Fussball-Beben
Messi, Ronaldo und Mbappé: Ein Transfer-Wahnsinn jagt den nächsten

Nach dem Transfer-Hammer von Lionel Messi verabschiedet sich Cristiano Ronaldo bei Juventus. Kylian Mbappé soll vor einer Real-Verpflichtung stehen. Die Ereignisse überstürzen sich diesen Sommer.

Gabriel Vilares
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Cristiano Ronaldo, Lionel Messi und Kylian Mbappé (v.l.) wirbeln den Transfermarkt diesen Sommer kräftig durcheinander.

Cristiano Ronaldo, Lionel Messi und Kylian Mbappé (v.l.) wirbeln den Transfermarkt diesen Sommer kräftig durcheinander.

Bilder: Keystone / Montage: CHM

Haben die Corona-Pandemie und deren wirtschaftliche Folgen einen grossen Bogen um den Weltfussball gemacht? Diesen Eindruck gewinnt, wer versucht, den jüngsten Ereignisse im europäischen Transfer-Sommer zu folgen. Es bahnt sich ein Transfer-Wahnsinn an, den man so schnell wohl nicht mehr vergessen wird. Der Profi-Fussball macht damit exakt dort weiter, wo er vor der Pandemie aufgehört hat. Nicht auszumalen, welche Potenzierung die gescheiterte europäische Super League mit ihren zwölf Vereinen tatsächlich mit sich gebracht hätte.

Das erste Fussball-Beben löste der sechsmalige Weltfussballer des Jahres Lionel Messi aus. Nach 21 Jahren endete die Ära des «Zauberflohs» beim FC Barcelona. Ein Schock für jeden Fussballromantiker. Aufgrund des spanischen Financial Fairplay konnte Messi trotz geplanter Lohneinbusse von 50 Prozent bei den Katalanen nicht verlängern.

Die Tränen waren bei Lionel Messi nach dem Abschied in Barcelona allerdings rasch getrocknet.

Die Tränen waren bei Lionel Messi nach dem Abschied in Barcelona allerdings rasch getrocknet.

Keystone

Nach tränenreichem Abschied folgte wenige Tage später die Vorstellung im PSG-Dress. Ganz Paris stand Kopf. Obwohl der 34-jährige Argentinier ablösefrei zu haben war, kam die Franzosen der Transfer-Hammer teuer zu stehen. Gemäss Medienberichten soll er für seinen Zweijahresvertrag ein Handgeld von 40 Millionen Euro kassiert haben. Hinzu kommt ein kolportiertes Jahresgehalt in der Höhe von 41 Millionen.

Cristiano Ronaldo wechselt zu ManU

Am Freitagabend steht bereits der nächste Mega-Transfer fest. Der fünfmalige Weltfussballer des Jahres, Cristiano Ronaldo, wechselt in die Premier League zum 20-fachen englischen Meister Manchester United. Die Rückkehr des 36-jährigen Portugiesen, der bereits von 2003 bis 2009 bei den «Red Devils» anheuerte, perfekt. Die Ablösesumme dürfte sich auf rund 30 Millionen belaufen.

Am Freitagvormittag war bekannt geworden, dass der 36-Jährige trotz eines bis 2022 gültigen Vertrags die Turiner nach drei Saisons verlassen wolle. Seinen Abgang bestätigte Juve-Coach Massimiliano Allegri am Freitagmittag an einer Pressekonferenz: «Ich habe mit Cristiano gesprochen. Er hat mir gesagt, dass er nicht bei Juventus bleiben will.»

Ronaldo hat gegen Udinese wohl sein letztes Spiel im Juve-Trikot bestritten.

Ronaldo hat gegen Udinese wohl sein letztes Spiel im Juve-Trikot bestritten.

Keystone

Trotzdem kommt die Rückkehr ins Old Trafford eher überraschend. Der amtierende englische Meister und Stadtrivale Manchester City galt als Favorit für den Transfer-Poker. Doch das Herz von Ronaldo entschied sich wohl für seine alte Liebe. Auch Trainerlegende Sir Alex Ferguson soll laut «Manchester Evening News» bei der Realisierung des Geschäfts mitgeholfen haben.

Wird Mbappé zum teuersten Transfer dieses Sommers? Für 222 Millionen verabschiedete sich sich Teamkollege Neymar 2017 von Barça zu PSG – Rekord!

Wird Mbappé zum teuersten Transfer dieses Sommers? Für 222 Millionen verabschiedete sich sich Teamkollege Neymar 2017 von Barça zu PSG – Rekord!

Keystone

Mit Kylian Mbappé könnte nun bald der nächste grosse Star des Weltfussballs einen Vereinswechsel vornehmen. Real Madrid hat gemäss dem britischen Sender «Sky Sports» für den 22-jährigen Franzosen ein Angebot von 170 Millionen plus 10 Millionen Boni bei Paris St. Germain hinterlegt. Eine unglaubliche Summe, wenn man bedenkt, dass der Stürmer bei PSG nur noch einen Vertrag über ein Jahr besitzt.

Ergänzungsspieler ist bisher der teuerste Transfer

Wie locker das Geld derzeit im Fussball gerade sitzt, haben auch verschiedene andere Transfers in diesem Sommer bereits bewiesen. Jack Grealish, Ergänzungsspieler der englischen Nationalmannschaft, wechselte für 117,5 Millionen Euro von Aston Villa zu Manchester City. Chelsea schnappte sich Romelu Lukaku für 115 Millionen, Manchester United Jadon Sancho für 85 Millionen und PSG Achraf Hakimi für 60 Millionen.

Jack Grealish wechselte von Aston Villa zu Manchester City für 117,5 Millionen Euro.

Jack Grealish wechselte von Aston Villa zu Manchester City für 117,5 Millionen Euro.

Keystone

Um solche schwindelerregende Summen zu unterbinden und eine Zusammenstellung einer Weltauswahl zu verhindern, wurde 2010 das sogenannte Financial Fairplay eingeführt. Laut diesem dürfen in einem Zeitraum von drei Jahren die Ausgaben nicht die Einnahmen übersteigen, maximal kann hierbei durch einen Investor ein Defizit von 30 Millionen Euro ausgeglichen werden. Doch ernsthafte Strafen bei Verstössen gab es bisher nur selten, die Champions-League-Sperre gegen Manchester City wurde beispielsweise 2020 durch den Internationalen Sportgerichtshof CAS gekippt. Bei der Uefa überdenke man nun die Regel, heisst es.

Der Profi-Fussball gibt derzeit ein ambivalentes Bild ab. Natürlich ist eine pauschale Verurteilung falsch. Es gibt sie, die Ligen wie beispielsweise die Bundesliga, die aus der Not heraus vernünftig wirtschaften müssen. Doch die Strahlkraft der Grossen lässt die Kleinen manchmal unsichtbar wirken. Ein vorübergehendes Ende des wahnsinnigen Transfersommers ist allerdings in Sicht. Am 31. August schliesst das Transferfenster in den grossen europäischen Ligen.

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