Fussball-EM
«Das hätte ich mir nie träumen lassen»: Christian Fassnacht stolz und demütig

Durch zwei Ballgewinne leitete der YB-Mittelfeldspieler die dramatische Wende gegen Frankreich ein – bei seiner EM-Premiere. Vor dem Viertelfinal gegen Spanien lässt er die Ereignisse Revue passieren und wagt einen optimistischen Vorausblick.

Dan Urner
Merken
Drucken
Teilen
Christian Fassnacht (r.) wurde beim Triumph über Frankreich eingewechselt – und erlebte eine «ganz spezielle» EM-Premiere.

Christian Fassnacht (r.) wurde beim Triumph über Frankreich eingewechselt – und erlebte eine «ganz spezielle» EM-Premiere.

Freshfocus

Christian Fassnacht richtet den Blick schon wieder nach vorn. Man müsse die Emotionen beiseite lassen, sich auf das nächste Spiel konzentrieren, sagt der 27-jährige Nati-Star keine 48 Stunden nach dem Husarenstreich seiner Mannschaft. Aber er lässt verlauten, das Spiel gegen Frankreich sei «etwas ganz Spezielles» gewesen. Zumal der unverhoffte Triumph gegen den amtierenden Weltmeister zugleich die EM-Premiere des Mittelfeldspielers der Berner Young Boys darstellte.

Fassnacht, in der 79. Spielminute eingewechselt, nahm gegen die Franzosen sofort eine Schlüsselrolle ein. Mit zwei Balleroberungen leitete er die Tore zum 2:3 und 3:3 aus Schweizer Sicht ein. Als «eine schöne Erinnerung für mich» beschreibt er die Szenen rückblickend. «Ich wusste, was ich auf den Platz bringen wollte. Ich wollte der Mannschaft einfach helfen, gegenhalten und in die Zweikämpfe gehen.»

YB-Meistertitel 2018 mit noch höherem Stellenwert

Fassnacht gibt sich demonstrativ demütig. Er verspüre eine gewisse Dankbarkeit: «Ich war schon froh, dass es zum Profifussballer gereicht hat.» 2015 war der gebürtige Thalwiler zum FC Winterthur in die Challenge League gekommen. Nach einem Jahr beim FC Thun folgte 2017 der nächste Schritt mit dem Wechsel zu den Young Boys, mit denen er auf Anhieb den ersten Schweizer Meistertitel nach 32-jähriger Durststrecke feierte – ein Erlebnis, das er im Nachgang persönlich noch höher einschätzt als sein EM-Debüt mit dem Sieg über Frankreich.

Und doch hat ihn der neuerliche Triumph nicht kalt gelassen. Er selbst habe nach dem Spiel einen Moment für sich gebraucht und «die eine oder andere Träne verdrückt». «Es ist unglaublich, was wir erreicht haben. Wir konnten den Leuten auch mal etwas zurückgeben», sagt Christian Fassnacht – nicht überschwänglich, aber auch nicht ohne Stolz. «Dass ich jetzt an einer EM dabei bin für die Nati und dann noch einen solch historischen Erfolg feiern durfte, hätte ich mir nie träumen lassen.»

«Wir müssen uns nicht verstecken»

Das Spiel gegen Spanien werde für die Nati nun «extrem schwierig». Als Schlüssel, um die ballbesitzorientierten Iberer zu knacken, macht Fassnacht eine sichere Defensive und ein gutes Umschaltspiel aus. «Wir müssen sicherlich top organisiert sein.»

Dass Granit Xhaka gesperrt fehlt, sei ein Verlust: «Wir müssen als Mannschaft noch enger zusammenrücken.» Man müsse sich keineswegs verstecken. Zumal: Das letzte Aufeinandertreffen beider Teams an einem grossen Turnier dürfte der Schweiz noch in bester Erinnerung sein. In der Gruppenphase der WM 2010 setzte sich die Nati wider Erwarten mit 1:0 gegen den späteren Weltmeister Spanien durch.