FUSSBALL-EUROPAMEISTERSCHAFT
Weil der Uefa-Präsident eine Fan-Garantie fordert: München droht das EM-Aus

Die Uefa fordert von den EM-Ausrichterstädten eine Garantie, dass Zuschauer in den Stadien erlaubt sein werden. Deshalb steht nun der Austragungsort München auf der Kippe. Für die Stadt selbst ist ein Rückzug allerdings «kein Thema».

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Die Uefa droht München (im Bild die Allianz Arena) die EM-Austragung zu entziehen, falls die Stadt keine Zuschauer erlauben kann. (Archivbild)

Die Uefa droht München (im Bild die Allianz Arena) die EM-Austragung zu entziehen, falls die Stadt keine Zuschauer erlauben kann. (Archivbild)

Christof Stache / AP

(sid/frh) Der Stadt München könnte das EM-Aus drohen. Nach der neuesten Ansage der Europäischen Fussball-Union (Uefa) stehen grosse Fragezeichen hinter der Austragung von EM-Partien in der bayerischen Metropole. «Jeder Ausrichter muss garantieren, dass Fans zu den Spielen dürfen», sagte Uefa-Präsident Aleksander Ceferin am Mittwoch gegenüber kroatischen Medien:

«Wir haben mehrere Szenarien. Aber die Option, dass irgendein Spiel der EM ohne Fans ausgetragen wird, ist definitiv vom Tisch.»

Die zwölf Ausrichterstädte (München, Amsterdam, Baku, Bilbao, Budapest, Bukarest, Dublin, Glasgow, Kopenhagen, Rom, St. Petersburg und London) müssen sich bis zum 7. April bei der UEFA hinsichtlich der Zuschauerfrage erklären. Die Entscheidung über das Format der Endrunde (11. Juni bis 11. Juli) wird wohl frühestens beim UEFA-Kongress am 20. April fallen. Laut der offiziellen Sprachregelung der Stadt München ist ein Rückzug «kein Thema».

In Grossbritannien sind die Impfungen schon weit fortgeschritten

«Die ideale Variante ist, in allen zwölf Ländern zu spielen. Aber es ist möglich, dass das Turnier in zehn oder elf Ländern gespielt wird, wenn einige Länder die Bedingungen nicht erfüllen», sagte Ceferin über die EM, die am 17. März 2020 aufgrund der Corona-Pandemie um ein Jahr verschoben worden war.

Zuletzt wurde in verschiedenen Medien immer wieder darüber spekuliert, welche Städte gestrichen werden könnten. Dabei ging es meist um Baku, Dublin, Bilbao und Glasgow. Zudem halten sich die Gerüchte, wonach ein Grossteil der Partien in Grossbritannien stattfinden soll. Diese Vermutung ist naheliegend, weil auf der Insel die Impfungen schon weit fortgeschritten sind - was Zuschauer in den Stadien ermöglichen könnte.

Aleksander Ceferin hält es für möglich, die EM statt in zwölf auch nur in zehn oder elf Ländern auszutragen.

Aleksander Ceferin hält es für möglich, die EM statt in zwölf auch nur in zehn oder elf Ländern auszutragen.

Leo Duperrex / KEYSTONE

Nach den ursprünglichen Uefa-Plänen sollen in München die Gruppenspiele der deutschen Nationalmannschaft gegen Frankreich (15. Juni), Portugal (19. Juni) und Ungarn (23. Juni) sowie ein Viertelfinale ausgetragen werden. Die Münchner Organisatoren haben nach Informationen des Sport-Informations-Dienstes SID am Mittwochvormittag aufgrund der Ceferin-Äusserungen eine Sitzung einberufen. Schliesslich sind in München wie in ganz Deutschland derzeit keine Zuschauer in den Fussballstadien zugelassen.

Entsprechend irritiert von den Ceferin-Aussagen zeigte sich Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter: «Es ist zum jetzigen Zeitpunkt schlicht nicht möglich, eine Aussage darüber zu treffen, ob es das Infektionsgeschehen der Corona-Pandemie zulässt, im Juni Zuschauer zuzulassen oder nicht.»

«Klar ist aber, dass Veranstaltungen dieser Art mit Zuschauern nach den aktuellen Vorschriften nicht erlaubt sind.»

Letztlich geht es der Uefa wohl ums Geld

Um die Auflage der Uefa zu erfüllen, bräuchte es wohl eine Sonderreglung vonseiten der Politik. Ob eine solche «Extrawurst» Akzeptanz in der Bevölkerung finden würde, darf angesichts stetig steigender Fallzahlen und weitaus drängenderer Probleme bezweifelt werden.

Um was es der Uefa bei ihren Plänen geht, ist ein offenes Geheimnis. Der Verband hatte vor der Pandemie mit rund zwei Milliarden Euro Einnahmen durch die EM gerechnet. Der Ticketverkauf macht bei dieser Kalkulation fast ein Viertel der Erlöse aus.