Nations League
Italienische Serie reisst: Spanien nach 2:1-Sieg im Final

Spanien schlägt den Europameister in Mailand und zieht nach einer reifen Leistung ins Endspiel der Nations League ein. Die «Squadra Azzurra» verliert erstmals seit 37 Partien wieder, Captain Leonardo Bonucci erweist dem Team einen Bärendienst.

Dan Urner
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Schwächelnde Italiener mussten sich Spanien mit 1:2 geschlagen geben.

Schwächelnde Italiener mussten sich Spanien mit 1:2 geschlagen geben.

Keystone

Es ist gerade einmal knapp drei Monate her, da hatte Italien den Fussball-Thron des Kontinents erklommen. Viel Europameisterliches war seither nicht mehr zu sehen: Den zuletzt enttäuschenden Auftritten in der WM-Qualifikation, mit Ausnahme des 5:0 gegen Litauen, liess die «Squadra Azzurra» nun eine verdiente 1:2-Niederlage im Halbfinal der Nations League gegen Spanien folgen – ausgerechnet vor heimischen Publikum im Mailänder Giuseppe-Meazza-Stadion. Die eindrückliche italienische Serie von 37 Partien ohne Niederlage gehört damit der Geschichte an.

Spanien kam erkennbar besser in den Fussballabend. Die ballsicheren Iberer, bei denen Gavi (17 Jahre, 62 Tage) als jüngster Spieler aller Zeiten sein Debüt im Nationaldress gab, zauberten auch den ersten sehenswerten Angriff auf den Rasen. Mikel Oyarzabal wäre am Ende der Verwertungskette gestanden, doch sein Schuss aus zentraler Position wurde im Ansatz geblockt (13.). Oyarzabal stand auch in der nächsten Szene im Fokus, diesmal als Vorbereiter: Ferran Torres verwertete seine vortrefflich geschlagene Flanke zur verdienten Führung (17.). Italien stand vor heimischem Pubikum noch gewaltig neben den Schuhen, fand offensiv nicht statt und schien bei den temporeich vorgetragenen spanischen Angriffen defensiv stets am Rande der Überforderung – so auch Goalie Gianluigi Donnarumma, dessen Unsicherheit beim Versuch von Marcos Alonso beinahe im 0:2 gemündet wäre. Captain Leonardo Bonucci klärte auf der Linie.

Es dauerte eine knappe halbe Stunde, bis der Europameister, der zunächst seinen schwächeren Eindruck der zuletzt enttäuschenden WM-Qualifikationsspiele zu bestätigen schien, zu etwas mehr Zugriff zum Geschehen fand. Nach knapp 35 Minuten resultierte auch die riesige Ausgleichschance, Lorenzo Insigne tauchte plötzlich unbedrängt vor Simón auf. Doch der Stürmer der SSC Neapel traf den Ball nicht richtig und verpasste das zwingende 1:1.

Bonuccis unbedachter Zweikampf

40 Minuten waren gespielt, als die Italiener der nächste Nackenschlag ereilte: Bonucci ging im Zweikampf gegen Sergio Busquets zu beherzt mit dem Ellbogen zu Werke und holte sich folgerichtig seine zweite gelbe Karte ab. Seiner Mannschaft erwies der Captain damit einen Bärendienst, in Überzahl – und zum psychologisch ungünstigsten Zeitpunkt für die «Azzurri» – doppelte Torres per Kopf für Spanien nach (45.+2).

Jubel bei Spanien: Die Iberer kämpfen am Sonntag um den Gewinn der Nations League.

Jubel bei Spanien: Die Iberer kämpfen am Sonntag um den Gewinn der Nations League.

Keystone

Es wäre ohnehin eine Mammutaufgabe gewesen, einen Zwei-Tore-Rückstand mit einem Spieler weniger zu egalisieren; und mit ihrer voll auf Kontrolle ausgelegten Spielweise machten die Iberer italienische Resthoffnungen rasch zunichte. «La Roja» vergnügte sich mit längeren Ballstafetten, die Elf von Trainer Roberto Mancini hatte wenig entgegenzusetzen. Ein Pfostenschuss von Federico Chiesa beschwingte Fans und Spieler der Gastgeber nur kurzzeitig, der Angreifer war zuvor im Abseits gestanden (61.). Oyarzabal verpasste auf der Gegenseite per Kopfball das dritte spanische Tor (63.). Spätestens Marcos Alonso hätte das 3:0 aus Sicht der Mannschaft von Luis Enrique besorgen müssen, doch er scheiterte am glänzend reagierenden Donnarumma, der Pfiffe der eigenen Fans ertragen musste: Er war vor der Saison von Milan zu Paris Saint-Germain gewechselt.

Pellegrini haucht späte Spannung ein

Es schien bis zum Schluss dahinzuplätschern, doch urplötzlich offenbarte Spanien eine erstaunliche Verwundbarkeit: Ein eigener Eckball, gepaart mit individuellen Aussetzern, eröffnete Italien eine formidable Konterchance, Lorenzo Pellegrini schob nach Chiesa-Zuspiel zum Anschluss ein (83.). Es begann eine unerwartete Zitterpartie, Italien schöpfte Hoffnung und versuchte alles. Die Spanier hielten dem Druck stand.

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