Radikale Reformen
Hat die Bratwurst bald auch einen CO2-Preis? Forscher schlagen beschränktes Klima-Guthaben für Konsumenten vor

Um die Klimaziele zu erreichen, fordern Schweizer Klimaforscher radikale Reformen. Schweizerinnen und Schweizer sollen jedes Jahr nur eine bestimmte Menge an CO2 verbrauchen. Ist ihr Konto leer, sollen sie neue Emissionsrechte erwerben müssen.

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Wird für die Bratwurst bald auch ein Klimapreis fällig? Das fordert zumindest ein Expertengremium, das den Bund berät. (Symbolbild)

Wird für die Bratwurst bald auch ein Klimapreis fällig? Das fordert zumindest ein Expertengremium, das den Bund berät. (Symbolbild)

Keystone

Wer heute eine Bratwurst kauft, muss dafür etwas bezahlen. Geht es nach einer Expertengruppe Schweizer Klimaforscher sollen künftig dafür nicht mehr nur Franken und Rappen fällig werden, sondern auch jene Menge an Treibhausgasemissionen, die bei der Produktion der Wurst entstanden ist. Die Klimarechnung soll dabei für alle Produkte und Dienstleistungen gelten. Beglichen werden soll sie mit einem CO2-Guthaben, das alle Einwohnerinnen und Einwohner vom Bund jedes Jahr erhalten. Wessen Konto vor Ende Jahr leer ist, muss neue Emissionsrechte kaufen.

Diese radikale Idee macht das beratende Organ für Fragen der Klimaänderung (OcCC) in einem neuen Bericht über den die «NZZ am Sonntag» berichtet hat. Es berät den Bund und formuliert strategische Empfehlungen zur Schweizer Klimapolitik. Bekanntestes Mitglied dürfte der Klimaforscher Thomas Stocker sein.

Wichtige Ergänzung zu bestenden Instrumenten

Das Gremium erachtet CO2-Budgets für die Bevölkerung als «wichtige Ergänzung» zu den bereits in der Schweiz eingesetzten Instrumenten. Es sei davon auszugehen, dass emissionsintensive Produkte und Dienstleistungen seltener gekauft und produziert würden, schreiben die Experten in dem 24-seitigen Bericht.

Allerdings räumt das Organ ein, dass noch viele Fragen offen seien. «Sollen einkommensschwächere Haushalte eine höhere Zuteilung erhalten als einkommensstärkere?», heisst es im Bericht. Auch sei zu klären, ob Touristen und Grenzgänger ebenfalls CO2-Guthaben erhalten sollten.

In die Pflicht nehmen möchte das Gremium auch Unternehmen. Die Betriebe könnten jedoch ihr jährliches CO2-Budget selbst bestimmen. Dabei wäre darauf zu achten, dass dieses Budget die Einhaltung von Netto Null bis 2050 garantieren könne, schreiben die Autoren weiter. (rwa)

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