Verkehr
Weniger Lärm: Erste Schweizer Stadt führt nachts Tempo 30 ein

Auf den Lausanner Strassen gilt nach 22 Uhr ab sofort Tempo 30. Als erste Stadt der Schweiz sagen die Romands damit dem Strassenlärm den Kampf an. Ähnliche Bestrebungen gibt es in weiteren Städten.

Dario Pollice, Samuel Thomi
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Als erste Stadt der Schweiz führt Lausanne zwischen 22 und 6 Uhr neu Tempo 30 ein. Dies soll den Strassenlärm verringern.

Als erste Stadt der Schweiz führt Lausanne zwischen 22 und 6 Uhr neu Tempo 30 ein. Dies soll den Strassenlärm verringern.

Keystone

Lausanne sagt dem Verkehrslärm den Kampf an. Als erste Stadt der Schweiz führt sie in den nächsten Wochen nachts auf fast allen Strassen Tempo 30 ein. Diese Geschwindigkeitsbegrenzung gilt in der Stadt am Genfersee künftig zwischen 22 Uhr abends und 6 Uhr in der Früh, wie die Stadtregierung am Dienstag mitteilte. Damit vervollständige sie ihr Massnahmenpaket zur Bekämpfung des Strassenlärms, die von den Behörden als Hauptquelle der Lärmbelästigung angesehen wird.

Von der Temporeduktion werden gemäss der Stadt 33'000 Bewohnerinnen und Bewohner profitieren. Die Massnahmen würden es ermöglichten, «einen echten Einfluss auf die Gesundheit und den Schlaf der Lausanner Bevölkerung zu nehmen», wird Verkehrsdirektorin Florence Germond (SP) in der Mitteilung zitiert. Bis Mitte September soll das Tempo auf fast 60 Kilometern städtischer Strassen nachts reduziert werden.

Floronce Germond im Video-Interview.

Keystone-SDA

Tempo 30 in Städten auf Vormarsch

Lausanne hatte die nächtliche Temporeduktion bereits in einem zweijährigen Versuch getestet. Messungen hätten gezeigt, dass der Lärm mit Tempo 30 um zwei bis drei Dezibel reduziert werden kann. In Kombination mit einem schallabsorbierenden Belag könne der Lärm insgesamt sogar um bis zu vier Dezibel gesenkt werden.

«Bäume statt Asphalt»: In Zürich erhöht UmverkehR mit zwei Volksinitiativen Druck auf Strassenverkehr

Nach den umstrittenen Plänen der Stadt Zürich zum Ausbau von Tempo 30 erhöht die Umweltorganisation UmverkehR ihren Druck auf den Strassenverkehr in der Limmatstadt. Am Dienstag hat sie mit je rund 5700 Unterschriften zwei sogenannte «Stadtklima-Initiativen» eingereicht. Die «Gute-Luft-Initiative» verlangt dabei «Bäume statt Asphalt», wie UmverkehR in einer Mitteilung schreibt. Konkret solle ein Teil des  Strassenraums in Grünraum umgewandelt werden, um die Stadt hitzeerträglicher zu machen. Die «Zukunfts-Initiative» wiederum strebt einen Ausbau der Velowege an.

Die Zürcher «Stadtklima-Initiativen» sind Teil einer nationalen Kampagne von UmverkehR. In den Städten St.Gallen, Basel, Genf und Winterthur sind ebenfalls ähnliche Volksbegehren bereits eingereicht worden. Unterstützt werden die Initiativen unter anderem von Grünen, SP, Pro Velo, Greenpeace und WWF. Der Verein UmverkehR selbst stand hinter der gleichnamigen Eidgenössischen Volksinitiative die im Jahr 2000 mit 78,8 Prozent Nein-Stimmen abgelehnt worden ist. (dpo/sat)

Eine weitgehende Einführung von Tempo 30 ist derzeit allerdings nicht nur in der Waadt ein Thema. Auch die Stadt Zürich hat kürzlich mitgeteilt, dass auf den Strassen der Limmatstadt bis 2030 Tempo 30 eingeführt werden soll. Auch hier argumentierte die Stadtregierung mit einer Senkung der Lärm- und Umweltbelastung. Die Umsetzung soll in Etappen erfolgen. die Pläne stossen allerdings in bürgerlichen Kreisen auf teilweise heftigen Widerstand.

Auch die zweitgrösste Zürcher Stadt Winterthur will bis in 20 Jahren auf allen Strassen Tempo 30 einführen, wie sie kürzlich mitteilte. In Quartieren soll gar Tempo 20 zum neuen Standard werden. Und auch in Bern treibt die Stadt die Ausweitung von Tempo 30 seit Jahren in grossen Schritten voran. Doch stösst sie dabei nebst Widerstand von bürgerlicher Seite auf Kritik des bürgerlich dominierten Kantons. Denn auf Kantonsstrassen kann Tempo 30 derzeit lediglich in Ausnahmefällen eingeführt werden. Das Bundesparlament hat bislang alle Versuche von rot-grüner Seite und von Städten abgelehnt, dies zu ändern.

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