Billie Jean King Cup
Entscheidender Sieg im Doppel: Schweizerinnen stehen im Halbfinal

Die Equipe von Captain Heinz Günthardt bezwingt favorisierte Tschechinnen mit 2:1. Im Doppel sorgen Belinda Bencic und Jil Teichmann für die Entscheidung. Nun wartet Australien.

Dan Urner
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Belinda Bencic gewann erst gegen die Weltranglistendritte Barbora Krejčíková, dann zusammen mit Jil Teichmann das entscheidende Doppel.

Belinda Bencic gewann erst gegen die Weltranglistendritte Barbora Krejčíková, dann zusammen mit Jil Teichmann das entscheidende Doppel.

Freshfocus

Der Traum vom ersten Titel lebt: Die Schweiz hat beim Billie Jean King Cup, dem ehemaligen Fed Cup, den Halbfinal erreicht. Die Tennisequipe von Captain Heinz Günthardt bezwang die favorisierten Tschechinnen in Prag mit 2:1. Nun spielen Belinda Bencic, Viktorija Golubic, Jil Teichmann und Stefanie Vögele gegen Australien um den Einzug in das Endspiel.

Golubic (WTA 45) hatte sich Markéta Vondroušová (WTA 35) in zwei Sätzen 4:6, 2:6 geschlagen geben müssen, ehe Bencic (WTA 17) die Schweizer Chancen mit einem eindrücklichen 7:6, 6:4-Sieg über die Weltnummer drei Barbora Krejčíková intakt hielt. Im abschliessenden Doppel siegten Bencic und Jil Teichmann gegen Kateřina Siniaková und Lucie Hradecká mit 6:3, 6:3.

Viktorija Golubic legte gegen Markéta Vondroušová einen entfesselten Start hin, zeigte eine grosse Variabilität in ihren Schlägen – und gewann direkt neun Punkte in Folge. Nach kurzer Anlaufzeit meldete sich die Tschechin aber flugs mit einem Rebreak zurück. Beide Spielerinnen agierten auf hohem Niveau, lieferten sich packende Ballwechsel. Das umkämpfte vierte Game ging über stolze zehn Minuten – mit dem besseren Ende für Golubic, die mit ihrem zweiten Break den Weg für den Satzerfolg zu ebnen schien.

Vondrousova dreht auf

Doch Vondroušová liess sich nicht abschütteln, nahm der Schweizerin eindrücklich den Aufschlag ab und stellte auf 4:4. Die Tschechin wirkte nunmehr deutlich selbstsicherer als zu Beginn, wartete mit einem zuverlässigen Service auf und legte mit einem abermaligen Break den Grundstein für den Gewinn des Startsatzes.

Viktorija Golubic begann überzeugend, war gegen eine beeindruckende Marketa Vondrousova am Ende aber machtlos.

Viktorija Golubic begann überzeugend, war gegen eine beeindruckende Marketa Vondrousova am Ende aber machtlos.

Keystone

Golubic kam auch im zweiten Abschnitt nicht mehr zu ihren Rhythmus, die Zürcherin dürfte sich bisweilen im falschen Film gewähnt haben. Ihre Gegnerin, für die der Auftritt zeitweilig zu einem besseren Trainingsspiel verkam, zeigte sich fast erschreckend abgeklärt und souverän. Die 22-Jährige beging beinahe keine Fehler mehr – und gewann satzübergreifend neun Games hintereinander. Mit dem zweiten Matchball machte Vondroušová den verdienten Zwei-Satz-Sieg perfekt.

Bencic gewinnt Achterbahnfahrt gegen Krejčíková

Belinda Bencic stand gegen Barbora Krejčíková nach der Auftaktpleite ihrer Teamkollegin schon gehörig unter Zugzwang, hielt dem Druck zunächst aber eindrucksvoll stand. Erst brachte die Ostschweizerin ihren Service – wenn auch mit etwas Mühe – durch, dann gelang ihr sogleich das erste Break der Partie, das sie prompt bestätigte. Das Doppelbreak vereitelte die Tschechin knapp, später hauchte sie dem Satz durch ein eigenes Break wieder Spannung ein – bitter für Bencic, die den Satzgewinn den eigenen Satzgewinn hätte finalisieren können. Doppelt ärgerlich: Im darauffolgenden Game bot sich ihr ein Satzball, die 24-Jährige verpasste und musste stattdessen das 5:5 hinnehmen.

Das Momentum sprach nun längst nicht mehr für die Schweizer Olympiasiegerin, Krejčíková spielte selbstbewusst auf. Umso eindrücklicher, dass Bencic im Tie-Break plötzlich zu ihrer anfänglichen Stärke zurückfand. Sie schnappte sich durch ein beachtliches 7:2 den ersten Satz.

Ihr zehnter Sieg im elften Tie-Break in diesem Jahr schien bei Bencic kurzfristig grosse Kräfte freizusetzen: Die St. Gallerin wehrte zunächst zwei Spielbälle ab, um ihre erste Breakchance im Anschluss postwendend zu verwerten. Doch Krejčíková zeigte sich unbeeindruckt und beraubte die Schweizerin mit einem Re-Break direkt ihres Vorteils. Mit einem schier unmöglichen Longline, fast im Fallen, stellte Bencic später ihr zweites Break zum 4:3 sicher. Von der Siegerstrasse kam sie nun nicht mehr ab, sie verwandelte – fast untypisch für dieses achterbahnfahrtähnliche Match – gleich den ersten Matchball.

Bencic und Teichmann entzaubern die Tschechinnen

Jil Teichmann (l.) und Belinda Bencic behielten im entscheidenden Doppel die Oberhand.

Jil Teichmann (l.) und Belinda Bencic behielten im entscheidenden Doppel die Oberhand.

Keystone

Im entscheidenden Doppel gingen Belinda Bencic und Jil Teichmann unmittelbar mit einem Break in Führung, weil der bereits 36-jährigen Lucie Hradecká zwei Doppelfehler unterliefen. Ohnehin gehörte der erste Satz klar den Schweizerinnen, die mit einer konzentrierten und entschlossenen Darbietung aufwarteten und die eigentlich favorisierten Tschechinnen nicht zur Entfaltung kommen liessen. Mit einem zweiten Break machten Bencic und Teichmann den Satzgewinn perfekt.

Der zweite Abschnitt verlief recht ausgeglichen, beide Duos leisteten sich keine Patzer – bis zum neunten Game. Dann brachten bärenstarke Schweizerinnen die Prager Halle mit dem entscheidenden Break zum Schweigen. Bei eigenem Service setzten Teichmann und Bencic den Schlusspunkt.

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