Studie
Hohe Qualität mit knappen Ressourcen: Schweizer Pflegeheime sind am Anschlag

Das Pflegepersonal in den Schweizer Pflegeheimen kommt an seine Belastungsgrenzen, wie eine neue Studie zeigt. Die Forschenden verorten dringenden Handlungsbedarf.

Alice Guldimann
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Pflegende haben kaum noch Zeit, mit den Heimbewohnern und -Bewohnerinnen Einzel- oder Gruppenaktivitäten durchzuführen. (Symbolbild)

Pflegende haben kaum noch Zeit, mit den Heimbewohnern und -Bewohnerinnen Einzel- oder Gruppenaktivitäten durchzuführen. (Symbolbild)

Keystone

Die Schweizer Heime bieten hohe Qualität in der Pflege und arbeiten daran, diese weiter zu entwickeln. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Instituts für Pflegewissenschaft der Universität Basel. Die Forschenden haben die Angaben von knapp 4500 Pflegenden aus 118 Institutionen in der Deutschschweiz und der Romandie ausgewertet, dazu kommen Angaben von fast 7000 Heimbewohnern. So bewerteten 90 Prozent des befragten Personals die Pflegequalität als hoch, zudem würden im internationalen Vergleich bei wenigen Bewohnerinnen bewegungseinschränkende Massnahmen angewendet, wenige seien mangelernährt.

Die hohe Qualität wird jedoch mit knappen Personalressourcen aufrechterhalten, wie die Studie weiter zeigt. So geben 96 Prozent der Betriebe an, Probleme bei der Rekrutierung von Pflegefachpersonal zu haben. Nur knapp 50 Prozent der Befragten gaben zudem an, dass es genügend Personal gibt, um die anfallende Arbeit zu erledigen. Bei der letzten Befragung im Jahr 2013 waren es laut Mitteilung noch 58 Prozent.

Pflegende müssen Aktivitäten oder Körperpflege weglassen

Mit der Personalknappheit komme es auch vermehrt zur Rationierung der Pflege. Der Anteil der Befragten, die aus Zeitknappheit Aktivitäten mit den Bewohnenden weglassen, ist seit 2013 gestiegen. Zudem gaben 25 Prozent des befragten Pflegepersonals an, manchmal oder häufig wegen knappen Ressourcen die Körperpflege weglassen zu müssen. 2013 waren es laut Mitteilung noch 17 Prozent.

Für die Pflegenden selbst hat der Personalmangel auch gesundheitliche Folgen. Wie die Universität Basel schreibt, gaben deutlich mehr der Befragten an, unter Energielosigkeit, Schlafstörungen, Gelenk- oder Gliederschmerzen zu leiden. «Die Resultate der Studie zeigen, dass die Heime einen grossen Einsatz leisten, um mit den knappen Ressourcen eine hohe Pflegequalität für die Bewohnerinnen und Bewohner zu erreichen», kommen die Forschenden zum Schluss. Das Gleichgewicht sei fragil. Es brauche Massnahmen zur Stärkung der Heime, damit diese weiterhin ihre Arbeit leisten und sich für das Wohl der Bewohnenden einsetzen können.

Das Institut für Pflegewissenschaft der Universität Basel führte die Befragungen zum «Swiss Nursing Homes Human Resources Project» zwischen September 2018 und Oktober 2019 durch. Eine erste Erhebung gab es bereits im Jahr 2013.