Fussball
Fifa plant WM im Zwei-Jahres-Rhythmus – Fans und Uefa erheben Vorwürfe

Seit 1930 findet die WM alle vier Jahre statt. Einzig die Pause während des zweiten Weltkriegs bildete eine Ausnahme. Doch nun wird dieser Rhythmus von der Fifa infrage gestellt. Für den geplanten Zwei-Jahres-Rhythmus hagelt es Kritik – von den Klubs, der Uefa und den Fans.

Niklas Helbling/Watson
Drucken
Teilen
Geht es nach Fifa-Präsident Gianni Infantino, könnte die Fussball-WM künftig im Zwei-Jahres-Rhythmus ausgetragen werden.

Geht es nach Fifa-Präsident Gianni Infantino, könnte die Fussball-WM künftig im Zwei-Jahres-Rhythmus ausgetragen werden.

In Zukunft soll die Fussball-Weltmeisterschaft der Männer sowie der Frauen alle zwei statt alle vier Jahre stattfinden. Das ist der Wunsch der Fifa. Bereits im Mai stellte der saudi-arabische Verband einen Antrag auf eine Machbarkeitsstudie zu einem Zwei-Jahres-Rhythmus. Dieser wurde mit einer überwältigenden Mehrheit angenommen. Die Pläne werden immer konkreter.

Mehr Titelchancen für Nationalteams

Das Ziel sei es, den Nationalmannschaften mehr Chancen auf Titel zu geben, so Gianni Infantino. «Klubs haben die Möglichkeit, jedes Jahr fünf, sechs Titel zu gewinnen. Jedes Nationalteam kann das nur alle vier Jahre», sagte der Fifa-Präsident gemäss «Sport1». Unterstützung erhält er dabei unter anderem vom afrikanischen Verband CAF. Patrice Motsepe, Präsident des CAF-Exekutivkommitees, sieht darin eine grosse Chance für Afrikas Nationalmannschaften. Auch der südamerikanische Verband und einige asiatische Landesverbände haben sich bereits für einen Zwei-Jahres-Rhythmus ausgesprochen.

Alexander Ceferin, Uefa-Präsident, steht den Plänen kritisch gegenüber.

Alexander Ceferin, Uefa-Präsident, steht den Plänen kritisch gegenüber.

Keystone

Gegenwind gibt es hingegen aus Europa. Uefa-Präsident Aleksander Ceferin stellt sich klar gegen die Idee: «Die WM ist so wertvoll, weil sie selten stattfindet. Eine Durchführung alle zwei Jahre würde das Turnier entwerten.» Nasser Al-Khelaifi, Präsident der Europäischen Klubvereinigung, stellt sich ebenfalls gegen die Pläne der Fifa. Die europäischen Top-Klubs fürchten die zusätzliche Belastung ihrer Spieler und haben kein Interesse an noch mehr Länderspielen.

Alleingang der Fifa sorgt für Ärger mit den Vereinen

Viele Klubs stehen ohnehin bereits im Disput mit dem Weltverband, da dieser das Länderspielfenster in Südamerika um zwei Tage verlängert habe und die Klubs auch bei drohender Quarantäne zur Abstellung der Profis verpflichtet waren. Das «einseitige Vorgehen der Fifa» sorgte für Verärgerung bei den europäischen Top-Ligen, da deren Klubs nun länger auf ihre Spieler verzichten müssen und zusätzlich das Risiko einer Quarantäne besteht, wie die «Sportschau» berichtet.

Mit der geplanten zweijährlichen Durchführung der Weltmeisterschaft entsteht nun ein weiterer Konflikt zwischen Fifa und den Vereinen. Doch nun schalteten sich auch die Fans in die Diskussionen ein. Fangruppen von Nationalteams aller sechs Konföderationen haben ein gemeinsames Statement veröffentlicht, indem sie die Fifa anprangern, keine Rücksicht auf die Anhänger des Sports genommen zu haben.

Arsène Wenger wirbt für die Pläne.

Arsène Wenger wirbt für die Pläne.

Keystone

Darin schreiben die Fan-Organisationen: «Der Direktor für globale Fussballförderung Arsène Wenger behauptet: ‹Die Fans wollen eine WM im Zwei-Jahres-Rhythmus.› Wir lehnen diese Äusserung kategorisch ab. Die Mehrheit der Fans ist gegen einen solchen Plan. Hätte die Fifa sich die Mühe gemacht, mit uns darüber zu sprechen, hätten sie das gewusst.» Eine solche Änderung des Fussball-Kalenders würde die kontinentalen Wettbewerbe entwerten. «Wir rufen die Fifa und die nationalen Verbände, welche diese dabei unterstützen, daher auf, die Pläne für eine zweijährliche Weltmeisterschaft aufzugeben und die Fans in Diskussionen bezüglich der Zukunft des Fussballs miteinzubeziehen.»

Wie der Weltverband darauf reagieren wird, ist noch nicht bekannt. In dieser Woche berät sich eine Expertengruppe in Katar zu der Zukunft des weltweit so populären Sports. Dazu gehören unter anderem die Fussball-Legenden Lothar Matthäus, Roberto Carlos, Didier Drogba und Marco van Basten. Zudem sind auch Yaya Touré und Javier Mascherano mit dabei. Beide haben sich bereits positiv zu der Idee geäussert. Der ehemalige ivorische Nationalspieler Touré schrieb auf Twitter, dass Afrikas Fussball davon profitieren und dessen Entwicklung vorangetrieben werden könnte.

Unter der Führung von Arsène Wenger sollen sich über 30 ehemalige Spieler und Trainer zusammen austauschen, um Ideen zu finden, wie der «Fussball wirklich globalisiert sowie Talenten und Ländern eine Chance gegeben» werden kann. Am Donnerstag will die Fifa öffentlich Stellung nehmen.

Wenger selbst hat bereits Vorstellungen, wie der zukünftige Länderspielkalender aussehen könnte. Schon ab 2026 könnte gemäss dem ehemaligen Arsenal-Coach jedes Jahr ein grosses Turnier stattfinden. Nach der WM in der USA, Kanada und Mexiko würden 2027 eine Europameisterschaft sowie die restlichen Kontinentalmeisterschaften stattfinden und 2028 wieder eine Weltmeisterschaft. «Wir wollen die beste Lösung für den Fussball finden», sagte Wenger laut dem «Kicker».

Aktuelle Nachrichten