Rückrunden-Start
Darum ist die Challenge League die spannendste Liga Europas

Die zweithöchste Schweizer Spielklasse startet am Freitag in die Rückrunde. Das Aufstiegsrennen ist offener denn je. Die Lage der Liga im Überblick.

Gabriel Vilares und Dan Urner
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Der FC Vaduz (rotes Trikot) und der FC Aarau belegen vor dem Start der Rückrunde die beiden Spitzenplätze.

Der FC Vaduz (rotes Trikot) und der FC Aarau belegen vor dem Start der Rückrunde die beiden Spitzenplätze.

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Spannend, spannender, Challenge League. So plakativ dieser Ausspruch auch sein mag: Er vermag die Gemengelage in der zweithöchsten Schweizer Fussball-Liga durchaus akkurat zu resümieren. Denn die ersten neun Teams trennen gerade einmal neun Zähler. Bis auf die Abstiegsentscheidung – dass der abgeschlagene SC Kriens noch zu einer beeindruckenden Aufholjagd ansetzt, scheint nur mit viel Fantasie denkbar – ist mithin noch alles offen. Wir haben vor dem Start der Rückrunde am Freitag einen kurzen Blick auf alle Teams geworfen.

Vaduz zuoberst

Angeführt wird das Halbzeit-Klassement vom FC Vaduz. Die Liechtensteiner, die im vergangenen Sommer nach nur einem Jahr aus der Super League abgestiegen waren, zogen im Dezember am FC Winterthur vorbei und thronen seither an der Spitze. Die unweigerlich aufkommenden Aufstiegshoffnungen erfuhren jüngst aber einen Dämpfer: Erfolgstrainer Mario Frick wechselte in der Winterpause zum FC Luzern und nahm Verteidiger Denis Simani in die Innerschweiz mit. Alessandro Mangiarratti will Vaduz nun zurück in die oberste Spielklasse führen.

Auf dem Barrage-Platz liegt derzeit der FC Aarau. Die Equipe von Stephan Keller stellt gemäss «Transfermarkt» mit 7,1 Millionen Euro die wertvollste Mannschaft der Liga. Doch nicht nur dieser Umstand macht die «Rüebliländer» zum Aufstiegskandidaten Nummer eins. Die Mannschaft ist zur Winterpause zusammengeblieben, musste keinen Abgang verkraften, konnte sich mit Innenverteidiger Aleksandar Cvetkovic (GC) und Stürmer Shkelqim Vladi (YB) punktuell verstärken. In den bisherigen 18 Partien musste FCA-Goalie Simon Enzler lediglich 20 Mal hinter sich greifen. Keine Mannschaft hat weniger Tore kassiert. Die Aarauer sind nach siebenjähriger Absenz heiss auf eine Rückkehr ins Oberhaus.

Hoffnungsträger auf der Trainerbank des FC Winterthur: Alexander Frei.

Hoffnungsträger auf der Trainerbank des FC Winterthur: Alexander Frei.

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Auf einer veritablen Erfolgswelle war lange Zeit auch der FC Winterthur gesurft, der die Tabelle insgesamt während acht Runden angeführt hatte. Doch fünf sieglose Auftritte am Stück bewogen die Vereinsverantwortlichen Anfang Dezember zur Trennung vom langjährigen Coach Ralf Loose. Sein Nachfolger darf als Hoffnungsträger bezeichnet werden: Kein Geringerer als Alexander Frei soll die Kantonszürcher erstmals seit 1985 in das Schweizer Fussball-Oberhaus führen. Der Nati-Rekordtorschütze war bis im Oktober noch Übungsleiter des FC Wil gewesen. Bei der Mission Aufstieg dürfte es derweil auch auf Roman Buess ankommen, der 29-jährige Stürmer führt die Torschützenliste aktuell mit zehn Treffern an.

Schaffhausen fängt sich nach Trainer-Chaos

Gross waren die Sorgenfalten, als Murat Yakin den FC Schaffhausen nach drei Runden in Richtung Nati verlassen hatte. Sein Bruder Hakan sollte ihn als Cheftrainer beerben, doch weil dieser nicht im Besitz einer Uefa-Pro-Lizenz ist, intervenierte die Liga. Die Munotstädter hatten mit Artim Shaqiri den neuen Übungsleiter bekannt gegeben, doch wegen Komplikationen bei der Beschaffung der Arbeitsbewilligung kam letztlich Martin Andermatt zum Handkuss. Nach der Konfusion lief es der Mannschaft nicht nach Wunsch. Nach der 12. Runde belegte man noch den drittletzten Rang, startete danach eine Aufholjagd und erbeutete 13 Punkte aus den letzten sechs Spielen.

