Wölfe
Beverinrudel: Leitwolf darf nicht abgeschossen werden

Entgegen dem Willen des Kantons Graubünden darf der Leitwolf des Beverinrudels nicht geschossen werden. Der Bund bewilligt einzig den Abschuss dreier Jungwölfe.

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Nach dem grünen Licht aus Bern kann der Kanton Graubünden in den Bestand des Beverinrudels eingreifen. (Symbolbild)

Nach dem grünen Licht aus Bern kann der Kanton Graubünden in den Bestand des Beverinrudels eingreifen. (Symbolbild)

Keystone

Das Bundesamt für Umwelt bewilligte am Montag den Abschuss dreier Jungwölfe des berüchtigten Rudels am Piz Beverin. Dem Abschussgesuch aus dem Kanton Graubünden kommt es damit nur bedingt entgegen. Dem Kanton war vor allem der Leitwolf ein Dorn im Auge. Die Voraussetzungen für den Abschuss des Vatertiers erachtet der Bund derzeit jedoch nicht als erfüllt, wie es in einer Mitteilung des Kantons vom Montag heisst.

Die Bündner Behörden hatten sich jüngst besorgt gezeigt über die aktuelle Entwicklung. Das Beverinrudel wage sich auch an Herden von grösseren Tieren heran und verletze diese zum Teil stark. Letzten Sommer töteten die Wölfe ein Kalb. Im September traf es dann einen Esel – ein Novum in der Schweiz. Dennoch wies der Bund damals ein Abschussgesuch zurück. Ein Esel als Schadenfall genüge laut Gesetz für den Abschuss nicht.

In den letzten Wochen kam es erstmals auch zu gefährlichen direkten Begegnungen zwischen Menschen und Wölfen. Beim ersten Mal wurde die Frau auf einer Alp am Schamserberg von einem Wolf von hinten auf einer Distanz von etwa zehn Metern überrascht und angeknurrt. Eine Woche später wurde sie dann gleich von drei Wölfen überrascht, die den Hirtenhund angriffen. Die Hirtin machte jeweils laut auf sich aufmerksam, worauf die Wölfe wieder verschwanden. Touristen berichteten daraufhin, dass sie im Streifgebiet des Rudels auf zwei ausgewachsene Tiere trafen und später auf vier Welpen, die ihnen folgten.

Kantone von neuer Praxis Gebrauch

In jüngster Zeit einen Wolf erlegt hat derweil der Kanton Wallis. Anfang August gelang es einem Wildhüter, ein Tier, das zuvor mehrere Schafe gerissen hatte, zu erlegen. Es war dies der erste offizielle Abschuss eines Wolfes in der Schweiz nach den neuesten Regeln des Bunds. Erst Mitte Juli hatte er diese gelockert.

Die revidierte Verordnung erlaubt es Kantonen, neu rascher in Wolfsbestände einzugreifen. Ein Abschuss ist etwa bereits ab dem zehnten Riss eines Schafes oder einer Ziege zulässig. Davor waren 15 Risse notwendig. Oder es dürfen nicht mehr nur Welpen, sondern neu etwa auch Leitrüden abgeschossen werden wie dies Graubünden eben beantragt hatte.

Anstoss für die Revision waren Motionen aus dem Parlament. Allerdings waren die Lockerungen umstritten. Der Grund: Erst letzten Herbst hatte sich das Stimmvolk gegen das neue Jagdgesetz ausgesprochen. Dieses hätte massiv einfachere Wolfsabschüsse zugelassen. (rwa/abi/sat/dow/gb)

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