Studie
Gesundheits- und Pflegepersonal erkrankte häufiger an Corona

Gesundheits- und Pflegeberufe sowie Haushalts- und Küchenpersonal waren stärker von Covid-19 betroffen als der allgemeine Durchschnitt in der Schweiz. Das zeigt eine neue Studie.

André Bissegger
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Das Personal in Altersheimen war stärker gefährdet als die andere Berufe. (Symbolbild)

Das Personal in Altersheimen war stärker gefährdet als die andere Berufe. (Symbolbild)

Keystone

Je nach ausgeübten Beruf war man in der Schweiz stärker oder schwächer von Corona betroffen. Zwar war die Infektionsrate unter Arbeitern in den als systemrelevant geltenden Sektoren nicht global höher, als die Rate der Allgemeinbevölkerung. Allerdings zeigten sich in den einzelnen Tätigkeitsbereichen deutliche Unterschiede. Das geht aus einer Studie der Universitätskliniken Genf (HUG) und weiteren Instituten hervor, die am Dienstag in «Nature Communications» veröffentlicht wurde. Die Resultate sind gemäss den Studienautoren entscheidend, um aufzuzeigen, wie die Ausbreitung von Epidemien bekämpft werden kann und um mögliche Impfkampagnen anzuleiten.

Dazu wurden im Sommer 2020 in Genf über 10'000 Personen auf Corona-Antikörper getestet. Sie waren alle in den systemrelevanten Branchen tätig, die ihre Aktivitäten während der ersten Welle im Frühjahr 2020 unverändert weiter ausübten – beispielsweise die Bereiche Transport, Gesundheitswesen oder Lebensmittel. Damit waren sie einem höhern Risiko ausgesetzt, mit Corona in Kontakt zu kommen.

Nicht nur Pflegeberufe, sondern auch das Küchenpersonal war gefährdet

Die Infektionsrate bei den Getesteten betrug insgesamt 9,8 Prozent. Sie war damit nur leicht höher als die der gesamten Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter, die damals bei 7,9 Prozent lag. Auch zeigte sich, dass mit Ausnahme des Gesundheitssektors, der Altersheime und des Küchenpersonals, das vor allem in Altersheimen tätig war, die systemrelevanten Arbeitnehmenden nicht stärker gefährdet sind.

Personal in Altersheimen (Infektionsrate 12,1 Prozent), Krankenschwestern (11,1 Prozent) und Mitarbeitende in Apotheken (10,1 Prozent) waren dagegen besonders betroffen. Dies lasse sich insbesondere durch eine längere enge und persönliche Betreuung der potenziell von der Krankheit betroffenen Patienten erklären, wie es weiter heisst. Auch Haushalts- und Küchenpersonal – vor allem in Altersheimen – gehörte mit Infektionsraten von 12,1 respektive 10,1 Prozent zu den stärker infizierten Bereichen. Dies unterstreiche tendenziell die Schwierigkeit, in diesen Wirtschaftszweigen Barrieremassnahmen einzuhalten.

Die Sektoren Medien (4 Prozent), internationale Organisationen (5,7 Prozent), frühkindliche Bildung (5,8 Prozent) und Bauwesen (6 Prozent) seien dagegen eher verschont geblieben. Damit würden die Forderungen bekräftigt, dass das Gesundheitspersonal in Krankenhäusern und Altersheimen vorrangig geimpft werde. Zudem sollten andere Berufe wie das Küchenpersonal in Betracht gezogen werden, heisst es ausserdem.