Unwetter
«Katastrophen-Franz» sieht Fehler bei der Feuerwehr – Aufräumarbeiten in Zürich dauern lange

Der ehemalige FDP-Präsident Franz Steinegger spricht in einem Interview über Fehler der Feuerwehr. Derweil kündigte die Stadt Zürich an, dass die Aufräumarbeiten bis im Herbst andauern werden.

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Die Aufräumarbeiten nach dem Sturm werden in Zürich bis weit in den Herbst dauern.

Die Aufräumarbeiten nach dem Sturm werden in Zürich bis weit in den Herbst dauern.

Keystone

Franz Steinegger, der ehemalige FDP-Nationalrat, wurde bekannt als «Katastrophen-Franz». Er leitete über 30 Jahre lang den Urner Führungsstab und war in dieser Zeit mit drei schweren Unwettern konfrontiert – 1977, 1987 und 2005. In einem Gespräch mit dem Tages-Anzeiger vom Donnerstag vergleicht er die damaligen Unwetter mit dem aktuellen.

«Vom jetzigen Unwetter sind die städtischen Agglomerationen stark betroffen», sagte Steinegger. «Das war 1977, 1987 und 2005 noch kaum der Fall, auch wenn es am Thunersee, im Berner Mattequartier und in Luzern mit Hochwasser einige Probleme gab.» Er stellt fest, dass man auf dem Land gelassener reagiere als die Städterinnen und Städter. «Die Leute auf dem Land haben so etwas alle schon mal erlebt. Und man ist eher bereit, ein solches Ereignis als vom Herrgott gegeben anzunehmen.»

Steinegger äussert im Gespräch auch Kritik. Er hat «den Eindruck, dass die Feuerwehren ihre Prioritäten in den letzten Jahren teilweise falsch gesetzt haben.» Man habe sehr viel in die Ausrüstung für schnelle Einsätze in der Brandbekämpfung investiert, beispielsweise in Atemschutzmasken. «Aber gerade hier in Uri sind Einsätze wegen Überschwemmungen und Erdrutschen häufiger als Brände. Für solche Ereignisse bräuchten die Feuerwehren vor allem eines: sehr viel Manpower.»

Aufräumarbeiten dauern an

Derweil zog Axel Fischer von Grün Stadt Zürich Bilanz nach dem heftigen Unwetter vom Dienstag. Die Schäden seien teilweise immens, sagte er in einem Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung. In einigen Grünanlagen der Stadt habe der Sturm den Baumbestand um mehr als die Hälfte reduziert. Angaben über die Anzahl der betroffenen Bäume oder die finanziellen Auswirkungen kann er aber noch keine machen.

Klar ist aber, dass sich die Aufräumarbeiten noch weit in den Herbst hineinziehen werden, wie Fischer sagte. «Seit den frühen Morgenstunden des Dienstags sind die städtischen Mitarbeitenden von Grün Stadt Zürich, Entsorgung und Recycling, Tiefbauamt, Schutz und Rettung und weiteren Dienstabteilungen mit den Aufräumarbeiten beschäftigt.» Insgesamt stehen alleine von Grün Stadt Zürich über 200 Mitarbeitende im Einsatz. Sie werden dabei von externen Firmen unterstützt.

Es regnet weiter

Das Unwetter und die Hochwassergefahr dürften die Feuerwehren und Behörden weiter auf Trab halten. SRF Meteo meldete am Donnerstag auf Twitter, dass es seit Mittwochabend wieder verbreitet geregnet hat und teilweise bereits wieder 10 bis lokal 30 mm Regen gefallen sind. Am Donnerstag regne es weiter, wenn wohl auch etwas weniger intensiv als ursprünglich erwartet.