Archäologie
Antike Amphore ausgegraben: Schon vor 2000 Jahren importierten wir Olivenöl

Eine Berner Archäologin ist in einem Flusssediment auf eine 2000 Jahre alte Amphore gestossen. Diese hat wohl dazu gedient, Olivenöl aus dem südspanischen Raum zu importieren.

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So wurde die 2000-jährige Amphore im Flusssediment aufgefunden.

So wurde die 2000-jährige Amphore im Flusssediment aufgefunden.

Sébastien Dénervaud

Die Entdeckung der Amphore im Frühling war eine Überraschung. Eine Mitarbeiterin des Archäologischen Dienstes des Kantons Bern begleitete Bauarbeiten im unberührten, natürlichen Flusssediment der alten Zihl in der Gemeinde Aegerten. Es stellte sich heraus, dass die Amphore noch weitgehend intakt war, wie die Berner Kulturdirektion in einer Mitteilung vom Freitag schreibt. Inzwischen ist das 2000-jährige Fundstück restauriert. Es misst 73 Zentimeter in der Höhe und 50 Zentimeter in der Breite.

Die Amphore nach der Restaurierung.

Die Amphore nach der Restaurierung.

Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Philippe Joner

Die Archäologen gehen davon aus, dass es sich bei der antiken Amphore um ein Transportgefäss für Olivenöl handelte. Das Gefäss dürfte mindestens 65 Liter gefasst und gefüllt rund 80 Kilo schwer gewesen sein. Aufgrund der Fundlage könne die Amphore von einem antiken Transportschiff in das Flussbett der Zihl gefallen oder entsorgt worden sein. In der Römerzeit betrieben Schiffsleute in der Nähe des Fundortes verschiedene Hafenanlagen. «Nicht abwegig ist der Gedanke, dass die Amphore mitsamt ihrem wertvollen Inhalt direkt beim Warenumschlag in den Fluss gefallen ist», heisst es in der Mitteilung.

Im ersten Jahrhundert nach Christus waren solche Amphoren vom westlichen Mittelmeerraum, entlang von Rhone und Rhein bis nach Britannien verbreitet. In ihnen wurde südspanisches Olivenöl aus der römischen Provinz Baetica an ihren Bestimmungsort gebracht. «Das Transportgefäss ist somit ein Hinweis auf die Übernahme der römischen Kultur durch die keltische Bevölkerung im Schweizer Mittelland, die schon damals von über 1500 Kilometer weit her importiertes Olivenöl schätzte», schreibt der Kanton Bern. (agl)

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