nahe:

«Nach dem Halbfinal wollte ich losweinen. Dann habe ich gesagt, einen Tag noch, dann kannst du dich gehen lassen. Ich bin glücklich und möchte allen danken die mich unterstützt haben.»

Noè Ponti startete verhalten in den Olympia-Final. Bei Halbzeit lag der Tessiner auf Position 4. Nach der Wende erhöhte er jedoch die Kadenz und schnappte sich den Russen Andrej Minakow, den er schliesslich um 14 Hundertstelsekunden distanzieren konnte.

Dressel und Milak dagegen schwammen im Olympia-Final in einer eigenen Liga. Beide Athleten nahmen Ponti mehr als eine Sekunde ab. Dressel verbesserte dabei seinen eigenen Weltrekord um weitere 5 Hundertstel. Die Bestmarke über 100 Meter steht nun bei 49,45 Sekunden. Milak verlor 23 Hundertstel auf die Siegerzeit. Für Dressel ist es bereits der dritte Triumph an den Sommerspielen in Tokio.

Der 20-jährige Tessiner präsentiert seine Bronze-Medaille.

Der 20-jährige Tessiner präsentiert seine Bronze-Medaille.

Patrick B. Kraemer / EPA

Erst etwa fünf Minuten nach seinem Wettkampf hat Noè Ponti laut eigenen Angaben auch wirklich realisiert, was er eben erreicht hat. Und auch nach der Medaillenübergabe konnte er das Vollbrachte noch kaum in Worte fassen:

«Ich bin sprachlos. Heute war der beste Tag in meinem Leben. Mein Ziel war der Halbfinal. Und jetzt stehe ich hier mit einer Medaille. Unglaublich.»

Nach dem Gewinn der Bronze-Medaille von Jérémy Desplanches über 200 Meter Lagen am Freitag holt die Schweiz innert 24 Stunden zum zweiten Mal Schwimm-Edelmetall. Zuvor musste Swiss Aquatics 37 Jahre auf eine olympische Medaille warten. 1984 in Los Angeles holte Étienne Dagon letztmals für die Schweiz eine Schwimm-Medaille.

Neuer Weg in den USA

Noè Ponti, der in Locarno geboren wurde, wechselt 2019 ans Leistungszentrum nach Tenero. Unter Trainer Massimo Meloni blühte er so richtig auf. Noch im selben Jahr wurde er Junioren-Europameister. Bis heute hält der erst 20-Jährige sieben Schweizer Rekorde – über 800 Meter Crawl sowie in allen Schmetterling-Distanzen, inklusive drei Staffeln.

Noè Ponti's Reise geht nun in der USA weiter.

Noè Ponti's Reise geht nun in der USA weiter.

Patrick B. Kraemer / EPA

Um sich in der Weltspitze zu etablieren, geht Noè Ponti nun neue Wege. «Im Juni habe ich entschieden, nach Amerika zu reisen.» Er wechselt nach North Carolina an die State-University. In der Schweiz sei es schwierig, Schwimmen und Schule unter einen Hut zu bringen. Das Abenteuer in Raleigh sei vorderhand ein Test. Nach einem Jahr wolle er Bilanz ziehen.

Als Student nach Übersee zu ziehen, fällt dem Tessiner leicht. Er sagt: «Das wird kein Problem sein. Das Leben in Amerika wird zwar anders sein. Aber ich bin ja noch jung.» In den Semesterferien will er jeweils zurückkommen und hier mit seinem Coach trainieren.

Noè Ponti ist dabei nicht der erste Schweizer Athlet, der in den USA sein Glück versucht. Die Chancen stehen damit gut, dass er der nächste Stern am Schweizer Schwimm-Himmel sein wird und auch an den nächsten Olympischen Sommerspiele 2024 in Paris erneut performen wird.

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