Galaktische «Fotobombe»
Mit Schweizer Teleskop: Einzigartiger Exoplanet in Sternensystem fotografiert

Mit dem Weltraumteleskop Cheops ist ein Exoplanet im Sternbild Lupus erstmals festgehalten worden. Wie eine «Fotobombe» querte er das Sichtfeld der Forschenden der Universitäten von Genf und Bern.

Samuel Thomi
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So stellen sich die Forschenden den hellen, sonnenähnlichen Stern im «Lupus» und dessen drei Exoplaneten vor.

So stellen sich die Forschenden den hellen, sonnenähnlichen Stern im «Lupus» und dessen drei Exoplaneten vor.

ESA

Rund 50 Lichtjahre entfernt, etwa 2,5 Mal so gross wie die Erde und fast 9 Mal so schwer: Das ist «d», der dritte und neueste Exoplanet in dem hellen und nahe gelegenen Sternsystem «Nu2 Lupi». Wie die Universitäten von Bern und Genf am Montag in einer gemeinsamen Mitteilung schreiben, ist der «einzigartige Exoplanet» der internationalen Forschertruppe zufällig durch das Blickfeld gewandert, als sie die zwei bereits näher bekannten und ebenfalls besonders wasserreichen Exoplaneten in dem Sternbild beobachten wollten. Eine galaktische «Fotobombe» also. Oder in der Fachsprache: Eine Transit.

«Was diese Exoplaneten wirklich herausragend macht, ist, dass wir sie direkt vor ihrem Stern vorbeiziehen sehen können», wird Yann Alibert, Professor für Astrophysik an der Universität Bern, in der Mitteilung zitiert. Das habe man zwar bereits von den beiden bekannten Planeten gewusst, weshalb die Forschenden Cheops überhaupt erst auf das System richteten, sagt der Mitautor der eben publizierten Studie zu «Nu2 Lupi d». «Der dritte Planet ist jedoch ziemlich weit vom Stern entfernt, seinen Transit hatte niemand erwartet», ergänzt Alibert. Je weiter der Planet von seinem Stern entfernt ist, desto unwahrscheinlicher sei nämlich ein Transit.

«Beispiellosen Ziel für zukünftige Studien»

Was den neu entdeckten Exoplaneten besonders bedeutend macht für die Forschung, erklärt David Ehrenreich, Professor an der Universität Genf und ebenfalls an der Cheops-Forschung beteiligt: «Aufgrund seiner relativ langen Umlaufzeit ist die Menge an stellarer Strahlung, die den Planeten erreicht, im Vergleich zu vielen anderen entdeckten Exoplaneten mild.» Da sein heller Wirtsstern jedoch recht nahe bei der Erde liege, lasse er sich leichter untersuchen. Das macht ihn laut Ehrenreich denn auch «zu einem beispiellosen Ziel für zukünftige Studien».

Als nächsten Schritt wollen die Forschenden alle drei Exoplaneten nun mit grösseren und leistungsfähigeren Instrumenten weiter untersuchen, etwa dem Hubble- oder dem James Webb-Weltraumteleskop. Davon erhoffen sich die Beteiligten weitere Details – etwa zu der Frage, wie deren Atmosphäre zusammengesetzt ist. Angesichts seiner Gesamteigenschaften und seiner Umlaufbahn wird Planet «d» in der Mitteilung allerdings bereits jetzt als das Aushängeschild für Exoplaneten mit einer Atmosphäre von milder Temperatur um einen sonnenähnlichen Stern bezeichnet.