Nations League
Theo Hernández macht das Comeback perfekt: Frankreich schaltet Belgien aus

Der Weltmeister lässt sich gegen Belgien auch durch ein 0:2 zur Pause nicht beirren und folgt Spanien ins Endspiel der Nations League. Den «roten Teufeln» misslingt die Revanche für 2018.

Dan Urner
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Belgiens Timothy Castagne (l.) im Zweikampf mit dem französischen Stürmerstar Kylian Mbappé.

Belgiens Timothy Castagne (l.) im Zweikampf mit dem französischen Stürmerstar Kylian Mbappé.

Keystone

Weltranglistenerster gegen Weltmeister. Der zweite Halbfinal der Nations League zwischen Frankreich und Belgien hätte eigentlich für hochklassige Fussball-Unterhaltung bürgen sollen, wurde den hohen Erwartungen aber erst in der Schlussphase gerecht. Den Franzosen dürfte das egal sein, sie besiegten den nördlichen Nachbarn nach einer Energieleistung in der zweiten Halbzeit mit 3:2. Belgien verpasste trotz einer Zwei-Tore-Pausenführung die Revanche für die Niederlage im WM-Semifinal 2018.

Eine Glanztat von Hugo Lloris verhinderte die frühe belgische Führung: Der französische Goalie parierte den Abschluss von Kevin de Bruyne aus kurzer Distanz mirakulös (4.). Jules Koundé hatte den Mittelfeldstar von Manchester City mit einer Unzulänglichkeit in Szene gesetzt. Belgien wartete in der Startphase mit viel Zug zum Tor auf, machte den wacheren Eindruck. Vor allem Romelu Lukaku vermochte die französische Abwehr reichlich zu beschäftigen, band als offensiver Aktivposten oft mehrere Gegenspieler und setzte seine Teamkollegen in Szene.

Die Mannschaft von Trainer Didier Déchamps tat sich mit der hohen belgischen Intensität zunächst schwer und wirkte bei eigenem Ballbesitz zu statisch und ideenlos. Zumindest gelang es dem Weltmeister ab Mitte der ersten Hälfte mehr und mehr, den anfänglich schwungvollen Angriffen der «roten Teufel» Einhalt zu gebieten. Die Konsequenz: Torraumszenen blieben bei dem zumeist uninspirierten Ballgeschiebe zumeist auf der Strecke, beide Teams gefielen sich in einer steten Abwartehaltung.

Belgischer Doppelschlag

Es brauchte eine Einzelleistung von Yannick Carrasco, um der trostlosen Monotonie ein Ende zu bereiten. Der Flügelspieler von Atlético Madrid kam im Strafraum recht unbedrängt zum Abschluss, erwischte Lloris mit seinem leicht abgefälschten Schuss auf das kurze Eck kalt – 1:0 für Belgien (37.). Und plötzlich ging es ganz schnell: Romelu Lukaku liess Lucas Hernández alt aussehen, tauchte vor Lloris auf und traf aus spitzem Winkel wuchtig zum 2:0 (40.). Wieder sah der Torhüter nicht allzu glücklich aus, spekulierte er doch augenscheinlich auf die Hereingabe, dabei war gar kein belgischer Mitspieler mitgelaufen.

Romelu Lukaku (l.) bejubelt sein Tor zum 2:0, Vorbereiter de Bruyne gratuliert.

Romelu Lukaku (l.) bejubelt sein Tor zum 2:0, Vorbereiter de Bruyne gratuliert.

Keystone

Frankreich schien sich nach der Halbzeitpause dem Ernst der Lage bewusst. Der Weltmeister wirkte nunmehr deutlich gefälliger, bemühte sich um ein direkteres Kombinationsspiel – bekundeten mit der gut sortierten belgischen Defensive aber weiterhin Mühe. In der 58. Minute wäre der Anschlusstreffer fällig gewesen: Kylian Mbappé setzte sich auf der rechten Angriffsseite spielend leicht gegen Carrasco durch, fand mit Antoine Griezmann den perfekten Abnehmer im Zentrum. Doch der Top-Torschütze der Euro 2016 verfehlte aus wenigen Metern knapp. Aus viel schwierigerer Position kam Frankreich zum ersten Tor. An der Strafraumkante behauptete sich Karim Benzema mit all seiner Klasse gegen mehrere Gegenspieler, drehte sich um die eigene Achse und versenkte den Ball im langen Eck (62.).

Hatten die Belgier kurz nach der Pause noch Sicherheit ausgestrahlt, schienen sie spätestens nach dem Benzema-Tor mit ihrer Passivität förmlich um den Ausgleich zu betteln. Die Rufe wurden rasch erhört: Youri Tielemans foulte Griezmann im Sechzehner, dank VAR-Konsultation entschied Schiedsrichter Daniel Siebert auf Penalty. Mbappé verwandelte sicher (69.).

Etwas Besseres hätte der Partie gar nicht passieren können, denn fortan beteiligten sich beide Seiten an einem munteren Schlagabtausch mit Chancen hüben wie drüben. Frankreich verfügte über viel Ballbesitz, doch die Elf von Roberto Martínez blieb über ihr schnelles Umschaltspiel stets torgefährlich.

Hernández vollendet Frankreichs Comeback

Der Schuss ins Glück: Theo Hernández netzt zum 3:2 aus Frankreich-Sicht ein.

Der Schuss ins Glück: Theo Hernández netzt zum 3:2 aus Frankreich-Sicht ein.

Keystone

Romelu Lukaku hätte beinahe den Lucky Punch markiert, doch seinem Treffer zum 3:2 aus belgischer Sicht war eine Abseitsstellung vorausgegangen (87.). Auf der Gegenseite stand Paul Pogba das Lattenkreuz im Weg (89.). Nur wenige Augenblicke später war es Theo Hernández vorbehalten, den Spielern die Strapazen einer Verlängerung zu ersparen: Er überwand mit seinem Schuss ins lang Eck den belgischen Goalie Thibaut Courtois und machte mit seinem ersten Länderspieltor Frankreichs Comeback perfekt (90.).

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