Vorsorge
Unternehmen wollen nicht zahlen: Pandemieversicherung vorerst vom Tisch

Eine obligatorische Pandemieversicherung ist für die Schweizer Unternehmen derzeit kein Thema. Der Bund verfolgt deshalb ein entsprechendes Projekt nicht weiter.

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Das Projekt für die Erarbeitung einer Pandemieversicherung ist vom Tisch. (Symbolbild)

Das Projekt für die Erarbeitung einer Pandemieversicherung ist vom Tisch. (Symbolbild)

Keystone

(agl) Vertreter des Bundes und der Versicherungsbranche hatten unter der Leitung des Finanzdepartements (EFD) ein Konzept für eine Pandemieversicherung für Unternehmen erarbeitet. Wie das EFD in einer Mitteilung vom Donnerstag schreibt, sieht das Konzept im Pandemiefall vertragliche Entschädigungsleistungen vor. Im Gegenzug müssten die Unternehmen eine jährliche Prämie bezahlen. Diese würde sich nur dann in einem vertretbaren Rahmen bewegen, wenn die Versicherung für alle rund 600'000 Schweizer Unternehmen obligatorisch wäre.

Bei den konsultierten Unternehmen stiess der Vorschlag jedoch nicht auf Begeisterung, wie der Mitteilung zu entnehmen ist. Es fehlten «klare Anzeichen, dass die Unternehmen eine Pandemieversicherung in dieser Art wollen», schreibt das EFD. Die Prämien würden im Falle eines Obligatoriums als «steuerähnlich» betrachtet, zudem brauche es für eine obligatorische Pandemieversicherung voraussichtlich eine Verfassungsgrundlage.

Versicherungsverband: Entscheid nicht nachvollziehbar

Der Bund verfolgt das Konzept damit nicht weiter. Er bleibe jedoch mit der Versicherungsbranche in Kontakt und sei weiterhin offen für «allfällige alternative Vorschläge». Der Schweizerische Versicherungsverband (SVV) zeigt für das Vorgehen des Bundesrates kein Verständnis, wie er in einer Mitteilung schreibt. Aufgrund des hohen Risikos einer Pandemie sei es nicht nachvollziehbar, weshalb die Regierung - im Wissen um die Schäden der Coronapandemie - auf die Fortführung der Konzeptarbeiten verzichtet.

«Mit diesem Entscheid wird dem vom Bund propagierten Modell des integralen Risikomanagements keine Rechnung getragen», so der SVV weiter. Dieses sehe vor, die erkannten Risiken mit geeigneten Massnahmen auf ein vertretbares Mass zu reduzieren. Pandemien seien zudem rein privatwirtschaftlich nicht versicherbar. Umso wichtiger sei es, für derartige Grossrisiken frühzeitig gemeinsame Lösungsansätze zu suchen. Die angedachte Lösung hätte es ermöglicht, «das Pandemierisiko angemessen vorzufinanzieren – und im Bedarfsfall die Schadenzahlungen rasch und geordnet abzuwickeln». Trotz des negativen Entscheids will sich der SVV weiterhin für eine Lösung einsetzen.

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