Afrika-Cup
Kollektive Ladehemmung: Der Afrika-Cup verkommt zum Langweiler

Beim Kontinentalturnier in Kamerun bekommt das Publikum bislang nur wenig Spektakel zu sehen. Auch die Stars kommen nicht recht in Fahrt.

Dan Urner
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Der Ägypter Mohamed Salah wartet, wie sein Team, noch auf seinen ersten Treffer beim Afrika-Cup.

Der Ägypter Mohamed Salah wartet, wie sein Team, noch auf seinen ersten Treffer beim Afrika-Cup.

Keystone

0:0. Die Partie zwischen Senegal und Guinea endete am Freitag mit dem wohl missliebigsten aller Fussball-Resultate. Und steht sinnbildlich für ein Turnier, an dem sich torarme Begegnungen allmählich zum Regelfall mausern. Gerade einmal 23 Tore durfte das Publikum in den ersten 17 Spielen des Afrika-Cups bejubeln, pro Partie ergibt sich ein desaströser Schnitt von 1,35 Toren.

Generell haben sich an afrikanischen Kontinentalturnieren bei seinen zurückliegenden Ausgaben nur höchst selten Offensivfeuerwerke zugetragen. Schon beim letzten Afrika-Cup 2019 in Ägypten war die Marke von zwei Toren pro Partie unterschritten worden (1,96). Der momentanen Statistik – wenngleich sie als schlichte Momentaufnahme zu betrachten ist – wohnen dennoch historische Ausmasse inne. Bloss einmal, 1988 in Marokko, lag der Wert noch niedriger (1,18). Zum Vergleich: An der Europameisterschaft im vergangenen Jahr fielen 2,78 Treffer pro Match.

Ein Blick auf die genauen Ergebnisse macht das Ausmass der Langeweile deutlich: 13 der 17 Spiele endeten entweder 0:0 oder 1:0. Das Team, dem der Führungstreffer gelingt, darf sich also bereits füglich als Sieger wähnen. Würde sich Gastgeber Kamerun zudem nicht als überaus torhungrig erweisen – die Westafrikaner netzten in ihren beiden Begegnungen zum Auftakt insgesamt sechsmal ein –, sähe die Bilanz noch ungleich düsterer aus.

Die Stars enttäuschen

Die kollektive Ladehemmung mutet durchaus wundersam an, erscheinen die versierten Offensivstars, die am Turnier teilnehmen, doch wie Garanten für Spektakel und Unterhaltung. Mohamed Salah vom FC Liverpool blieb beim Auftaktmatch seiner Ägypter gegen Nigeria (0:1) allerdings ohne Treffer. Der Senegalese Sadio Mané, der im Berufsalltag sein Geld ebenfalls bei den «Reds» verdient, erzielte immerhin einen Treffer in zwei Partien, allerdings per Penalty – es war wohlgemerkt das bisher einzige Tor seines Teams. Der Ivorer Sébastien Haller, sonst ein überaus verlässlicher Goalgetter bei Ajax Amsterdam, wartet unterdessen noch auf seinen Turnier-Premierentreffer.

Einen Erklärungsversuch der Torflaute wagte unlängst der langjährige Trainer Otto Pfister, der auch bei vielen afrikanischen Fussballverbänden tätig war. Der 84-jährige Deutsche, der im Kanton St. Gallen wohnhaft ist, attestierte den Stars gegenüber dem «Blick» fehlende Frische: «Viele von ihnen sind kurzfristig angereist, haben viele Spiele in den Beinen und sind müde.» Es fehle die Angewöhnungszeit für Spiele bei 32 Grad im Schatten. Nebst der aus seiner Sicht hohen Qualität der Torhüter gab Pfister ferner den auf den Mannschaften lastenden Druck zu bedenken; der Afrika-Cup sei für alle Legionäre eine «riesige Sache». «Man erwartet den Turniersieg. Egal ob in Gambia oder oder Ghana.»

Abwertstrend: Toreschnitt der letzten Afrika-Cups

2022 in Kamerun: 23 Tore in 17 Spielen (1,35 Tore pro Spiel)*
2019 in Ägypten: 31 Tore in 16 Spielen (1,96)
2017 in Gabun: 66 Tore in 32 Spielen (2,06)
2015 in Äquatorialguinea: 68 Tore in 32 Spielen (2,13)
2013 in Südafrika: 69 Tore in 32 Spielen (2,16)

*Turnier läuft noch

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