Als wahrhaftiges Spiegelbild dieser spannenden Challenge-League-Saison mag der FC Thun dienen. Die Berner Oberländer oszillierten mitunter in kürzesten Zeiträumen zwischen den Tabellenrängen vier und acht – und zeigen damit auf, wie gering die Abstände zwischen den Mannschaften doch sind. Die Chancen auf eine Rückkehr in die Super League sind für das Team von Trainer Carlos Bernegger jedenfalls intakt, bloss vier Punkte trennen die auf Position fünf klassierten Thun vom Barrage-Platz zwei, sechs Zähler von der Tabellenspitze.

Keiner will Stade Lausanne-Ouchy sehen

441 Zuschauer wollten in der Hinrunde im Schnitt den FC Stade Lausanne-Ouchy (SLO) sehen. Bei keinem anderen Verein ist der Schnitt schlechter. Seitdem Lausanne-Sport im November 2020 ins neue Stadion gezogen ist, trägt SLO die Heimspiele auf der altehrwürdigen Pontaise aus. Viele Zu- und Abgänge machen eine Identifikation schwierig. Zudem stehen nirgends mehr Legionäre (16) im Kader als beim Lausanner Quartierklub. Dabei hätte das Team vom ehemaligen Barcelona-Kicker Meho Kodro mit einem vertikalen und direkten Spiel nach vorne durchaus attraktiven Fussball zu bieten. Das Potenzial deutete man in der 2. Runde des Schweizer Cups mit dem 4:0-Sieg über Sion an.

Zunächst schien es so, als sei der Yverdon-Sport FC in der Challenge League der Überforderung preisgegeben. Der Aufsteiger kassierte drei Niederlagen und neun Gegentore, Trainer Jean-Michel Aeby musste gehen. Sein Nachfolger Uli Forte stabilisierte die Equipe aber zusehends. Inzwischen stellen die Waadtländer gar das beste Heimteam der Liga. Ein Abstieg scheint – auch aufgrund der frappanten Schwäche des SC Kriens – nicht mehr möglich.

Wil wird mit dem Aufstieg nichts zu tun haben

«Der FC Wil und Alex Frei haben beschlossen, die Zusammenarbeit vorzeitig zu beenden. Unterschiedliche Vorstellungen zur strukturellen und sportlichen Ausrichtung führten zu diesem gemeinsamen Entscheid.» So lautete die Mitteilung der Ostschweizer im November. Das sagt bereits viel über die Ambitionen des Vereins aus. Der Nati-Rekordtorschütze vermisste wohl die Bereitschaft, alles für den Erfolg zu unternehmen. Der Cupsieger von 2004 hat die jüngste Mannschaft der Liga, mit 35 Toren die meisten erzielt, jedoch auch 35 eingefangen – die zweitmeisten Gegentreffer. Die St. Galler werden sich wohl früh aus dem Aufstiegsrennen verabschieden.

Zu Saisonbeginn hatte Xamax einigen Grund zum Jubel. Im späteren Verlauf der Hinrunde nicht mehr.

Zu Saisonbeginn hatte Xamax einigen Grund zum Jubel. Im späteren Verlauf der Hinrunde nicht mehr.

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Stark begonnen, aber noch stärker nachgelassen: Diese Sentenz fasst den Saisonverlauf von Neuchâtel Xamax recht treffend zusammen. Die Neuenburger waren fulminant mit 15 Punkten aus den ersten sieben Partien gestartet, doch danach lief nicht mehr viel zusammen – und das, obwohl Xamax gemäss «Transfermarkt»-Daten über das zweitwertvollste Kader der Liga verfügt. Zur Wende sollen nun zwei Mittelfeldtalente beitragen: Henri Koide wurde vom FC Zürich ausgeliehen, Yannick Marchand vom FC Basel.

Wenn Wunder nicht ausreichen

Wunder geschehen und im Fussball ist alles möglich. Doch stellen wir uns den Fakten und werfen einen Blick auf die Tabelle. Satte 18 Punkte beträgt der Rückstand des SC Kriens auf den 9. Platz – gleichbedeutend mit dem rettenden Ufer. Einen mickrigen Sieg verbuchten die Luzerner in der Hinrunde. Der seit Sommer vereinslose Cendrim Kameraj ist bisher der einzige Neuzugang ins Kleinfeld. Er und Coach René van Eck, der bis zuletzt mit feurigen Ansprachen seine Spieler einheizen wird, werden den Abstieg in die Promotion League nach vier Jahren nicht verhindern können.

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