Tag der Arbeit
Wegen Corona ein etwas anderer 1. Mai als üblich

Die traditionellen Feierlichkeiten zum Tag der Arbeit sind in den meisten Kantonen wegen der Coronapandemie abgesagt worden. Trotzdem finden schweizweit unter dem Motto «Zeit für die soziale Wende» Aktionen und Demonstrationen statt.

André Bissegger
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Trotz Absage kam es im vergangenen Jahr am 1. Mai zu Kundgebungen.

Trotz Absage kam es im vergangenen Jahr am 1. Mai zu Kundgebungen.

Keystone

Im vergangenen Jahr musste der traditionelle Umzug in Zürich wegen Corona gestrichen werden. Auch in diesem Jahr sind Demonstration und Fest in Zürich offiziell abgesagt, genauso wie viele traditionelle Feierlichkeiten in den verschiedenen Kantonen. Dennoch finden schweizweit Dutzende gewerkschaftliche Aktionen in den von der Coronakrise besonders betroffenen Branchen statt – auch in Zürich. So etwa beim Pflegepersonal oder bei den Velo- und Foodkurieren.

Nach Angaben des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB) wird für rund 40 Demonstrationen oder Veranstaltungen in allen Regionen der Schweiz mit Corona-Schutzkonzepten und Einschränkungen mobilisiert. Im Internet gibt es zudem eine Live-Sendung mit Gästen wie Bundesrätin Simonetta Sommaruga oder dem Generalsekretär des Europäischen Gewerkschaftsbundes, Luca Visentini.

Einkommensschere hat sich geöffnet

Das Motto des 1. Mai 2021 lautet «Zeit für die soziale Wende». Berufstätige mit tiefen Einkommen würden von der Pandemie am härtesten getroffen. Dagegen seien die Vermögen der Top-Verdienenden gewachsen, schreibt der SGB. «Die Gewerkschaften fordern einen Aufschwung für die Arbeiterinnen und Arbeit – mit Vollbeschäftigung, besseren Löhnen und einer sozialeren Altersvorsorge.»

Die Gewerkschaft Syna legt ihren Fokus am diesjährigen Tag der Arbeit auf prekäre Arbeitsbedingungen. Davon seien in der Schweiz Hunderttausende Arbeitnehmenden betroffen. Diese seien Ausdruck und Folge tief verankerter Probleme, die offen gelegt und bekämpft werden müssten, schreibt die Syna in einer Mitteilung. Im Fokus stünden vor allem Frauen – etwa im Detailhandel, in der Reinigungsbranche, im Gastgewerbe aber auch im Gesundheitswesen.

Die Gewerkschaft fordert zum 1. Mai, dass soziale Berufe und nicht bezahlte Care-Arbeit aufgewertet werden, das Rentenalter für Frauen nicht erhöht wird, Lohngerechtigkeit und die Ausweitung von Gesamtarbeitsverträgen.

Corona-Skeptiker wollen auch demonstrieren – Zusammenstösse befürchtet

In der Stadt Bern rufen am Samstagnachmittag ein linksautonomes Bündnis sowie Corona-Skeptikerinnen und -Skeptiker zu illegalen Kundgebungen auf. Zusammenstösse werden befürchtet. «Wir analysieren, woher diese Aufrufe kommen und wer die Absender sind oder welche Resonanz diese Aufrufe finden. Wir analysieren auch, was am 1. Mai sonst noch in der Schweiz stattfindet. All das spielt eine Rolle in der Lagebeurteilung», sagte der Berner Sicherheitsdirektor Reto Nause am Freitag gegenüber Radio SRF.

Auch in Zürich gibt es Aufrufe für illegale Proteste. «Wir wissen, dass diese Aufrufe aus linksextremen Kreisen kommen und die lassen auch eine gewisse Gewaltbereitschaft erkennen und darauf werden wir uns vorbereiten», sagte Judith Hödel, Mediensprecherin der Stadtpolizei Zürich, gegenüber Radio SRF.