Weltweiter Mindestsatz für Firmensteuer
Zuger Finanzdirektor bringt Umbau des Schweizer Steuersystems ins Spiel

Der Kanton Zug wäre von einer internationalen Harmonisierung der Unternehmenssteuern stark betroffen. Finanzdirektor Heinz Tännler schlägt darum nun einen Umbau des Steuersystems vor.

Peter Walthard
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Glaubt nicht, dass Unternehmen die Schweiz wegen höherer Steuern verlassen werden: Der Zuger Finanzdirektor Heinz Tännler.

Glaubt nicht, dass Unternehmen die Schweiz wegen höherer Steuern verlassen werden: Der Zuger Finanzdirektor Heinz Tännler.

Keystone

Wird die Absicht der bedeutendsten Industrienationen umgesetzt, und die Unternehmenssteuer international auf mindestens 15 Prozent festgelegt, wäre der Kanton Zug in der Schweiz davon direkt stark betroffen. In einem am Montag publizierten Interview mit den Tamedia-Zeitungen gibt sich der Zuger Finanzdirektor Heinz Tännler jedoch gelassen. «Ich gehe nicht davon aus, dass Unternehmen wegziehen», sagt er im Interview. Denn die Standortvorteile der Schweiz beschränkten sich nicht auf tiefe Steuern, sondern beinhalteten auch die Aspekte Infrastruktur, Fachkräfte und Rechtssicherheit.

Um das einheimische Gewerbe zu entlasten, schlägt Tännler vor, das System der Unternehmensbesteuerung zu reformieren. Auf Ebene der internationalen Konzerne müsste dabei das 15-Prozent-Ziel der G7-Staaten zwar eingehalten werden, so der Zuger Finanzdirektor. Hier könne aber mit Subventionen für die Forschung, mit Steuererleichterungen für Mitarbeitende und einer Reduktion der Umweltabgaben und Lohnnebenkosten Gegensteuer gegeben werden.

Extra Steuerrecht für einheimische Betriebe?

Einheimische Betriebe mit Umsätzen von weniger als 750 Millionen Euro würden in Heinz Tännlers System einem separaten Steuerrecht unterworfen, das auf dem Obligationenrecht beruhen soll. Für sie wären damit weiterhin tiefere Unternehmenssteuern möglich. «Der Gipser oder Metzger hätte sicher keine Mühe damit», sagt Heinz Tännler.

Die Finanzminister der sieben grössten Industrienationen der westlichen Welt haben am Sonntag in London ihre Pläne für einen Neustart des weltweiten Steuersystems nach der Pandemie vorgestellt. Um die von der Coronakrise arg in Mitleidenschaft gezogenen Staatskassen wieder zu füllen, wollen sie global eine Unternehmenssteuer von mindestens 15 Prozent durchsetzen. Ausserdem soll es eine weltweit gültige Steuer auf digitale Dienstleistungen geben. Unternehmen mit einer Gewinnmarge von mehr als 10 Prozent sollen zudem 20 Prozent der über diese Marge hinausgehenden Gewinne dort versteuern. Und zwar dort, wo diese auch erwirtschaftet worden sind.