Ehemaliger Nati-Coach
Trotz Petkovic-Fehlstart in Bordeaux: Von Unruhe keine Spur

Der Saisonbeginn bei Girondins Bordeaux ist für den Ex-Nati-Trainer Vladimir Petkovic alles andere als wunschgemäss verlaufen. Doch intern bleibt man trotz schwacher Ergebnisse gelassen.

Dan Urner
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Der ehemalige Trainer der Schweizer Nationalmannschaft Vladimir Petkovic wartet mit seinem neuen Team Girondins Bordeaux weiter auf den ersten Sieg.

Der ehemalige Trainer der Schweizer Nationalmannschaft Vladimir Petkovic wartet mit seinem neuen Team Girondins Bordeaux weiter auf den ersten Sieg.

Keystone

Eine neue Herausforderung hatte Vladimir Petkovic gesucht, als er sich im Sommer nach sieben Jahren als Nati-Trainer verabschiedete und zu Girondins Bordeaux in die Ligue 1 wechselte. Nach vier höchst durchwachsenen Spieltagen lässt sich konstatieren: Diese neue Aufgabe im Südwesten Frankreichs erweist sich in der Tat als äusserst herausfordernd.

Die Zahlen lesen sich ernüchternd. Petkovic wartet mit seinen Mannen weiter auf den ersten Vollerfolg, erst magere zwei Punkte stehen nach vier Runden zu Buche. Zuletzt ging sein Team, derzeit auf dem vorletzten Rang klassiert, 0:4 beim OGC Nizza baden. Nizza habe den «Umfang der Baustelle in Erinnerung gerufen», analysierte die Regionalzeitung «Sud Ouest» nach der Partie. «France Bleu» fällte ein deutliches Urteil: Nizza sei in allen Belangen besser gewesen, «körperlich, technisch, taktisch». Petkovic selbst ärgerte sich über «zu viele einfache Ballverluste».

Qualitativ ungenügendes Kader

Dass sich die sportliche Lage bis anhin als ausgesprochen misslich darstellt, entspringt offenbar nicht allein dem Wirken des Coachs. Der französische Meister von 2009 ist längst kein Spitzenteam mehr. Zuletzt krebste die Mannschaft stets im unteren Tabellenmittelfeld herum. Der langjährige Fussballtrainer Gilbert Gress befand unlängst im Gespräch mit dem «Blick», dem Kader der Girondins fehle es schlicht an Qualität. «Das Team ist zu schlecht.»

Dafür spricht auch der beachtenswerte Umstand, dass Bordeaux seit 2018 bereits sieben verschiedene Übungsleiter beschäftigte, zumeist mit bescheidenem Erfolg. Die vergangene Saison schloss der sechsmalige französische Titelträger auf Position zwölf ab.

Präsident Lopez macht «keinen Stress»

Auch Club-Präsident Gérard Lopez sieht beim Blick auf das Kader noch Handlungsbedarf. Man suche noch einen robusten Mittelstürmer, «der den Ball halten kann»; ferner steht ein zusätzlicher Innenverteidiger auf der Wunschliste, wie er im Interview mit «Sud Ouest» verriet.

Unruhe scheint intern jedoch keine ausgebrochen zu sein. Seine Botschaft sei: «kein Stress», so Lopez. Gleichwohl verhehlt er nicht, dass Arbeit vor der Mannschaft liege, «damit sich die Spieler in dem System zurechtfinden, das für sie vorgesehen ist». Zudem sei man mit der körperlichen Vorbereitung in Rückstand. Petkovic lässt in Bordeaux wie in der Nati mit einer variablen Dreier-/Fünferkette agieren.

Wagt man einen Blick abseits der nackten Zahlen, lassen die Leistungen der Girondins durchaus auch vielversprechende Ansätze durchblicken. Nach dem beachtlichen 2:2 nach 0:2-Rückstand in Marseille vor gut zwei Wochen beobachtete «France Bleu», der Petkovic-Spielstil nehme Formen an. «Die Spieler halten sich immer besser an die Vorgaben von ‹Dr. Petkovic›, wie er genannt wird», bilanzierte der Radiosender und nahm dabei auf das hohe Pressing Bezug, auf das der langjährige Nati-Coach einen hohen Wert legt.

Willkommene Länderspielpause

Dass der Spielplan nun eine Länderspielpause vorsieht, kommt Vladimir Petkovic und seinem Team gut zupass. Der 58-Jährige will die Zeit nutzen, um im Anschluss «bei Null anzufangen und eine erfolgreiche Dynamik zu beginnen». Am besten schon beim kommenden Heimspiel gegen den RC Lens.

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