Steigende Zahlen
Aargauer Regierung definiert Kriterien für Verschärfungen der Corona-Massnahmen

Die Aargauer Regierung hat eine Eventualplanung mit drei Eskalationsstufen definiert, sollten die Fallzahlen weiter steigen und eine Überlastung der Spitäler drohen. Unter anderem ist eine erweiterte Zertifikatspflicht vorgesehen.

Alice Guldimann
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Auch im Aargau steigen derzeit die Coronazahlen deutlich an. Die 14-Tages-Inzidenz beträgt aktuell 278.5 auf 100'000 Einwohner, die Positivitätsrate beträgt 13.3 Prozent, wie der Kanton am Dienstag in einer Mitteilung schreibt. Hauptgrund für diese Entwicklung seien die Reiserückkehrer, heisst es. Die aktuelle Impfrate von 53 Prozent müsse deshalb zwingend markant erhöht werden, weshalb der Kanton auch erneut an die Bevölkerung appelliert, sich impfen zu lassen.

Die Medienkonferenz des Kantons Aargau vom Dienstagvormittag zum Nachschauen.

Youtube/Kanton Aargau

Sollte sich die Situation jedoch weiter verschlechtern und eine Überlastung der Spitäler drohen, hat die Aargauer Regierung eine Eventualplanung ausgearbeitet. Diese sieht drei Eskalationsstufen vor, welche vom R-Wert und der Situation auf den Intensivstationen abhängen. Damit soll die Gesundheitsversorgung im Kanton sichergestellt und gleichzeitig die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Freiheiten aufrechterhalten werden. Die Verschärfungen treten allerdings nicht automatisch inkraft, wenn die Werte überschritten sind. Das sagte Regierungsrat Jean-Pierre Gallati an einer Medienkonferenz.

Kriterien für Verschärfungen

  • 1. Eskalation: R-Wert im 7-Tagesschnitt über 1,5; Intensiv-Patienten mit Covid* über 40 %; Belegung zertifizierte Intensiv-Betten insgesamt 95 %; Wahleingriffe verschoben.
  • 2. Eskalation: R-Wert im 7-Tagesschnitt über 1,5; Intensiv-Patienten mit Covid* über 50 %; Belegung zertifizierte Intensiv-Betten insgesamt 100 %; Wahleingriffe und medizinisch dringliche Operationen verschoben.
  • 3. Eskalation (Lockdown): R-Wert im 7-Tagesschnitt über 1,5; Intensiv-Patienten mit Covid* über 60 %; Intensiv-Zusatzbetten belegt; Notfall-Operationen gefährdet.

*In einer früheren Version dieses Artikels wurde das Kriterium «Intensiv-Patienten mit Covid in %» fälschlicherweise als «Belegung der Intensivstationen mit Covid-Patienten in %» bezeichnet. Die Intensiv-Belegung durch Covid-Patienten ist allerdings kein Kriterium der Eventualplanung.

Aktuelle Zahlen im Aargau

Der Aargau meldet am Dienstag 229 neue Ansteckungen mit dem Coronavirus für den Vortag. Die Reproduktionszahl liegt laut Angaben des Kantons bei 1,47 – also knapp unter dem Richtwert.

Wegen einer Corona-Infektion im Spital befinden sich aktuell 48 Personen (16 mehr als am Vortag). Acht davon sind auf der Intensivstation. Es sind aktuell zehn Beatmungsplätze frei.

Laut Kantonsangaben sind damit die Intensivstationen im Aargau zu 17 Prozent durch Covid-Patienten belegt; die Gesamtauslastung der Intensivstationen beträgt 73 Prozent. (phh)

Lockdown in dritter Eskalationsstufe

Für die erste Eskalationsstufe sind beispielsweise Veranstalterwarnungen durch die SwissCovid-App für Veranstaltungen sowie Restaurants und Bars vorgesehen. Im Gesundheitswesen würden repetitive Tests für alle Mitarbeitenden eingeführt die nicht geimpft oder genesen sind. Die zweite Eskalationsstufe sieht eine Zertifikatspflicht für Bars und Clubs vor, Veranstaltungen ab 100 Personen würden bewilligungspflichtig. Bei der höchsten Eskalationsstufe würde es gemäss der Aargauer Eventualplanung zur erneuten Schliessung von Bars und Clubs kommen, Veranstaltungen würden verboten. Sprich: ein neuer Lockdown.

Die Regierung des Kantons unterstützt sodann den Vorschlag des Bundesrates, Tests für Personen ohne Symptome ab Oktober kostenpflichtig zu machen. Derweil lehnt sie es ab, dass alle Personen Zugang zu Speichel-Pooltests haben. Der Regierungsrat bezweifelt laut Mitteilung, dass mit einem solchen vom Bundesrat vorgeschlagenen neuen Zugang zu Tests ein Mehrwert geschaffen werde.

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