Urteil
Circus Knie gewinnt teilweise vor Gericht gegen Ticket-Plattform Viagogo

Die Ticket-Plattform Viagogo kann zwar weiterhin Tickets des Circus Knie anbieten. Allerdings muss sie Auflagen befolgen und die Preisgestaltung transparent machen. Das hat ein Gericht entschieden.

André Bissegger
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Der Circus Knie gewinnt vor Gericht teilweise gegen Viagogo.

Der Circus Knie gewinnt vor Gericht teilweise gegen Viagogo.

Keystone

Im Ticketgeschäft wird mit harten Bandagen gekämpft. Nun hat der Schweizer Nationalzirkus Knie die Ticket-Plattform Viagogo vor das St. Galler Handelsgericht gezerrt. Der Vorwurf: Viagogo verletzt durch den Verkauf von Knie-Tickets Markenrechte und handelt unlauter. Die Ticket-Plattform wies die Vorwürfe zurück. Nun hat das Gericht ein Urteil gefällt und die Klage von Knie teilweise gutgeheissen. Das geht aus dem Urteil hervor, das CH Media vorliegt.

So wird der Online-Ticketbörse unter Androhung einer Strafe untersagt, Vorstellungen des Circus Knie als «ausverkauft» zu bezeichnen, wenn bei der einzigen offiziellen Verkaufsstelle Ticketcorner noch Tickets erhältlich sind. Auch darf Viagogo keine Bezeichnungen für Preiskategorien verwenden, die von den offiziellen des Circus Knie abweichen. Das gilt auch für Sitzplatzpläne, die nicht die Sitzanordnung und die Sektoren wiedergeben.

Intransparente Preisgestaltung

Auch ist die Preisgestaltung von Viagogo gemäss Handelsgericht zu intransparent und verstösst gegen das Klarheitsgebot. Dass die enorm hohe Buchungsgebühr nur einmal zusammen mit dem Gesamtpreis genannt wird, sei unlauter. Der Nutzer könne praktisch nicht feststellen, dass sich der vorher in dieser Höhe nie erwähnte Gesamtpreis wegen der Buchungsgebühr nochmals erheblich erhöht hat – vor allem nicht während des laufenden Countdowns und dem Hinweis, dass sich der Kunde rasch entscheiden müsse, um die begehrten Tickets nicht zu verlieren.

Umstrittener Tickethändler

Viagogo ist ein umstrittener Tickethändler mit Hauptsitz in Genf. Die Online-Ticketbörse steht wegen ihrer Geschäftspraktiken seit längerem in der Kritik und wird von Verbraucherschutz und Veranstaltern gerne verklagt. Erst kürzlich wurde sie auch vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) wegen unlauterer Geschäftspraktiken angezeigt. Die Gerichte haben das Vorgehen von Viagogo hingegen gestützt.

Das Gericht verbietet der Ticket-Plattform daher, den tatsächlich zu bezahlenden Preis während des Bestellvorgangs durch schrittweise Nennung der zu bezahlenden Beträge zu erhöhen, ohne bei der Bestätigung des Einkaufs gleichzeitig sichtbar das Gesamttotal des Preises mit den einzelnen Positionen zu nennen, heisst es im Urteil. Dem Kunden muss zudem für den Kaufentscheid eine Frist von mindestens drei Minuten eingeräumt werden.

Ausserdem darf Viagogo künftig auf der Webseite keine Angaben mehr machen, die auf eine grosse Nachfrage oder ein knappes Angebot schliessen lassen. Dazu zählen Hinweise wie «Nur noch 43 Tickets verfügbar», «Begehrte Tickets» oder «Diese Tickets sind vermutlich schnell ausverkauft». Ausnahme: Viagogo weist klar darauf hin, dass dies nur für das Angebot auf ihrer Website gilt.

Viagogo darf weiterhin Knie-Karten verkaufen

Allerdings darf Viagogo weiterhin Begriffe wie «Knie» oder «Circus Knie» verwenden, um Tickets anzubieten – auch wenn sie keine offizielle Verkaufsstelle ist. Eine Vermarktung von Zirkuseintritten ohne Nennung des Veranstalters könne der Markenrechtsinhaber ebenso wenig verlangen wie der Verkauf von Autos ohne Nennung der Marke beziehungsweise der Verkauf von Eintrittskarten zu Fussballspielen ohne Nennung der am Spiel beteiligten Mannschaften, hält das Gericht fest.

Der Circus Knie zeigte sich in einer Stellungnahme erfreut über das Urteil. «Es ist in dieser sowieso schon schwierigen Zeit ein Lichtblick für alle Besucherinnen und Besucher, dass bezüglich der Irreführung beim Ticketkauf eine wichtige Hürde genommen wurde», wird Fredy Knie jun. in der Mitteilung zitiert. «Mit dem Urteil wird diese Irreführung nun klar erschwert und es ist für uns ein Wegweiser in die Zukunft.»