Katar
Die WM hat ihre erste Sensation ‒ und gleich eine der grössten aller Zeiten: Saudi-Arabien besiegt Messis Argentinien

Saudi-Arabien gelingen gegen den haushohen Favoriten zwei Tore in nur fünf Minuten ‒ 2:1 gegen Argentinien, das nun mit dem Rücken zur Wand steht. Der Baumeister ist ein französischer Trainer.

Tobia Gazzotto
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Der Jubel bei den Saudis kennt keine Grenzen, sie feiern den grössten Sieg ihrer Geschichte.

Der Jubel bei den Saudis kennt keine Grenzen, sie feiern den grössten Sieg ihrer Geschichte.

Ricardo Mazalan / AP

Als Schiedsrichter Slavko Vincic nach rund 14 endlos langen Minuten Nachspielzeit endlich in seine Pfeife bläst, können die Saudis ihr Glück kaum fassen. Es ist der grösste Sieg in der Geschichte Saudi-Arabiens und eine der grössten Sensationen in der Geschichte der WM, der ihnen gerade gelungen ist. Sie gewinnen gegen Argentinien, den haushohen Favoriten und einen der meistgehandelten Titelanwärter, mit 2:1.

Zu erwarten war der saudische Coup kein bisschen gewesen, zu bestechend in Form waren die Argentinier vor der WM. Mit einer Serie von 36 Spielen in Folge ohne Niederlage im Gepäck reiste die Mannschaft von Trainer Lionel Scaloni nach Katar. Mit einem Unentschieden oder Sieg zum WM-Auftakt hätten die Südamerikaner gar den Rekord von Italien eingestellt.

Messi trifft noch zur Führung

Gekommen ist es anders – ausgerechnet Saudi-Arabien, das den 51. Rang der Weltrangliste belegt, fügte der Albiceleste die erste Niederlage seit 1238 Tagen zu. Es ist zudem die erste Auftaktniederlage Argentiniens an einer Weltmeisterschaft seit 1990. So hat sich Lionel Messi, der argentinische Superstar, den Start in seine wohl letzte Weltmeisterschaft definitiv nicht vorgestellt.

Die Enttäuschung bei Lionel Messi sitzt tief.

Die Enttäuschung bei Lionel Messi sitzt tief.

Ebrahim Noroozi / AP

Dabei gelang den Südamerikanern noch ein Start nach Mass. Bereits in der zehnten Minuten schoss Messi per Elfmeter sein Land in Führung. Trotz des frühen Gegentreffers liess sich Saudi-Arabien nicht beirren und spielte schon im ersten Umgang zeitweise mutig nach vorne.

Der Underdog agierte leidenschaftlich, war aber auch hervorragend eingestellt. Er verteidigte sehr hoch und liess die argentinischen Angreifer immer wieder in die Abseitsfalle tappen. Gleich drei Mal wurde das vermeintliche zweite argentinische Tor aufgrund einer Abseitsposition aberkannt. Stürmer Lautaro Martinez bekam dabei die neue Offside-Technologie gleich doppelt zu spüren. Bei seinem ersten Treffer befand sich nur seine Schulter hauchdünn im Abseits.

Ein Doppelschlag für die Geschichtsbücher

Nach dem Seitenwechsel waren die Saudis dann weiterhin mutig, und jetzt gelang ihnen ein Doppelschlag, der in die WM-Geschichtsbücher eingehen wird. Mit zwei Toren innerhalb von fünf Minuten wendeten sie die Partie zu ihren Gunsten. Besonders sehenswert war der Treffer zum 2:1 durch Salem al-Dawsari, der den Ball in die obere rechte Ecke schlenzte und die Fans in Ekstase versetzte. Die 88’000 Zuschauer im Lusail-Stadion sorgten für eine Stimmung, wie man ihr an der WM bisher noch nicht begegnet war.

Zahlreiche argentinische Fans standen einem Meer von Saudis gegenüber, die zum WM-Auftaktspiel ihres Landes ins Nachbarland Katar gekommen waren. Getragen vom euphorischen Publikum liessen sich die Araber ihren Sensationssieg nicht mehr nehmen. Die Argentinier liefen zwar an, doch ein Tor gelang ihnen nicht mehr. Mohammed al-Owais, der Torhüter der Saudis, wurde zum Mann des Spiels gewählt. Mit etlichen Paraden liess er die Argentinier verzweifeln.

Saudi-Arabien besiegt Argentinien. Das ist eine der grössten Sensationen in der WM-Geschichte, vielleicht sogar die grösste. Sie reiht sich ein auf eine Liste, auf der sich auf Senegals Sieg gegen Frankreich im Jahr 2002 findet, jener Nordkoreas gegen Italien im Jahr 1966 oder der von Kamerun gegen Argentinien 1990.

In der Heimat wird der saudische Sieg frenetisch bejubelt. König Salman ordnete für Mittwoch kurzerhand einen Feiertag an. Der Baumeister des saudischen Erfolgs heisst Hervé Renard. Der Franzose hat schon verschiedene afrikanische Nationalteams trainiert, etwa Marokko an der WM 2018.

Hervé Renard konnte unter anderem schon mit Sambia und der Elfenbeinküste den Afrika-Cup gewinnen.

Hervé Renard konnte unter anderem schon mit Sambia und der Elfenbeinküste den Afrika-Cup gewinnen.

Bild: Ricardo Mazalan/ AP

Nach dem Spiel sagt er, dass im Fussball manchmal verrückte Dinge passierten. Und:

«Wir haben saudische Fussball-Geschichte geschrieben. Das wird für immer bleiben.»