Heim-Europameisterschaft 2025?
Die Schweiz liebäugelt mit einer Bewerbung: «Eine EM wäre eine riesige Chance für den Frauenfussball»

Der Schweizer Fussballverband SFV plant eine Bewerbung für die Ausrichtung der Frauen-Europameisterschaft 2025 in der Schweiz. Tatjana Haenni spricht über den steinigen Weg, die Finanzierung und die Chance für den Frauenfussball.

Simon Wespi
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Kämpft für eine Frauen-EM in der Schweiz: SFV-Direktorin Tatjana Haenni.

Kämpft für eine Frauen-EM in der Schweiz: SFV-Direktorin Tatjana Haenni.

Keystone

Die Schweizer Frauennationalmannschaft spielt im nächsten Sommer im Konzert der ganz Grossen mit. Im Juli trifft sie an der Europameisterschaft in England auf den Titelverteidiger aus den Niederlanden, auf den Olympia-Zweiten aus Schweden sowie auf die Russinnen. Dies ergab die Auslosung am Donnerstag in Manchester.

Eine Heim-Europameisterschaft, dieser Traum verfolgt nun auch der Schweizerische Fussballverband. Der SFV hat bei der Uefa das Interesse an der Ausrichtung der EM 2025 kundgetan, dies gab der Verband am Freitag bekannt. «Eine Fussball-EM in der Schweiz wäre eine riesige Chance für den Frauenfussball», sagt Tatjana Haenni, Direktorin des Frauenfussballs beim SFV.

«Alle am gleichen Strick ziehen»

Für die Schweiz beginnt nun ein Bewerbungsprozess, dessen Aufwand in noch kaum vorstellbarer Dimension liegt, so Haenni. «Dieser Event kommt nur zu Stande, wenn alle am gleichen Strick ziehen», betont sie. «Die Wirtschaft, die Fussballclubs, die Kantone, die Politik und letztlich die Medien, alle Partner benötig es, um diesen Grossanlass zu stemmen.»

Der Verband analysiert nun mit allen Partnern die Machbarkeit dieses Events. Die formelle Eingabe muss der SFV bis im März 2022 und die finale Kandidatur bis im Oktober 2022 eingeben.

Aktuell gehen die Überlegungen dahin, die EM als alleiniger Gastgeber auszutragen. Lose Gespräche mit weiteren Bewerbern hätten zwar stattgefunden und der Verband sei auch offen für Gespräche, «jedoch sind wir der Meinung, ein solch grosses Fussball-Turnier selbst organisieren zu können», so Haenni. Polen und eine nordische Kombination haben ebenfalls Interesse an der EM bekundet.

Angestachelt vom Draw-Event in Manchester sagt Tatjana Haenni. «Zu sehen, was die Euro 2022 in England für den Frauenfussball bedeutet, hat uns nochmal in der Absicht bestärkt, die Endrunde in die Schweiz zu holen.» Dass der Frauenfussball auf dem gesamten Kontinent nicht mehr unter dem Radar läuft, sei zwar keine neue Erkenntnis, doch die Auslosung habe sie beeindruckt: «Die Positionierung dieses Events war auf allerhöchstem Niveau.» Damit spricht sie die Aufmachung an, mit Show, Musik, anwesender Prominenz und die grosse mediale Abdeckung.

Erfolgreich unterwegs in der WM-Qualifikation: Die Frauen-Nationalmannschaft.

Erfolgreich unterwegs in der WM-Qualifikation: Die Frauen-Nationalmannschaft.

Keystone

Doch was konkret springt bei einer Ausrichtung der Europameisterschaft in der Schweiz für den Frauenfussball heraus? «Der Fokus würde für die nächsten drei Jahre diesem Turnier gelten. Ein grosses Projekt mit grosser Strahlkraft auch für Politik und Wirtschaft. Viele würden sich zwangsläufig mit dem Frauenfussball auseinandersetzen», ist Haenni überzeugt und damit auch die damit verbundenen Wachstumsmöglichkeiten erkennen. «Dies würde unserer strategischen Ausrichtung des Frauenfussballs, welche wir uns auf die Fahne geschrieben haben, Rechnung tragen.»

Acht Fussballstadien mit Naturrasen

Viele Fragen gilt es fortan zu klären. Fakt ist, alle grossen Schweizer Fussballvereine müssten hinter dieser Bewerbung stehen. «Wir benötigen acht Fussballstadien mit Naturrasen und dies mit einer Kapazität von 15.000 bis 30.000 Zuschauern», so die 54-Jährige. Heisst: Im Berner Wankdorf müsste beispielsweise vorübergehend ein Naturrasen verlegt werden.

Aus rein finanzieller Sicht wäre dieser Gross-Anlass für den Verband eine Null-Rechnung, erklärt Haenni. Das exakte Finanzierungsmodell sei noch nicht bekannt. «Jedoch sprechen wir hier von einem Investment.» Erst Jahre danach seien Lorbeeren zu ernten. «Selbst wenn der Anlass dem Verband keinen finanziellen Reingewinn einbringen sollte, sind Nutzen und Mehrwert sportlich und gesellschaftspolitisch gross: beispielsweise in Bezug auf Wachstum der Anzahl Spielerinnen oder im Bestreben für mehr Frauen im Fussball, wie etwa mehr Trainer- oder Schiedsrichterinnen», hält die Direktorin fest.

Eine Austragung des Fussball-Events wäre nicht zuletzt all den Mädchen und Frauen hierzulande gegönnt. Und: 55 Jahre Frauenfussball – ein Jubiläum mit einer Heim-EM krönen, das wärs doch. Der Samen ist gelegt.

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