Edeljoker
Dank Mario Gavranovic in die Verlängerung: «Das wichtigste Tor meiner Karriere»

Edeljoker Mario Gavranovic schiesst die Schweiz gegen Frankreich in der 90. Minute in die Verlängerung. Nach einer kurzen Nacht spricht der Tessiner über seinen Treffer.

Gabriel Vilares
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Mario Gavranovic hat den Durchblick. Der Stürmer jubelt über den 3:3-Ausgleichstreffer.

Mario Gavranovic hat den Durchblick. Der Stürmer jubelt über den 3:3-Ausgleichstreffer.

Justin Setterfield / AFP

Die Nacht nach dem sensationellen Erfolg über Frankreich und dem historischen Viertelfinal-Einzug ist kurz. Dennoch hat Mario Gavranovic kurz vor dem Abflug nach St. Petersburg allen Grund zum Strahlen. Der 31-jährige Stürmer ermöglicht mit seinem Treffer in der 90. Minute erst überhaupt die Verlängerung: «Das war eindeutig der wichtigste Treffer meiner Karriere. Vielleicht war es gar auch einer der wichtigsten der Schweizer Fussballgeschichte.»

Es sei nicht einfach zu erklären, was danach alles in ihm vorgefallen sei. «Die Emotionen waren so schön und stark. Ich wusste in diesem Moment noch nicht, wie wichtig das Tor für die Fussballschweiz war. Ich habe es erst heute Morgen wirklich realisiert.» Der Tessiner sei im Bett so aufgewühlt gewesen, dass er nicht habe einschlafen können und deswegen noch müde sei.

Mario Gavranovic verwandelt den ersten Penalty im Elfmeterschiessen souverän.

Mario Gavranovic verwandelt den ersten Penalty im Elfmeterschiessen souverän.

Keystone

Der Spieler vom kroatischen Meister, Dinamo Zagreb, ist auch zum ersten Penalty im Elfmeterschiessen angelaufen und hat diesen souverän verwandelt: «Der Trainer hat gefragt, wer sich gut fühlt. Ich habe sofort gesagt, dass ich als erster ran will.» Mit voller Konzentration und Selbstbewusstsein sei er angetreten. An die vergangenen Elfmeterschiessen, wie beispielsweise gegen Ukraine 2006 oder Polen 2016, habe er zu keinem Zeitpunkt gedacht.

Gavranovic und seine Rolle als Joker

An dieser Euro hat Gavranovic schon dreimal getroffen. Zwei Tore wurden aufgrund einer Abseitsstellung aberkannt. Er erfüllt die Rolle des Jokers perfekt, es sei jedoch nicht immer so einfach, gleich im Spiel zu sein: «Ich versuche immer bereit zu sein. Auch im Kopf. Ein Spieler muss jederzeit mit einem Einsatz rechnen. Man weiss nie, wann man in welchem Spiel zum Zug kommt.»

Auf den Viertelfinal-Gegner Spanien angesprochen, meint Mario Gavranovic: «Wir werden dieses Spiel mit viel Selbstbewusstsein bestreiten. Wir haben schliesslich den Weltmeister eliminiert. Wir hoffen auf viele weitere wichtige Tore. Natürlich sind wir sehr stolz, die Geschichte ist aber noch nicht fertiggeschrieben.»

Pierluigi Tami und sein süsses Erwachen

Auch Nati-Direktor Pierluigi Tami habe am Dienstagmorgen ein «süsses» Erwachen gehabt: «Dank Social Media haben wir mitgekriegt, was in der Schweiz nach dem Spiel alles los war. Auch die Spieler haben sich das angesehen. Tolle Bilder!»

Die Nati habe nicht nur mit Leidenschaft und Solidarität diesen Sieg errungen, man habe auch fussballerisch überzeugt. Der 59-Jährige möchte besonders die Mentalität der Spieler beim Elfmeterschiessen hervorheben: «Im Training kann man die Elfer oft üben, das haben wir auch gemacht. Aber im Spiel mit den ganzen Emotionen ist es eine komplett andere Sache.»

Pierluigi Tami lässt sich 2011 als U21-Vize.Europameister feiern. Im Halbfinal-Spiel gegen Tschechien habe Granit Xhaka auch wegen einer Sperre gefehlt.

Pierluigi Tami lässt sich 2011 als U21-Vize.Europameister feiern. Im Halbfinal-Spiel gegen Tschechien habe Granit Xhaka auch wegen einer Sperre gefehlt.

Keystone

Gegen Spanien fehlt der Nati-Captain Granit Xhaka aufgrund einer Gelbsperre. Tami erinnert sich an den U21-Halbfinal 2011 in Dänemark gegen Tschechien, als er das Team an der Seitenlinie coachte: «Auch damals hat Granit wegen einer Sperre gefehlt. Und dort haben wir gewonnen. Natürlich hat er gegen Frankreich ein grossartiges Spiel abgeliefert, aber nun müssen andere in die Bresche springen. Für denjenigen, der ihn ersetzen darf, ist es eine grosse Chance.»