Unwetter in der Schweiz
Hochwasserlage entspannt sich, aber Risiko bleibt gross

Über das Wochenende hat sich die Hochwasserlage in der Schweiz entschärft. Das Schlimmste dürfte überstanden sein. Angesichts hoher Pegel, reissender Flüsse und Schwemmholz bleibt jedoch Vorsicht geboten.

Alice Guldimann und Reto Wattenhofer
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Besonders hart getroffen hat es den Bielersee. Hier wurden viele Gebiete überschwemmt.

Besonders hart getroffen hat es den Bielersee. Hier wurden viele Gebiete überschwemmt.

Bild: Keystone

Die Wasserstände der betroffenen Seen haben sich gemäss Messdaten seit Freitagabend stabilisiert und sind vielerorts übers Wochenende gesunken. Gemäss der Naturgefahrenkarte des Bundes ist die Hochwassergefahr indes noch nicht gebannt.

Die höchste Gefahrenstufe gilt weiterhin für den Bieler- und den Vierwaldstättersee. Herabgestuft hat der Bund die Gefahrenstufe für den Thuner- und Neuenburgersee. Hier gilt nun «grosse Gefahr». Entspannt hat sich die Situation auch bei den Flüssen. Für die Aare und den Rhein hat der Bund die dritthöchste Gefahrenstufe ausgerufen.

Es könnte noch Wochen dauern

Trotz dieser Entwicklung besteht weiterhin ein hohes Risiko. Dafür sorgen vor allem die hohen Fliessgeschwindigkeiten von Flüssen und Schwemmholz, wie die Berner Behörden in einer Mitteilung betonen. Die Boots- und Badeverbote seien strikt einzuhalten. Strandbäder sind geschlossen, die Schifffahrt ist ebenfalls eingestellt. Die Behörden raten von jeglichen Aktivitäten auf Gewässern ab. Die Einsatzkräfte stehen seit Beginn der Hochwasserlage im Dauereinsatz.

Die Pegel des Brienzer-, Thuner- und Bielersees liegen 15 bis 30 Zentimeter unter den gemessenen Höchstständen. Angestiegen ist dagegen jener des Neuenburgersees und liegt auf der gleichen Höhe wie jener des Bielersees. Deshalb sinkt der Pegel des Bielersees nur noch sehr langsam. Bis die Situation sich normalisiert kann es Tage bis Wochen dauern.

Vandalenakte am Bielersee

Erschwerend kam hinzu, dass die Arbeit der Einsatzkräfte am Bielersee sabotiert wurde. Unbekannte entfernten am Samstag Sandsäcke und Abschrankungen und verschoben Entwässerungsschläuche. Die Polizei verstärkte deshalb ihre Präsenz in den überschwemmten Gebieten.

Auch am Vierwaldstättersee ist man noch nicht zur Normalität zurückgekehrt. Die Stadt Luzern teilte mit, dass die Kapellbrücke, der Rathaussteg, die Reuss- und die Spreuerbrücke weiterhin gesperrt bleiben und erst wieder zugänglich sind, wenn die Pegel deutlich gesunken sind. Dies dürfte frühestens am Montag der Fall sein.

Sommerwetter im Anflug

Positive Nachrichten gab es von der Wetterfront. Seit Samstag blieben in der Schweiz die grossen Regenmengen aus. Die Niederschläge im Osten reichten zudem nicht aus, um die Wasserpegel weiter steigen zu lassen.

Der Nordföhn brachte zudem vielerorts milde Temperaturen, wie SRF Meteo mitteilt. Ab Sonntag ist dann auch nicht mehr mit Regengüssen zu rechnen. Bis mindestens am Freitag kann man mit warmem Sommerwetter und Temperaturen zwischen 25 und 28 Grad rechnen. Im Süden könnte es ab Mittwoch wieder Sommergewitter geben, auf der Alpennordseite wird erst am kommenden Wochenende das nächste Tief erwartet.