«Züri Can»
Zürich startet Versuch mit regulierter Abgabe von Cannabis

Die Stadt Zürich und die Psychiatrische Universitätsklinik starten ein dreieinhalb Jahre dauerndes Cannabis-Experiment. Sie erhoffen sich davon Antworten zu Auswirkungen des regulierten Kiffens.

Samuel Thomi
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Darf versuchsweise in Zürich bald auch legal geraucht werden: Bio-Hanf aus der Schweiz.

Darf versuchsweise in Zürich bald auch legal geraucht werden: Bio-Hanf aus der Schweiz.

Keystone

Nachdem das Parlament den Cannabis-Experimentierartikel beschlossen hat, dürfen in der Schweiz seit Mitte Mai wissenschaftliche Studien zum Konsum von Hanf durchgeführt werden. Diese neue Möglichkeit wollen die Psychiatrischen Universitätskliniken Zürich in Zusammenarbeit mit der Stadt Zürich nun für ein dreieinhalb Jahre dauerndes Experiment nutzen. Ziel der am Dienstag vorgestellten Studie ist es, Modelle des regulierten Bezugs von Cannabis und dessen Auswirkungen auf die Gesundheit und das Konsumverhalten der Konsumierenden zu erforschen.

Wie die Stadt und die Psychiatrische Klinik in einer gemeinsamen Mitteilung schreiben, soll die Studie aber auch der Förderung der öffentlichen Gesundheit, der Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und dem Jugendschutz dienen. Zudem soll die Studie mit dem Titel «Züri Can – Cannabis mit Verantwortung» Grundlagen für eine zukunftsorientierte Cannabis-Gesetzgebung auf Bundesebene liefern.

Einheimischer Bio-Hanf aus Apotheken oder Clubs

Konkret sollen die Teilnehmenden an der Zürcher Studie ihr Cannabis über Apotheken und Social Clubs beziehen können. Sie sollen dabei möglichst persönlich und individuell betreut werden. Dank unterschiedlicher Bezugsmöglichkeiten sollen später Rückschlüsse auf die verschiedenen Konsumentengruppen möglich sein. Zudem können alle Teilnehmenden jederzeit gratis eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen.

Für die «Züri Can»-Studie wird – wie vom Bund vorgeschrieben – einheimischer Bio-Hanf abgegeben werden. Die Produzenten des Zürcher Studiencannabis müssen zudem über eine Produktionsbewilligung des Bundesamts für Gesundheit verfügen. Apotheken und Social Clubs, die sich als Bezugsstelle bewerben wollen, können sich bis Ende Jahr bei den Studienverantwortlichen melden. Werbung für den Versuch hat der Bund vollständig verboten. Voraussichtlich in einem Jahr soll das erste Cannabis dann an die Teilnehmenden der Studie abgegeben werden.

Auf dem Mittelweg des Bundesrats

In der Schweiz ist Cannabiskonsum weit verbreitet. Laut einer Studie der Universität Bern hat ein Drittel der Bevölkerung schon einmal einen Joint geraucht. Trotz dieser Realität ist Kiffen illegal. Allerdings wird auf dem politischen Parkett seit Jahrzehnten über Cannabis gestritten. Zuletzt mehrten sich Stimmen, die sich für eine Regulierung aussprechen. Die Eidgenössische Kommission für Suchtfragen etwa forderte, dass Cannabiskonsum nicht mehr bestraft und der Markt reguliert wird.

Der Bundesrat wollte nicht so weit gehen. Er sprach sich aber dennoch dafür aus, quasi als Mittelweg Pilotversuche zur kontrollierten Abgabe von Cannabis zu erlauben. Das Parlament hat diesem sogenannten Experimentierartikel vor Jahresfrist zugestimmt. Die Gegner warnen, mit den Pilotversuchen werde das Kiffen verharmlost; das Psychose- und Schizophrenierisiko sei vor allem bei jungen Menschen zu gross, der Jugendschutz nicht gewährleistet. Die Befürworter wiederum sagen, es sei nötig, in der Cannabispolitik neue Wege zu prüfen.

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