Überraschungserfolg für die linke Kandidatin: Im Jura gibt es einen zweiten Wahlgang

Der CVP ist es im ersten Wahlgang nicht gelungen, ihren Regierungsratssitz zu verteidigen. Stärkste Kandidatin war die Sozialistin Rosalie Beuret Siess.

Peter Walthard
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Rosalie Beuret Siess (SP) wird von den Grünen und dem radikalen «Combat Socialiste» unterstützt.

Rosalie Beuret Siess (SP) wird von den Grünen und dem radikalen «Combat Socialiste» unterstützt.

Keystone

Eigentlich hatte man bei der CVP damit gerechnet, dass ihre Kandidatin Anne Seydoux-Christe das Amt ihres zurückgetretenen Parteikollegen Charles Juillard ohne grosse Probleme übernehmen kann. Doch nun sieht es im jüngsten Kanton der Schweiz nach einer Überraschung aus. Gemäss dem am Sonntagnachmittag publizierten vorläufigen Resultat hat mit Rosalie Beuret Siess (SP) eine dezidiert links politisierende Kandidatin die meisten Stimmen errungen. Sie kommt auf rund 42 Prozent der Stimmen, Seydoux-Christe nur auf 37, 3. Der dritte Kandidat, Romain Schaer von der SVP, liegt bei rund 21 Prozent.

Siess ist Gemeinderätin in Porrentruy und wird dort nicht nur von den Grünen, sondern auch von der radikalen Gruppierung« Combat Socialiste» unterstützt. Ihr gutes Resultat dürfte aber nicht nur ihrer politischen Gesinnung, sondern ebenso ihrer regionalen Herkunft geschuldet sein: Mit ihr könnte die Ajoie ihren zweiten Sitz in der Kantonsregierung halten. Denn Seydoux-Christe stammt im Gegensatz zu ihrem Vorgänger aus Delémont. Die regionale Verteilung der drei Regionen Ajoie, Delémont und Franche-Montagne spielt im Kanton Jura eine bedeutende Rolle.

Gesamterneuerungswahlen im Herbst

Nun kommt es zu einem zweiten Wahlgang. Dabei wird sich zeigen, ob regionale oder politische Loyalitäten den Ausschlag geben. Denn der dritte Kandidat, Romain Schaer, ist politisch stramm rechtsbürgerlich, stammt aber wie Beuret-Siess aus der Ajoie. Stellen sich seine Wähler aus regionalpolitischen Gründen hinter die Linke Beuret-Siess, hat sie gewonnen. Unterstützen Schaers Wähler dagegen die politisch klar bürgerlich politisierende Seydoux-Christe, bleibt Beuret-Siess in Porrentruy. Bislang hat sich Schaer aber nicht zurückgezogen.

Wie die Wahlen auch ausgehen, das Resultat wird von kurzer Dauer sein. Bereits am 18. Oktober finden Gesamterneuerungswahlen statt. Dann werden nicht nur die parteipolitischen Karten neu gemischt, sondern auch jene unter den Regionen.

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