Szenario
Flüchtlingsstrom nach Pandemie: Bund rechnet mit bis zu 25'000 Asylgesuchen

Derzeit bremst die Coronakrise die weltweite Migration. Entspannt sich die Situation, könnten in der Schweiz nächstes Jahr bis zu 25'000 Personen Asyl suchen.

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Tritt Ende Jahr ab: Mario Gattiker, Staatssekretär für Migration. (Archiv)

Tritt Ende Jahr ab: Mario Gattiker, Staatssekretär für Migration. (Archiv)

Keystone

Derzeit gehe das Staatssekretariat für Migration (SEM) für das kommende Jahr von etwa 15'000 Asylgesuchen aus. Dies sagte dessen abtretender Chef, Mario Gattiker, in einem am Donnerstag erschienenen Interview mit dem Blick. Die Entwicklung der Migration sei aber stark von jener der Pandemie abhängig. «Wenn sich die Corona-Lage ab dem Frühling entschärfen sollte, was wir ja alle hoffen, bremst das die Migration viel weniger als jetzt», sagt Gattiker im Interview. In diesem Fall könnten 2022 bis zu 25'000 Asylgesuche gestellt werden. Im laufenden Jahr waren es laut Gattiker etwa 14'500.

Bereits 2021 habe es wieder mehr Anlandungen von Flüchtlingen in Italien gegeben. Auch sei die Balkanroute durch den Wegfall von Coronamassnahmen in den dortigen Ländern wieder aufgegangen. In der Schweiz machte sich dies durch einen Anstieg der Einreisen von afghanischen Staatsbürgern bemerkbar. Ein Grossteil davon habe aber nicht die Schweiz zum Ziel, sondern wolle weiter. «Die Hauptzielländer sind Deutschland, Frankreich und Grossbritannien, weil es dort grosse Diasporas gibt», so Gattiker.

Die Schweiz leiste im Rahmen des UNO-Umsiedlungsprogramms ihren Beitrag zur Bewältigung der Migration, der Fokus liege dabei aber nicht auf Migranten aus Afghanistan, so Gattiker: «Unsere Priorität liegt bei Flüchtlingen aus dem Syrien-Konflikt.» Damit entlaste die Schweiz die Türkei und den Libanon.

Mario Gattiker hat das Pensionsalter erreicht und tritt Ende Jahr zurück. Ab dem 1. Januar übernimmt seine Nachfolgerin Christine Schraner Burgener. Die Diplomatin war bis anhin UNO-Sonderbeauftragte für Myanmar. (wap)

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